Unterstützung für Unternehmen im Tal

Die Verlegung der Kantons-strasse ins Tal in Arlesheim und Münchenstein gibt weiter zu reden. Die zuständige Landratskommission fordert Anpassungen am Projekt.

Auf dem Podium (v. l.): Brigitte Treyer (Gemeindevizepräsidentin Arlesheim), Arnoud Middel (Personalchef Straumann Group), Thomas Staehelin (Investor uptownBasel), Jeanne Locher (Gemeindepräsidentin Münchenstein), Balz Stückelberger (ehemaliger F
Auf dem Podium (v. l.): Brigitte Treyer (Gemeindevizepräsidentin Arlesheim), Arnoud Middel (Personalchef Straumann Group), Thomas Staehelin (Investor uptownBasel), Jeanne Locher (Gemeindepräsidentin Münchenstein), Balz Stückelberger (ehemaliger FDP-Landrat Arlesheim) und Daniel Urech (Gemeindepräsident Dornach und Moderator der Veranstaltung). Foto: Tobias Gfeller

Die Debatte um die vom Kanton Baselland geplante und von den Gemeinden Arlesheim und Münchenstein gewünschte Verlegung der Kantonsstrasse ins Tal und die damit verbundene Ergänzung mit einer Velovorzugsroute nimmt weiter Fahrt auf. In Kürze entscheidet der Baselbieter Landrat, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Die zuständige Bau- und Planungskommission fordert in ihrem Bericht Anpassungen an der Ausgestaltung der Strasse. Hauptkritikpunkt sind die vorgesehenen Enteignungen bei der Paul Ullrich AG und der Stamm AG. Bei Letzterer müsste unter anderem der Kopfbau weichen, was das Baugeschäft stark treffen würde.

Am vergangenen Donnerstag lud der Verein Birsstadt bei uptownBasel in Arlesheim zum Austausch ein. Gekommen waren zahlreiche Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, Mitglieder des Landrats und Vertreter der betroffenen Unternehmen. Durch die Veranstaltung führte Dornachs Gemeindepräsident Daniel Urech, der gemäss eigener Aussage als Solothurner «neutral» auf das Projekt blicken könne. Ziel der Veranstaltung sei es, Entscheidungsträger zusammenzubringen, um Lösungen zu finden, erklärte Urech zu Beginn.

Thomas Staehelin droht mit «Barrikaden»

Wie eine Lösung aussehen könnte, damit die Paul Ullrich AG und die Stamm AG kein Land abtreten müssen, formulierte uptown-Investor und Stamm-Verwaltungsratspräsident Thomas Staehelin: «Man muss den Korridor verkleinern. Dann geht es dem Kopfbau der Stamm nicht an den Kragen.» Wegen einer Veloroute dürfe das Traditionsunternehmen nicht gefährdet werden, stellte Staehelin klar. Der Investor wählte markige Worte, um klarzustellen, dass das Projekt in der aktuell vorliegenden Form nicht realisiert werden darf. Staehelin drohte, «auf die Barrikaden» zu gehen, falls es tatsächlich zu Enteignungen kommen sollte.

Grosse Bedeutung hat die Strassenverlegung mit der Velovorzugsroute für die Straumann Group. Der Zahnimplantatehersteller zieht vom Bahnhof SBB auf das Schorenareal nach Arlesheim um. Dadurch werde der Arbeitsweg von 80 Prozent der Mitarbeitenden länger, sagte Personalchef Arnoud Middel. «Der Arbeitsweg ist ein Standortfaktor», wiederholte er mehrfach. Ziel sei es, dass möglichst viele Mitarbeitende mit dem Velo und nicht mit dem Auto nach Arlesheim kämen. Für Straumann sei es deshalb elementar, dass das Projekt «konsequent und zeitnah» realisiert wird. Thomas Staehelin zeigte zwar Verständnis für die Anliegen der Straumann Group, trotzdem priorisiert er scheinbar die Anliegen der Paul Ullrich AG und vor allem der Stamm AG gegenüber dem Wunsch nach einer raschen Umsetzung des Strassenprojekts.

Zusätzlicher Druck wegen Bundesgeldern

Bei der Debatte um die Kantonsstrasse und die Velovorzugsroute geht es auch um viel Geld. Wird das Projekt zeitnah realisiert, würde sich der Bund über das Agglomerationsprogramm mit 8 Millionen Franken beteiligen. Insgesamt kostet das Vorhaben 38,5 Millionen Franken. In diesem Betrag sind die Entschädigungen für mögliche Enteignungen und die Kosten für die Ersatzparkfelder nicht mit eingerechnet. Arlesheims Gemeindeverwalterin Katrin Bartels warnte davor, die Bundesbeiträge für die Kantonsstrasse und kleinere Verkehrsprojekte in Arlesheim leichtfertig zu riskieren. «8 Millionen Franken sind für den Kanton und Arlesheim viel Geld.» Münchensteins Gemeindepräsidentin Jeanne Locher (SP) forderte eine schnellstmögliche Umsetzung des Projekts. Das ansässige Gewerbe müsse aber geschützt werden. «Die Probleme sind anerkannt. Es muss ein Weg gefunden werden, damit das Gewerbe seine Tätigkeit weiterführen kann.» So formuliert es auch der Vorstand des Vereins Birsstadt. «Der Vorstand unterstützt die Verlegung der Kantonsstrasse und die Velovorzugsroute. Die Kompatibilität für die betroffenen Firmen muss aber gegeben sein», erklärte Urech. Es dürfe nicht passieren, dass die Politik bei der Erschliessung des Wirtschaftsgebiets hinterherhinkt. Die vom Bund zugesagten 8 Millionen Franken dürfen nicht verloren gehen, mahnte der Dornacher Gemeindepräsident.

Der ehemalige Arlesheimer FDP-Landrat Balz Stückelberger fasste die Stimmungslage treffend zusammen: «Macht es einfach möglich. Diese Strasse ist eine Bringschuld der öffentlichen Hand. Findet Lösungen – egal wie!»

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