Wie Kampfkunst das Selbstbewusstsein stärkt
Am Samstag findet in der Mehrzweckhalle in Aesch der Regio Kata Cup statt. Kampfkunst findet in der Region immer mehr Anklang.

Kurz vor 18 Uhr trudeln die Kinder in ihren weissen Karateanzügen im Dojo in Aesch ein. Der bereits vierte Ableger des Kampfkunstcenters Nordwestschweiz befindet sich im Untergeschoss eines Fitnesscenters am Pfeffingerring. Zuerst müssen die Schuhe ausgezogen werden, bevor die Kinder das mit Matten ausgelegte Kampfkunstcenter betreten dürfen. Die Kinder springen noch herum oder plaudern miteinander. Pünktlich um 18 Uhr herrscht dann aber Ruhe – das Training beginnt. Die jungen Kampfkünstler begrüssen ihre Trainer und beginnen mit dem Aufwärmen. Dreimal in der Woche finden im Dojo in Aesch Trainings des Kampfkunstcenters statt. Daneben sind noch weitere Kampfsportvereine eingemietet. Zuerst sind die Kinder – die sogenannten Samurai Kids – an der Reihe, im Verlauf des Abends trainieren auch noch die Jugendlichen und die Erwachsenen. Über 100 Personen besuchen wöchentlich Kurse im Aescher Dojo.
Die Leute wollen sich selbst verteidigen können
Gründer des Kampfkunstcenters ist der Deutsche Klaus-Thomas Hildesheim. Der in Laufen wohnhafte Hildesheim begann in seiner Wohngemeinde und hat mittlerweile vier Standorte eröffnet – in Laufen, Blauen, Breitenbach und Aesch. Im Sommer folgt ein weiterer Standort in Oberwil.
Die starke Expansion in den vergangenen zehn Jahren zeigt: Kampfkunst wie auch Kampfsport erfreuen sich steigender Beliebtheit. Hildesheim sieht dafür folgenden Grund: Selbstverteidigung werde in den Augen der Leute immer wichtiger. «Viele Erwachsene kommen hierhin und sagen, sie wollen sich wehren können», sagt Hildesheim. Selbstverteidigungskurse spriessen aus dem Boden. Doch Hildesheim stellt klar: Wer sich selbst verteidigen will, braucht viel Training und Zeit. Es sei eine Illusion, sich nach ein paar Stunden gegen einen geübten Angreifer wehren zu können. Er betont auch, dass bei ihnen nur Kampfkunst und kein Kampfsport betrieben werde. Kampfkunst ist eine Technik, um sich vor feindlichen Angriffen zu schützen, Kampfsport ist wettkampf- und leistungsorientiert. Wer Kampfsport machen wolle, werde an einen anderen Verein vermittelt.
Samurai-Kids-Unterricht machtdie Kinder stark
Doch nicht nur bei Erwachsenen gibt es Zulauf. Fast zwei Drittel der Teilnehmenden des Kampfkunstcenters sind Kinder und Jugendliche – viele spricht der Samurai-Kids-Unterricht an. Auf der Website heisst es: «Es ist unser Ziel, Ihre Kinder stark zu machen – stark fürs Leben mit Spass und Freude am Lernen.» Hildesheim fasziniert die Entwicklung, die die Kinder dabei durchleben: «Hier kommen scheue und verängstigte Kinder, die kaum ein Wort sprechen und teilweise in der Schule gemobbt wurden. Sie werden hier sofort in der Gruppe aufgenommen, und nach ein paar Wochen Training sind sie selbstbewusst, tauschen sich mit den anderen Kindern aus und führen sogar Übungen vor.»
Inklusion und Jugendtrainer
Sämtlich Kinder seien dabei willkommen. Hildesheim sagt mit Stolz, dass Inklusion grossgeschrieben werde. Mehrere Kinder mit Downsyndrom nehmen an den Trainings teil. Und auch Menschen im Rollstuhl machen mit. Auch beim heutigen Training ist ein Kind mit Downsyndrom dabei. Er macht ganz normal mit, zeigt gewisse Übungen in den Kleingruppen sogar vor. Es sind solche Entwicklungen, die Hildesheim und sein Team mit Stolz erfüllen. Über 20 Trainer sind an den verschiedenen Standorten engagiert – viele von ihnen sind noch jung und nehmen selbst an Kursen teil. So auch die 12-jährige Emma. Sie trainiert seit vier Jahren im Kampfkunstcenter und ist seit einem Jahr auch Trainerin bei den Samurai Kids. Geübt zeigt sie den Jüngeren Trittfolgen und Choreografien. Konzentriert befolgen diese die Vorgaben.
Die steigende Nervosität ist dabei spürbar, denn dieses Wochenende treten viele von ihnen beim Kata Cup Nordwestschweiz in Aesch an – es gilt nun, noch den Feinschliff für den Wettkampf zu holen. «Es ist ein Breitensportanlass», erklärt Hildesheim. Auch Dojos aus Südbaden und dem Elsass seien mit von der Partie. Der Spass stehe dabei im Vordergrund. Auf dem Programm stehen keine Kämpfe, sondern nur Katas, also die Abfolge von Bewegungen nach klaren Regeln. Ein besonderes Highlight sei der Family Cup, bei dem die Kinder zusammen mit ihren Eltern oder Grosseltern, die teils kaum Training hatten, antreten. Der Kata Cup findet diesen Samstag von 10 bis 17 Uhr statt. kkc-nws.ch


