Blick über die Schweizer Schulter: Solarbauer aus Burkina Faso besucht Aescher KMU
Die Pfeffingerin Fränzi Ramseier sammelt Spenden für Solaranlagen auf Schulen in Burkina Faso. Kürzlich lud sie den Direktor einer regionalen Berufsschule in die Schweiz ein und besorgte ihm ein kurzes Praktikum bei einem Aescher Unter-nehmen.

Appolinaire Yaméogo ist beeindruckt: vom Warenlift, von den eingesetzten Geräten und Werkzeugen, von der Installationstechnik der Solarpanels und vom Sicherheitsgerüst ums Haus. Der Direktor der Berufsschule für Elektriker und Solarinstallateure in Burkina Faso weilte vorletzte Woche bei Fränzi und Philipp Ramseier in Pfeffingen und konnte bei mehreren in der Solarbranche tätigen Unternehmen in der Region Basel wertvolle Einblicke gewinnen.
Besonders die zwei Tage bei der Aescher Firma Hummel & Meyer mit Praxiserfahrung auf einer Baustelle in Arlesheim lieferten Yaméogo wichtige Erkenntnisse. «Natürlich kann ich diese Maschinen und Werkzeuge nicht einfach so mitnehmen. Wir können sie bei uns in Burkina Faso auch nicht so rasch selber herstellen oder kaufen. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser beiden Tage hier auf der Baustelle betreffen für mich die Themen Sicherheit, Arbeitsorganisation und Abfallentsorgung.»
Heikle Fahrten in den Busch
In Burkina Faso installieren sie die Photovoltaikanlagen unter anderem mit Hilfe von vor Ort zusammengebauten Leitern. Yaméogo zeigt Fotos, wie sie Schulbänke und Tische aufeinanderstapeln, um an der Decke einen Ventilator zu installieren. Fränzi Ramseier muss beim Anblick der Fotos schmunzeln. Sie kennt die Bedingungen vor Ort aus ihren zahlreichen Reisen nur allzu gut. Mühe damit hat sie nicht, im Gegenteil. Wird eine neue Photovoltaikanlage installiert, hilft sie tatkräftig mit. «Ich weiss, dass ich nicht Schweizer Normen über die Menschen vor Ort stülpen darf. Ich weiss, wie die Menschen in Burkina Faso ticken, und habe entsprechend Erwartungen an die Arbeiten vor Ort», betont Ramseier. Die grösste Herausforderung bestehe in den Fahrten zu den abgelegenen Dörfern und der Sicherheitslage. Angst kenne sie nicht, versichert Ramseier. Zu gross ist ihr Antrieb, mit den Solaranlagen auf den Schulhäusern Gutes zu bewirken.
Dankesbrief aus Burkina Faso
Ramseier gründete für ihr Engagement 2019 den Verein secours#écoles. Bereits zuvor sammelte sie Spenden für Solaranlagen auf abgelegenen Schulhäusern, die von der Regierung von Burkina Faso vernachlässigt werden. Ramseier besucht die Region einmal im Jahr. Yaméogo ist ihr wichtigster Ansprechpartner vor Ort. Seit 2019 konnten auf 18 Schulhäusern Solaranlagen installiert werden. 2900 Schulkinder und 63 Lehrpersonen profitieren davon. Dank dem so produzierten Strom kann abends länger unterrichtet werden, und die Schulen können auch als Treffpunkte in den Dörfern genutzt werden. «In Burkina Faso dunkelt es sehr früh ein. Das Licht sorgt auch dafür, dass die Lehrpersonen abends den Unterricht im Schulhaus vorbereiten können», erklärt Ramseier. Ventilatoren werden aufgrund der hohen Temperaturen benötigt.
Das Engagement der Pfeffingerin wird in Burkina Faso geschätzt. Kürzlich erhielt Ramseier einen Dankesbrief von Karim Dembele, dem Leiter des Schulkreises von Safané in der Provinz Mouhoun. «Erlauben Sie mir, Ihnen als Chef der Circonscription d’Education meinen aufrichtigsten Dank für Ihr aussergewöhnliches Engagement für die Elektrifizierung mehrerer Bildungseinrichtungen auszusprechen?», schrieb Dembele. «Dank Ihrer Unterstützung können Schulen, die bislang ohne Strom auskommen mussten, nun ein günstigeres Lernumfeld bieten. Indem Sie diese Klassenzimmer erleuchten, erhellen Sie auch die Zukunft unserer Jugend.»
Hummel & Meyer sagten sofort zu
Es sind simple aber wesentliche Erkenntnisse, Eindrücke und Erfahrungen, die Yaméogo nach Afrika mitnehmen wird. Das Material bereits am Vorabend für den Tag danach vorbereiten, effiziente Abläufe auf der Baustelle und die hohen Sicherheitsstandards – die wichtigsten Lehren fänden im Kopf statt. Die Kontakte zu den Unternehmen, bei denen Yaméogo vorbeischauen durfte, haben Fränzi und Philipp Ramseier hergestellt. «Es hat mich sehr gefreut, dass Hummel & Meyer sogleich zugesagt haben. Ich schätze das sehr», sagt die frühere Kindergärtnerin.
Patrick Meyer weiss als Geschäftsführer der Hummel & Meyer AG, wie schwierig es auch in der Schweiz ist, kompetentes Fachpersonal zu finden. Umso wichtiger sei es, dass die Branche selber Leute ausbilde. «Wir sehen, welch positive Wirkung das Engagement von Fränzi Ramseier hat. Die Photovoltaikanlagen bringen Strom in die abgelegenen Regionen. Wenn wir etwas dazu beitragen können, um das Wissen darüber zu verbessern, tun wir dies natürlich sehr gerne.»
Verein secours#ecoles – Solarstrom für Schulen in Burkina Faso. Informationen unter: www.secoursecoles.ch


