Und sie pfeifen noch immer
Schlaflose Nächte für Anwohnende: Herbststurm Boelo hat gezeigt, dass HRS das Pfeifen der Max Towers noch immer nicht in den Griff gekriegt hat.

Boelo fegte am Wochenende über die Schweiz und erreichte gemäss Meteo Schweiz bei der Messstation Binningen/Basel Böenspitzen von bis zu 65 Kilometern pro Stunde. Im Birseck rüttelte der Herbststurm Erinnerungen wach: Ein altbekanntes Pfeifen der Überbauung Aere an der Bruggstrasse war in Aesch, Reinach und Dornach zu hören.
Das Phänomen ist seit über zwei Jahren bekannt, die Überbauung schaffte es damit sogar in die nationalen Medien. Die Immobilienfirma HRS versicherte mehrfach, sie gehe der Ursache auf den Grund. Dabei wurden Balkongeländer unter die Lupe genommen, Spalten geschlossen und Rohre abgedichtet. Doch der Erfolg bleibt weiterhin aus: Am Wochenende war das Pfeifen wieder laut zu hören – sehr zum Unmut der Anwohnenden.
HRS-Mediensprecher Hans Klaus erklärt gegenüber dem Wochenblatt, die Suche nach der Ursache gestalte sich weiterhin schwierig: «Es ist inzwischen klar, dass das Phänomen nur bei bestimmten Wetterlagen und Windstärken auftritt.» Wo die Ursache liegt, das ist weiterhin unklar: «Auch wir wüssten das gerne», gibt Klaus zu.
Auch Messsungen bringen keine Klarheit
Dass die Türme zu nahe beieinanderstehen und das Pfeifen so verursacht wird, könne inzwischen ausgeschlossen werden, sagt Klaus und bezieht sich dabei auf akustische Messungen durch Experten. HRS habe im Deutschen Fraunhofer-Institut Messungen in einem Windkanal durchführen lassen. Dafür seien die Gebäudeelemente massstabsgetreu nachgebaut und unter bestimmten Windgeschwindigkeiten getestet worden.
Das Fazit ist nach all den Untersuchungen ernüchternd: Die Ursache für das Pfeifen liess sich nicht finden. HRS sei in den vergangenen Monaten nicht untätig geblieben und habe «sehr hohen Aufwand betrieben», um die Ursache weiter zu eruieren, versichert der Mediensprecher. Genau beziffern will Klaus die Ausgaben nicht. Inzwischen hätten Messungen ergeben, dass das Pfeifen leiser geworden sei. Aber der Ton bleibt.
«Trotz der vielen Messungen mussten wir feststellen, dass wir nun praktisch alles ausschliessen können.» An der baulichen Substanz scheine es kaum mehr Möglichkeiten zur Feststellung der Ursache zu geben. Gemäss Fachleuten könne das Pfeifen auch durch andere Umstände zustande kommen und müsse nicht direkt mit den Gebäuden zusammenhängen. «Aber wir wissen es effektiv nicht.»
Anwohnende erhalten teilweise keine Antworten
Besonders laut ist das Pfeifen auf der anderen Seite der Birs, in Dornach. Die Gemeinde hatte bei der Quartierplanung kein Mitspracherecht, muss nun aber das leidige Pfeifen ertragen. Anwohnende sagen gegenüber dem Wochenblatt, dass das Pfeifen auch bei geschlossenen Fenstern und Türen zu hören sei.
Von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Areals habe HRS die Rückmeldung erhalten, dass der Ton leiser geworden sei. «Grundsätzlich haben wir viel probiert und immer offen kommuniziert.» Dem widerspricht eine Anwohnerin: Auf ihre Mails habe sie teilweise monatelang keine Antwort erhalten. Erst als sie die Medien einschaltete, reagierte HRS. Darauf angesprochen sagt Klaus: «Grundsätzlich kommunizieren wir gegenüber den Besitzern und den Verwaltungen der Wohnungen. Da die Bauphase beendet und die Gebäude übergeben worden sind, wäre eine direkte Kommunikation zu den Mietern nicht korrekt.» Die HRS könne keine Administration für Einzelanfragen aufbauen, das sei nicht zu bewältigen.
Für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner heisst es bei Wind also weiterhin: Ohrstöpsel montieren.
Überbauung Aere
fam. Die Gemeindeversammlung Aesch und der Einwohnerrat Reinach haben den Quartierplan Stöcklin für die Wohnsiedlung Aere 2017 beschlossen. 2020 sicherte sich HRS das Gelände und realisierte darauf drei Hochhäuser und fünf weitere Gebäude. Das Investitionsvolumen lag bei 250 Millionen Franken.


