«Beim Fotografieren bin ich in meiner ganz eigenen Welt»
Schnappschuss-Fotografin Lisbeth Bolfing erzählt im Gespräch mit dem Wochenblatt, wo sie am liebsten auf Foto-Jagd geht und warum sie Strommasten und Frösche besonders gerne ablichtet.
In der Fotografie von Lisbeth Bolfing scheint es so, als ob es neben der gestochen scharfen Bildqualität vor allem der originelle Moment der Aufnahme ist, der dem Ganzen das gewisse Etwas verleiht. Sie zeigt ein Foto einer Libelle, die sich ganz sanft an einem Pflanzenhalm festhält und in deren Flügel sich die Farbe des Himmels und die Umrisse der hinter ihr liegenden Baumlandschaft reflektieren. Eine andere Aufnahme fängt just den Moment ein, in dem sich eine Zikade häutet, sich aus der braunen Hülle erhebt und sich mit einem sonderbaren Blick nach oben reckt. Bei solchen Fotos liegt der Gedanke nahe, dass hierfür viele Jahre Erfahrung am Werk waren. Umso mehr überrascht es, dass Bolfing die Fotografie erst später in ihrem Leben so richtig für sich entdeckt hat. Sie erzählt, dass ihr der Prozess des Fotografierens vor allem nach dem Verlust ihres Ehemannes vor einigen Jahren sehr geholfen habe: «Beim Fotografieren bin ich in meiner ganz eigenen Welt. Für mich ist es wie eine Art Therapie und eine gute Ablenkung, da man voll im Moment präsent sein muss.» Bolfing ist in Basel aufgewachsen, wohnte dann für über 30 Jahre in Reinach und ist nun seit 11 Jahren in Arlesheim zu Hause – und von hier auch nicht mehr so schnell wegzudenken, meint sie: «Arlesheim ist wunderbar für mich und ich bin sehr zufrieden, hier zu leben.»
Ohne Blick auf die Uhr
Ein Grund dafür dürfte sicherlich die Nähe zur Ermitage sein, wohin sie sich häufig auf ausgiebige Spaziergänge begibt und wo sie auf spannende Fotomotive hofft. Dabei verschwende sie dann auch keinen Blick auf die Uhr und nehme sich genügend Zeit: «Ich werde manchmal von meinem Umfeld gefragt, wie ich drei Stunden am immer gleichen Ort beobachten kann, doch wenn man genau hinsieht, gibt es immer etwas Neues zu entdecken, und davon lasse ich mich gerne überraschen.» Mit im Gepäck hat sie ihre Spiegelreflex-, aber auch eine handlichere Kompaktkamera für den Fall der Fälle. Mit dieser Ausrüstung ist sie neben der Ermitage auch viel auf Spaziergängen der Birs entlang oder für die Aussicht rund ums Goetheanum anzutreffen. Nach ihren Fototouren verbringt Bolfing anschliessend gerne etwas Zeit im offenen Garten beim Dorfkern, um das Gesehene und hoffentlich auch Eingefangene Revue passieren zu lassen, bevor sie sich dann zu Hause am Computer ans Aussortieren und Bearbeiten macht.
Weihnachtsbeleuchtungen und Delfine
Ihr Fokus liege klar auf der Naturfotografie, jedoch habe sie auch ein paar auf den ersten Blick etwas sonderbar klingende Lieblingsmotive. «Mich faszinieren verschiedene Arten von Elektromasten, aber auch Weihnachtsbeleuchtungen finde ich spannend», sagt Bolfing grinsend. In den Ferien in Italien habe dann schon hin und wieder mal angehalten werden müssen, wenn die Anordnung der Strommasten gerade fast schon kunstvoll inszeniert wirkte, erinnert sie sich. Aber auch Frösche hätten dankbare Qualitäten im Modellstehen, weshalb sie diese ebenfalls gerne ablichte. Auf ihrer Wunschliste, was sie alles noch gerne vor die Linse kriegen würde, ist nicht mehr allzu viel offen – und doch gäbe es da noch etwas: «Delfine zu fotografieren, wäre sicherlich noch ein kleiner Traum von mir. Ich war kürzlich in Kroatien und konnte welche sehen, jedoch war die Kamera ausnahmsweise leider mal nicht dabei.» Das bleibt also noch offen, doch wenn man ihren Zukunftswunsch hört, sind die Aussichten durchaus vielsprechend: «Ich möchte möglichst lange gesund bleiben und der Fotografie nachgehen. Ich sehe mich eigentlich auch noch am Rollator mit der Kamera in der Hand», sagt Bolfing schmunzelnd.








