Brandgefahr: Hundert Bäume müssen weg

Bei der Waldhütte der Bürgergemeinde Münchenstein werden Anfang November rund hundert Bäume gefällt. Aktuell besteht die Gefahr, dass Bäume auf die Stromleitung fallen.

Hier wird gerodet: (von links) Daniel Spichty (Bürgerrat), Philipp Götsch (Forstrevier), Fredi Hügi (Revierförster) und Marco Freda (Swissgrid-Förster) am Waldrand von Münchenstein. Foto: Tobias Gfeller
Hier wird gerodet: (von links) Daniel Spichty (Bürgerrat), Philipp Götsch (Forstrevier), Fredi Hügi (Revierförster) und Marco Freda (Swissgrid-Förster) am Waldrand von Münchenstein. Foto: Tobias Gfeller

Der Blick vom Gruthweg aus hinunter in Richtung Münchenstein und Basel macht die Problematik offensichtlich: Auf der linken Wegseite ragen die Baumkronen deutlich über den Weg hinaus. Auf der rechten Wegseite verläuft die Stromleitung, welche die beiden Unterwerke Lachmatt in Pratteln und Froloo in Therwil im Schweizer Höchstspannungsnetz miteinander verbindet. Diese Stromleitung und die Unterwerke sind wichtig für die sichere Stromversorgung des Grossraums beider Basel.

«Aufgrund der Grösse und des Zustands der Bäume rund um die Waldhütte der Bürgergemeinde Münchenstein müssen einzelne ‹Risikobäume› entfernt werden», sagt Marco Freda, Förster bei Swissgrid, nach einer Beurteilung des Baumbestands vor Ort. Swissgrid setzt bei der Bewirtschaftung der Vegetation entlang ihrer Höchstspannungsleitun-gen neben Sichtkontrollen auch digi-tale Technologien ein. LiDAR-Messungen erfassen die Abstände zwischen der Vegetation und den stromführenden Leiterseilen präzise und können so auf potenzielle Risiken hinweisen. Ob ein Eingriff nötig ist, ergibt sich aus der anschliessenden fachlichen Beurteilung vor Ort. Schweizweit sind sechs Förster bei Swissgrid für das Bewuchsmanagement entlang der Höchstspannungsleitungen verantwortlich. Sie achten darauf, dass die erforderlichen Sicherheitsabstände zwischen Vegetation und Leitungen eingehalten werden. «Durch das Bewuchsmanagement konnten Störungen durch Bewuchs deutlich reduziert werden», sagt Freda.

Waldgefüge kann instabil werden

Kommt es aufgrund eines umstürzenden Baumes zu einem Lichtbogen bei der Stromleitung, bestehe auch die Gefahr eines Waldbrands. Fällt das Leiterseil zu Boden, könnte noch Strom über die Leitung fliessen. Deshalb seien wichtige Sicherheitsregeln zu beachten. Swissgrid-Förster Freda hat rund um die Waldhütte in Absprache mit dem Forstrevier Arlesheim-Münchenstein potenziell instabile Bäume definiert, die gefällt werden müssen. Weil sich damit die Voraussetzungen für die übrigen Bäume verändern würden, entschied man sich zu einer ganzheitlichen Rodung. «Werden einzelne Bäume gefällt, sind die stehen gelassenen Bäume stärker dem Wind und der Sonne ausgesetzt. Das Waldgefüge kann dadurch instabiler werden. Das Risiko, dass sie bei starken Winden umknicken oder Sonnenbrand bekommen und dadurch langfristig auch instabil werden, steigt deutlich an», sagt Revierförster Fredi Hügi.

Auf rund 120 Metern dem Gruthweg entlang werden in der Woche des 2. Novembers rund hundert Bäume gefällt. Dies ergibt ein Volumen von 240 Kubikmetern Holz, was einem Viertel der jährlichen Holzernte der Bürgergemeinde entspricht. Der Grossteil des betroffenen Perimeters Wald gehört der Bürgergemeinde Münchenstein. Eine kleine Fläche ist im Besitz der Einwohnergemeinde Münchenstein. Die Kosten von rund 40000 Franken für den Holzschlag trägt Swissgrid.

Abgestufter Waldrand für mehr Biodiversität

Nach den Fällarbeiten folgt eine Neubepflanzung mit klimatisch robusten Baumarten, Sträuchern und Büschen. Dazu gehören gemäss Philipp Götsch, stellvertretendem Betriebsleiter des Forstreviers Arlesheim-Münchenstein, die Elsbeere, der Speierling, wilde Obstbäume, Traubeneichen, Linden und Kirschen. Entlang des Gruthwegs werden Sträucher und Büsche das Bild dominieren, erst mit deutlichem Abstand zur Stromleitung folgen Bäume, die über 20 Meter hoch werden können. Damit wolle man verhindern, erklärt Götsch, dass man in eine ähnliche Gefahrensituation wie aktuell gelangt. Durch die gestufte und vielseitigere Bepflanzung gewinnt der Waldrand durch das stärker einfallende Licht im Vergleich zur Situation heute mit dem monotoneren Bestand aus Buchen und Eschen bis an den Wegrand markant an Artenvielfalt. Die Steigerung der Biodiversität in den Wäldern sei grundsätzlich ein Ziel der Bürgergemeinde, betont Bürgerrat Daniel Spichty. «Die Artenvielfalt an solch abgestuften Waldrändern ist deutlich höher als im Waldinneren oder auf dem offenen Feld», versichert Revierförster Hügi.

Der Holzschlag wird aufgrund der Stromleitung zur Herausforderung. Das klassische Fällen ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Mit Spezialmaschinen werden die Bäume von oben gegriffen und gefällt. Nach dem Holzschlag wird sich das Bild nicht nur für das menschliche Auge markant verändern, auch die Situation rund um die Waldhütte wird künftig eine andere sein. «Die Waldhütte wird neu in der Sonne stehen. Im Winter ist dies wahrscheinlich sehr angenehm, für die Sommermonate war der Schatten willkommen», meint Spichty, der im Bürgerrat für das Bauwesen und damit auch für die Waldhütte zuständig ist.

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