Wertvolle Funde in Aesch

Die Archäologie Baselland hat im vergangenen Jahr weitere Gräber beim Gräberfeld in Aesch Nord freigelegt. Auf Interesse stossen insbesondere die beigelegten Gürtelschnallen.

Fund aus dem 7. Jahrhundert: Eines von vier Gräbern. Die Toten hatten Ohrringe, Fingerringe, 
Schwerter und Beschläge von Gürtelgarnituren bei sich. Fotos: zvg

Fund aus dem 7. Jahrhundert: Eines von vier Gräbern. Die Toten hatten Ohrringe, Fingerringe, Schwerter und Beschläge von Gürtelgarnituren bei sich. Fotos: zvg

«Topliga im germanischen Raum»: Oben links ist der Originalfund einer Gürtelschnalle zu sehen, daneben ein Röntgenbild davon und unten die Zeichnungen, wie der Gürtel ausgesehen haben könnte.

«Topliga im germanischen Raum»: Oben links ist der Originalfund einer Gürtelschnalle zu sehen, daneben ein Röntgenbild davon und unten die Zeichnungen, wie der Gürtel ausgesehen haben könnte.

Die ersten Fundmeldungen zu frühmittelalterlichen Gräbern im Norden von Aesch in der Flur Steinacker gehen ins 18. Jahrhundert zurück. Aber erst die Notgrabungen in den 1980er- und 1990er-Jahren, ausgelöst durch die grossflächige Überbauung des Quartiers, führten zu fundierten Erkenntnissen zu diesem Friedhof des 6. und 7. Jahrhunderts. Einige der Toten wurden in hölzernen Grabkammern unter mächtigen Hügeln bestattet, beschreibt Grabungstechniker Jan von Wartburg im Jahresbericht der Archäologie Baselland. Mit Kreisgräben eingefasst, boten diese Grabmäler den ranghöchsten Mitgliedern der hier bestatteten Familien die letzte Ruhe. Im Rahmen einer Neuüberbauung einer Parzelle am Grienweg entdeckten Archäologinnen und Archäologen vier weitere Gräber mit menschlichen Überresten. Zwei Gräber waren als Hügelgräber mit Kreisgräben rundherum ausgebildet. Die Befürchtung bestätigte sich, dass Teile der Gräber geplündert oder durch Bauaktivitäten beeinträchtigt waren. Die Archäologie Baselland geht davon aus, dass die Plünderung nur kurze Zeit nach der Bestattung stattgefunden haben muss.

In den vier Gräbern lagen gemäss ersten Erkenntnissen zwei Männer, eine Frau und ein Kind. Die Toten hatten Ohrringe, Fingerringe, Schwerter und Beschläge von Gürtelgarnituren bei sich im Grab. Es ist davon auszugehen, dass in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts rund 30 Meter nördlich des Friedhofs einzelne wohlhabende Personen unter Grabhügeln bestattet wurden, erklärte Kantonsarchäologe Reto Marti im Rahmen der Jahresmedienkonferenz vergangene Woche in Aesch. Aufgrund der Bedeutung des Gräberfelds legte die Archäologie Baselland den Fokus ihrer Jahresmedienkonferenz auf Aesch.

Gut erhaltene Zeichnungen auf Gürtelbeschlägen

Gemäss Marti wurden auf dem Gräberfeld in Aesch Nord bisher gegen hundert Gräber freigelegt. Der Kantonsarchäologe sprach von potenziell mehreren hundert, wenn nicht sogar gegen tausend frühmittelalterlichen Gräbern in Aesch. Das bedeute aber nicht, dass alle dort begrabenen Personen auch in Aesch gelebt haben müssen.

Besonders wertvoll an den Gräbern in Aesch sind die beigelegten und zumeist gut erhaltenen Gürtelgarnituren. Die Zeichnungen wiesen auf einen germa­nischen Tierstil hin, erklärte Marti. Noch sind die Zeichnungen der letztjährigen Funde erst auf Röntgenbildern zu erkennen, da der Reinigungsprozess noch immer andauert.

Der Kantonsarchäologe zählt die bisher in Aesch gefundenen Objekte zur «Topliga im germanischen Raum». «Wir gehen von einer Adelsfamilie aus», sagte Marti zu den Funden im vergangenen August. «Wir können daraus konstruieren, dass in Aesch etwas Hochstehendes gewesen sein muss.» Die Gräberfelder von Aesch hätten in der Archäologie aufgrund ihrer Qualität und Quantität längst internationale Bekanntheit erlangt, ­betonte Marti. Auch das Heimatmuseum Aesch thematisiert das frühmittelalterliche Gräberfeld. Unter anderem ist ein Skelett einer Frau ausgestellt, die ein Kreuz aus Bronze trug. Die Gräberfelder würden bei den Museumsbesucherinnen und -besuchern auf Interesse stossen, verriet Stiftungsratspräsident Christian Helfenstein. Er würde dem Thema gerne mehr Platz im Museum einräumen. «Das Gräberfeld von Aesch fliegt zum Beispiel im Vergleich zu den Ausgrabungen in Reinach etwas unter dem Radar. Aufgrund der historischen Bedeutung hätte das Gräberfeld mehr Beachtung verdient», findet Helfenstein.

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