Frauenfussball auf dem Vormarsch

Mit der gestern gestarteten Europameisterschaft steht der Frauenfussball im Rampenlicht. Hilft das auch den Spielerinnen und Vereinen der Region?

Volunteer: Carla Hagenbach hilft bei der Europameisterschaft der Frauen
an den Spielen im St.-Jakob-Park ehrenamtlich mit. Foto: zvg

Volunteer: Carla Hagenbach hilft bei der Europameisterschaft der Frauen an den Spielen im St.-Jakob-Park ehrenamtlich mit. Foto: zvg

Am Ball: Carla Hagenbach im Training des FC Arlesheim. Foto: zvg

Am Ball: Carla Hagenbach im Training des FC Arlesheim. Foto: zvg

Als klar war, dass die Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz stattfinden wird, hat sich Carla Hagenbach riesig gefreut. «Es ist richtig cool, dass das Eröffnungs- und das Finalspiel hier in Basel sind», sagt Hagenbach. Für sie war klar: Sie möchte Teil dieses Gross­events werden. Und so bewarb sich die Arleserin vergangenen Oktober als ­Volunteer – mit Erfolg.

Im Frühjahr führte die Studentin zahlreiche Gespräche mit anderen Interessierten und teilte diese für die Spiele in Basel den benötigten Aufgaben zu. «Ich fand es sehr spannend, die verschiedenen Beweggründe der Leute zu erfahren, die ehrenamtlich mithelfen wollten», sagt Hagenbach. Die Leute seien bunt gemischt: Studenten, Pensionierte, Männer und Frauen, Schweizer und Ausländer. Sie alle verbindet, dass sie mithelfen wollen an diesem Fussballfest. Hagenbach selbst ist an den Spielen im St.-Jakob-Park für die Einlaufkinder zuständig. Beim grössten Frauenfussballevent in der Schweiz mitzuhelfen, ist für sie Ehrensache.

Eine Bubenmannschaft schreckt ab

Denn Hagenbach hat ihr Leben schon früh dem Fussball verschrieben. «Als kleines Mädchen habe ich mit meinen Brüdern auf dem Spielplatz Fussball gespielt», erinnert sie sich. Ihr Bruder spielte beim FC Arlesheim, auch sie hatte Interesse daran, im Verein zu spielen. Als junges Mädchen traute sich Hagenbach aber nicht, in ein Team nur mit Jungs einzutreten. Erst einige Jahre später, als sie 13 war, fing sie im Klub an, Fussball zu spielen – in der FF15, einem reinen Mädchenteam.

Das war vor 13 Jahren. Als Mädchen, das Fussball spielt, war Hagenbach damals eher eine Exotin. Sie erinnert sich auch an Sprüche von Jungs in der Schule, dass Fussball kein Sport für Mädchen sei. Das hat sich mittlerweile geändert, der Frauenfussball gewinnt in der Schweiz immer mehr an Zuspruch und Popularität. Die Anzahl der beim Fussballverband Nordwestschweiz gemeldeten Mädchen- und Frauenteams hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Der FC Arlesheim hat mittlerweile ein FF12-Team. Etwas, das es in der Kindheit von Hagenbach noch nicht gab. Für Jüngere gibt es zudem eine Trainingsgruppe nur für Mädchen. In Arlesheim, wie auch bei den anderen Vereinen in der Region, nehmen die Anfragen von jungen Mädchen, die Fussball spielen wollen, immer weiter zu. Es mangelt aber oft an der nötigen Infrastruktur, Trainingsplätze, Garderoben sowie Trainerinnen und Trainer sind Mangelware. Die Folge: lange Wartelisten.

«Wenn Mädchen Fussball spielen wollen und nicht gleich können, suchen sie sich halt ein anderes Hobby», ist sich Hagenbach sicher.

So müssen viele mit einer anderen Freizeitbeschäftigung vorliebnehmen. Hagenbach hofft, dass sich hier die Situation in Zukunft verbessert. Doch Infrastruktur ist nicht von heute auf morgen gebaut.

Durch die mediale Präsenz wird der Frauenfussball sicher weiter an Popularität gewinnen. Hagenbach, die beim FC Arlesheim jahrelang als Trainerin waltete, für den Mädchenfussball zuständig war und mittlerweile als Co-Präsidentin Teil des Vereinsvorstands ist, konnte den Aufstieg des Frauenfussballs aus nächster Nähe mitverfolgen. Es freut sie, dass junge Mädchen im Dorf mit einem T-Shirt oder einer Jacke des FC Arlesheim herumlaufen. Das ermutige auch Jüngere, Fussball spielen zu gehen.

Endlich weibliche Vorbilder

Da der Frauenfussball mittlerweile deutlich präsenter ist und beispielsweise auch Spiele der Women’s Super League im Fernsehen gezeigt werden, haben die Mädchen auch weibliche Vorbilder für den eigenen Weg. «Ich sehe viele Mädchen und junge Frauen, die Fan von ­einer Frauenmannschaft sind», sagt Hagenbach. Das sei zu der Zeit, als sie mit Fussball in Kontakt kam, noch anders gewesen.

Die heutigen Vorbilder heissen Bachmann, Lehmann und Wälti. Hagenbach verfolgte sie aus nächster Nähe: Als Volunteer war Hagenbach gestern am Eröffnungsspiel der EM im St.-Jakob-Park anwesend. Und das wird nicht das letzte Spiel bleiben, dass die Studentin aus nächster Nähe mitverfolgen wird. Sie reist die kommenden Tage durch die ganze Schweiz und schaut 17 Spiele als Zuschauerin: «Ich habe Tickets für zahlreiche Spiele in fast allen Stadien.» Und dabei drückt sie natürlich den Schweizerinnen ganz besonders die Daumen. Die Viertelfinal-Qualifikation sei durchaus möglich, glaubt Hagenbach. Doch egal, wer am Schluss als Siegerin vom Platz geht: Gewinnerin ist der Schweizer Frauenfussball, ist sich Hagenbach sicher.

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