BLT testet teilautomatisiertes Fahren

Mit dem System Nova Pro von Stadler Rail soll die Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit erhöht werden. Ab 2027 startet dafür die BLT auf der Linie 11 zwischen Münchenstein und Reinach einen Testbetrieb.

Grundsteinlegung bei der Tramhaltestelle Freilager: (v. l.) Silvio Gemperli, Head of Business Unit Signalling Switzerland, Frédéric Monard, CEO BLT, Marc Trippel, Executive Vice President, Division Signalling at Stadler, und Reto Rotzler, CIO BLT. F
Grundsteinlegung bei der Tramhaltestelle Freilager: (v. l.) Silvio Gemperli, Head of Business Unit Signalling Switzerland, Frédéric Monard, CEO BLT, Marc Trippel, Executive Vice President, Division Signalling at Stadler, und Reto Rotzler, CIO BLT. Foto: Kenneth Nars

Frédéric Monard, CEO der Baselland Transport AG (BLT), und Marc Trippel, Divisionsleiter Signalling bei Stadler Rail, bauen symbolisch den Sensor für das Communication-Based Train Control (CBTC)-System im Gleisbett bei der Haltestelle Freilager in Münchenstein ein. Mit dem CBTC-System soll ab 2027 das teilautomatisierte Fahren auf der Tramlinie 11 zwischen den Haltestellen Freilager und Landererstrasse in Reinach getestet werden. In einer ersten Testphase werden die Fahrten nachts ohne Fahrgäste durchgeführt. Ab 2028 erfolgen die Tests im Fahrgastbetrieb, erklärte Monard vergangene Woche im Rahmen der symbolischen Grundsteinlegung.

Insgesamt 45 solcher Sensoren werden auf den fünf Kilometern zwischen Münchenstein und Reinach im Gleisbett verbaut. Für das Funktionieren des Systems werden insgesamt 63 Trams mit der nötigen Infrastruktur ausgerüstet. Die Kommunikation zwischen den Elementen in der Fahrspur und dem Führerstand erfolgt über das öffentliche Mobilfunknetz. Mit dem System Nova Pro werden die Infrastruktur und die Fahrzeuge miteinander digital vernetzt.

Eine der Hauptaufgaben des Systems bestehe darin, stets zu überprüfen, ob sich das Fahrzeug an der korrekten Position befindet. Das System sorgt für die Beschleunigung, das Bremsen und das zentimetergenaue Stoppen an den Haltestellen. Die Wagenführerinnen und Wagenführer behielten die volle Verantwortung, stellte Monard klar. «Sie überwachen weiterhin den Fahrweg und kontrollieren den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste.» Das System von Stadler Rail schütze vor Kollisionen zwischen Fahrzeugen und binde Bahnübergänge sowie Lichtsignalanlagen in die Sicherung ein. Die Wagenführerinnen und Wagenführer erhalten sämtliche relevanten Informationen auf einen Bildschirm im Führerstand angezeigt.

Die BLT nutzt die aktuelle Erneuerung der Traminfrastruktur zwischen Münchenstein und Reinach, um das CBTC-System einzubauen. «Wir wollen die Strecke nicht nur ersetzen, wir wollen gleichzeitig die Voraussetzungen für die Mobilität von morgen schaffen», betonte BLT-CEO Monard.

Teiletappe zum automatisierten Fahren

Mobilität von morgen heisst aus Sicht der BLT-Verantwortlichen das vollautomatisierte Fahren. Dieses Ziel möchten sie «schrittweise» erreichen, erklärte Monard gegenüber dem Wochenblatt. Das teilautomatisierte Fahren ist auf dem langfristigen Weg eine wichtige Teiletappe. Ziel sei es, das ganze Stammnetz in der Agglomeration Basel mit dem CBTC-System auszurüsten. Davon, dass die Trams der BLT schon bald auch in der Stadt ohne Personal verkehren werden, sei man noch viele Jahre entfernt, stellten die BLT-Verantwortlichen klar.

Die BLT hat in Zusammenarbeit mit Stadler Rail das System Nova Pro auf der Waldenburgerbahn zu Beginn dieses Jahres bereits erfolgreich implementiert. Gemäss der BLT liegt die nachgewiesene Pünktlichkeit mit dem teilautomatisierten Fahren bei 99,8 Prozent. Ein weiterer Vorteil des digitalen Systems sei die Reduktion des Bedarfs an Infrastruktur für physische Signale, Stellwerke und Gleisfreimeldesysteme.

Dadurch verschönere sich auch die Tramstrecke zwischen Münchenstein und Reinach, so Monard mit einem Schmunzeln. Dafür brauche es für das CBTC-System bei der Haltestelle Surbaum ein neues Gebäude, erklärte Reto Rotzler, Leiter Infrastruktur bei der BLT.

Wagenführer mit weniger Aufgaben?

Die schrittweise Einführung des teilautomatisierten und später vollautomatisierten Fahrens verändert das Berufsbild der Wagenführerinnen und Wagenführer. «Eine Reduktion an Verantwortung und Aufgaben, dafür permanent vollständige Informationen im Cockpit», umschrieb es Marc Trippel, Divisionsleiter Signalling bei Stadler Rail. Bei der BLT sei man sich der Thematik bewusst, betont Monard. «Wir befinden uns regelmässig im Gespräch. Bei unserem Personal ist das Thema Automatisierung natürlich gross.»

Für Monard sind diese Diskussionen berechtigt. Es könnten daraus aber auch neue Berufsfelder entstehen, indem sich das Aufgabengebiet der Wagenführerinnen und Wagenführer verändere. Auch deshalb nehme sich die BLT die Zeit, die es für die Einführung braucht. «Ich erhoffe mir unter anderem einen Vorteil hinsichtlich der Schichten, indem zum Beispiel die Fahrzeuge nachts, wenn auf den Strassen weniger los ist, ohne Personal im Führerstand verkehren.» Dadurch könne der Job des Wagenführers an Attraktivität gewinnen, prophezeit Monard.

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