Nächster Regierungsrat aus dem Birstal? Diese Kandidaten sind im Rennen

Im April 2027 finden die Gesamterneuerungswahlen im Baselbiet statt. Auch der frei werdende Regierungssitz von Anton Lauber (Die Mitte) wird dabei neu besetzt. Das ist die Ausgangslage.

Das Kandidatenkarussell hat ausgedreht. Die Baselbieter FDP setzt auf Christine Frey aus Münchenstein. Die frühere Parteipräsidentin und heutige Landrätin wird mit dem bisherigen Regierungsrat Markus Eigenmann bei den Gesamterneuerungswahlen 2027 antreten. Damit liegen vorläufig alle Personalien auf dem Tisch, die seit der Rücktrittsankündigung von Finanzdirektor Anton Lauber (Die Mitte) die Baselbieter Politszene auf Trab halten. Die Ausgangslage im bürgerlichen Lager zeigt sich dennoch unübersichtlich.

Während sich die FDP auf eine zweite Kandidatur festgelegt hat, herrscht bei ihren Allianzpartnern Mitte und SVP noch Unklarheit. Vor allem die Mitte steht unter Druck. Sie muss nach dem Rücktritt ihres langjährigen Stimmenfängers Lauber erstmals seit 2013 ohne einen bisherigen Regierungsrat antreten.

FDP deckt unterschiedliche Strömungen ab

Mit Christine Frey setzt die FDP auf eine Kandidatin, die insbesondere bei rechtsbürgerlichen Wählenden punkten dürfte. Seit 2015 politisiert die Münchensteinerin im Landrat, wo sie sich vor allem in der Bau- und Energiepolitik profiliert hat. So bekämpfte sie das Verbot neuer Öl- und Gasheizungen und kritisierte den ehemaligen Baudirektor Isaac Reber (Grüne). Als Kantonalpräsidentin führte sie die Partei von 2012 bis 2017. In dieser Zeit holte der Freisinn seinen zuvor verlorenen zweiten Regierungssitz zurück.

Die FDP deckt mit ihren beiden Kandidierenden unterschiedliche Strömungen der eigenen Partei ab. Vor allem bei der SVP geniesst Frey, die der Wirtschaftskammer nahesteht, viel Rückhalt. Zum Zweierticket schreibt die FDP am Freitag in einer Mitteilung: «Die vorgeschlagene Doppelkandidatur verbindet die Verteidigung des eigenen Sitzes mit einem Beitrag zur Stärkung des gesamten bürgerlichen Tickets.»

Mitte könnte mit zwei Männern antreten

Kompliziert ist die Ausgangslage bei der Mitte. Am vergangenen Mittwoch gab die Partei bekannt, dass sich am Parteitag vom 21. Oktober drei Männer für die Regierungsratsnomination zur Verfügung stellen: Parteipräsident Simon Oberbeck, der Oberdörfer Gemeindepräsident Piero Grumelli und der frühere Röschenzer Gemeindepräsident Remo Oser.

Lange galt Oberbeck als Kronfavorit für die Nachfolge Laubers. Der Birsfelder Gemeinderat und Landrat deutete seine Ambitionen aufs Regierungsamt schon mehrfach an. Innerhalb der Partei ist seine Kandidatur allerdings nicht unumstritten. Für Unmut sorgte insbesondere die Vereinbarung der bürgerlichen Parteien, Mitte-Fraktionschef Pascal Ryf als gemeinsamen Ständeratskandidaten zu unterstützen. Oberbeck musste sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, mit Ryf die attraktiven Ämter untereinander aufzuteilen. Inzwischen ist nicht einmal mehr sicher, ob die Mitte nur eine Per-son nominiert. Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter regte gegenüber der bz Basel an, angesichts der zweiten FDP-Kandidatur ebenfalls ein Zweierticket zu prüfen. Parteichef Oberbeck hält sich diese Möglichkeit offen.

SVP fällt noch keinen Entscheid

Das wäre allerdings ein bemerkenswerter Schritt: Die Mitte müsste nicht nur gegen die anderen Parteien um ihren bisherigen Sitz kämpfen, sondern könnte sich mit zwei eigenen Kandidaten gegenseitig Stimmen wegnehmen. Ein grösseres Ticket würde verhindern, dass die Wählerschaft mangels Auswahl vermehrt Namen aus anderen Lagern aufschreibt.

Noch weniger konkret sind die Pläne der SVP. Parteipräsident Peter Riebli hatte wiederholt eine zusätzliche Kandidatur neben dem im Juni gewählten Baudirektor Matthias Liechti ins Spiel gebracht. Am Parteitag vom 21. Oktober fiel darüber jedoch kein Entscheid. Wie Riebli auf Anfrage bestätigt, sind die Regierungswahlen nicht traktandiert. Die SVP lässt damit noch offen, ob sie tatsächlich mit zwei Personen antritt.

Je nach Entscheid könnten die Bürgerlichen somit mit vier, fünf oder sogar sechs Kandidaturen antreten. Dass sich die Parteien trotz ihrer gemeinsamen Absicht, die Regierungsmehrheit zu verteidigen, gegenseitig Konkurrenz machen, zeigt die schwierige Ausgangslage nach Laubers Rücktritt. Die Allianz hat ein gemeinsames Ziel, aber noch kein abgestimmtes Vorgehen.

SP will Finanzdirektion, Grüne setzen auf Sulzer

Auf der Gegenseite haben die Parteien ihre Ambitionen ebenfalls angemeldet. Die SP will neben der bisherigen Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer eine zweite Kandidatur stellen und damit den frei werdenden Regierungssitz angreifen. Als Favorit gilt der Münchensteiner Fraktionschef Adil Koller, der vor einer Woche seine Nomination bekannt gab.

Ebenfalls ihren Hut in den Ring warf fast zeitgleich die Liestaler Stadträtin und Landrätin Pascale Meschberger. Die Chirurgin ist Vizepräsidentin der landrätlichen Finanzkommission und bringt ein ähnliches Profil wie Schweizer mit. Am Freitag teilten die SP-Landräte Roman Brunner und Jan Kirchmayr mit, nicht zu kandidieren. Bei den Sozialdemokraten wird es am 4. November zu einer Kampfwahl um die zweite SP-Regierungskandidatur kommen.

Bei den Grünen ist die Ausgangslage hingegen klar. Die Parteileitung hat als Erstes Andrea Sulzer als Kandidatin vorgestellt. Die Waldenburger Gemeindepräsidentin soll den im Juni an die SVP verlorenen Regierungssitz zurückerobern. Nach der knappen Niederlage von Philipp Schoch setzt die Partei auf eine Politikerin mit kommunaler Exekutiverfahrung, allerdings geringer kantonaler Bekanntheit. Die Nomination erfolgt heute, ist jedoch reine Formsache.

Auch die GLP will mit ihrem Parteipräsidenten Thomas Tribelhorn antreten. Die Parteibasis entscheidet am 29. Oktober. Damit zeichnet sich ein breites Kandidatenfeld ab. Zwischen den politischen Lagern steht der bisherige EVP-Regierungsrat Thomi Jourdan, der bei seiner ersten Wiederwahl von Stimmen beider Seiten profitieren könnte.

Für die fünf Regierungssitze könnten letztlich zehn oder sogar mehr Kandidierende ins Rennen steigen. Offen ist, ob angesichts des grossen Kandidatenfeldes überhaupt alle fünf Sitze im ersten Wahlgang vergeben werden.

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