«Umfahrung Süd»: Der Tunnel zwischen Liestal und Reinach wird weiterverfolgt
Die Tunnelverbindung zwischen Birs- und Ergolztal nimmt erstmals planerische Konturen an. Im neuen Richtplan sichert der Kanton im Birstal Raum für ein mögliches Tunnelportal. Damit greift die Regierung die Idee der Wirtschaftskammer auf.

Eigentlich hat sich der Regierungsrat festgelegt. Die Initiative der Wirtschaftskammer Baselland (Wika) für eine «Umfahrung Süd» empfiehlt er zur Ablehnung. Zu teuer, zu viele offene Fragen. Mehr als eine Milliarde Franken könnte eine direkte Verbindung zwischen dem Birstal und dem Ergolztal kosten. Es wäre die grösste Strasseninvestition, die der Kanton je getätigt hätte. Und ob die Verbindung überhaupt machbar, wirksam und verhältnismässig wäre, sei noch gar nicht geklärt. Damit ist die Sache allerdings nicht erledigt. Im Gegenteil: In der nun vorliegenden Gesamtüberprüfung des kantonalen Richtplans greift die Regierung die Idee hinter der Initiative auf. Eine leistungsfähige Verbindung zwischen Birs- und Ergolztal soll weiter untersucht werden. Und erstmals wird auch etwas konkreter, wo eine solche Verbindung verlaufen könnte.
Ganz überraschend kommt das nicht. Schon mit der Ablehnung der Initiative hielt der Regierungsrat fest, dass die Wirtschaftskammer eine «relevante Problemstellung» aufgreife. Die Erreichbarkeit der beiden Wirtschaftsräume müsse verbessert werden. Nur wollte sich die Regierung nicht bereits auf die von der Wika verlangte Lösung festlegen.
Das Problem ist unbestritten
Nun wird diese Haltung im Richtplan festgeschrieben. Mit zunehmender Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte wachse auch der Verkehr zwischen den verschiedenen Kantonsteilen. Gerade zwischen Ergolz- und Birstal fehle sowohl im öffentlichen Verkehr als auch für den motorisierten Individualverkehr eine leistungsfähige Direktverbindung. Wer zwischen den beiden Tälern unterwegs ist, fährt deshalb zu einem grossen Teil über Pratteln und Muttenz – und landet dort in den ohnehin stark belasteten Verkehrsströmen. Der Kanton will deshalb untersuchen, «welche Optimierungen hier erforderlich sind».
Genau hier setzte die Wirtschaftskammer mit ihrer Initiative an. Ihr Argument: Das Baselbieter Verkehrsnetz ist wegen seiner Topografie weitgehend radial organisiert. Die grossen Verkehrsachsen führen den Tälern entlang Richtung Basel. Was fehlt, sind leistungsfähige Querverbindungen. Die Umfahrung Süd soll deshalb Reinach und Arlesheim direkt mit dem Raum Liestal verbinden. Zumindest mit dieser Problembeschreibung ist die Wika beim Regierungsrat durchgedrungen.
Reinach Nord kommt ins Spiel
Die Richtplanvorlage befindet sich aktuell in der Vernehmlassung. In dieser räumt der Kanton zunächst mit einem alten Strassenprojekt auf. Die seit Jahrzehnten vorgesehene Sundgauerstrasse in Arlesheim wird aus dem Richtplan gestrichen. Der grosse und kostspielige Landschaftseingriff einer Planung aus den 1970er-Jahren sei aus heutiger Sicht nicht mehr weiterzuverfolgen.
Ganz verschwindet die Trasseesicherung in diesem Raum allerdings nicht. An ihre Stelle tritt eine neue Vororientierung. Denn bei einer ersten groben Prüfung der Umfahrung Süd habe sich gezeigt, dass für ein mögliches Tunnelportal auf Birstaler Seite der Anschluss Reinach Nord «eindeutig im Vordergrund» stehe. Dort ist bereits eine Brücke über die Birs vorhanden. Ein Tunnelportal könnte als Verlängerung des Sundgauerviadukts in den Geländesprung eingebettet werden. Wo die Verbindung im Ergolztal enden könnte, ist dagegen noch offen. Die möglichen Anknüpfungspunkte seien dort weniger eindeutig.


