Auf Tunnelfahrt mit Aernschd Born
Der in Reinach lebende Künstler Aernschd Born hat mit «Tunnelgeschichten» eine Sammlung von Texten veröffentlicht. Diese sind zwischen 1971 und 2026 entstanden.

«Früher hiess es für mich Rock ’n’ Roll, heute Hock ’n’ Roll», witzelte ein gut gelaunter Aernschd Born bei der Vernissage seines neuen Buches «Tunnelgeschichten», die am vergangenen Sonntagvormittag für einen rammelvollen Saal im römisch-katholischen Pfarreiheim St. Nikolaus sorgte. Der 76‑Jährige ist gesundheitlich etwas angeschlagen und kam deshalb mit dem Rollstuhl zum Ort des Geschehens, stand aber bei der Begrüssung, zu der er mit grossem Applaus seitens des Publikums empfangen wurde, auf beiden Beinen. In seinem Buch sind, so die Ankündigung, 126 «skurrile, absurde, hochdramatische und stinknormale Kurz- und Kürzestgeschichten», entstanden zwischen 1971 und 2026, zwischen zwei Buchdeckeln vereint.
«Die Geschichten sind teilweise so kurz, dass man von Anfang an voll dabei sein muss, weil sie sonst sofort wieder vorbei sind», so Born. Die «Tunnelgeschichten» sind mit einem Vorwort von Autor Bänz Friedli und Illustrationen von Domo Löw versehen. «Das Buch ist kein Soloprojekt, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Menschen entstanden.» Den Rahmen des Buches bilden zwei Kurzgeschichten, verfasst mit 55 Jahren Abstand zwischen 1971 und 2026. Sie spielen beide im Eisenbahntunnel und eine Figur, die sich im dunklen Fenster des Zuges spiegelt, erzählt die Geschichten – daher der Titel des Buches.
Renato Salvi liest aus Buch
Die eigentliche Lesung übernahm am Sonntag der Schauspieler Renato Salvi, wobei dieser Umstand für sich wieder Gelegenheit für gehörigen Spass bot: «Als Aernschd Born mich fragte, ob ich die Lesung mache, sagte ich, das sei doch nicht ganz fair: ‹Du schreibst die Texte und ich kassiere die Lacher.› Er meinte darauf, man könne das auch anders sehen: Er schreibe die Texte und brauche eine Marionette, die sie vortrage.»
Mit viel Spritzigkeit trug Salvi eine Auswahl der Texte vor, etwa über ein Kind, das seiner Mutter sagt: «Am liebsten wäre ich der Mittelpunkt in deinem Leben. Am liebsten wäre ich dein Handy.» Oder über Ausserirdische, welche die Erde besuchen und dabei auf Werbung stossen. Das bringt sie zum Schluss: «Es gibt Leben auf diesem Planeten. Aber kein intelligentes.» Dass Born die Armee wohl ebenso kritisch beurteilt wie die Atomkraft, kam in folgenden Zeilen zum Ausdruck: « ‹Ich habe nichts gegen Juden›, sagt der Antisemit. ‹Ich habe nichts gegen Ausländer›, sagt der Fremdenfeind. ‹Ich habe nichts gegen Menschen›, sagt der General. Und drückt den Knopf.»
Im hauseigenen Verlag erschienen
Born war in den 1970er-Jahren als Liedermacher und Aktivist gegen die Atomkraft bekannt. 1980 bekam er den Deutschen Kleinkunstpreis. Im selben Jahrzehnt rockte er die Bühnen mit seiner Band Störfall. Er schrieb mehrere Theaterstücke und satirische Texte, zum Beispiel für die Sendung «Zweierleier» im Radio DRS1. Ab den 2000er-Jahren betrieb er zusammen mit seiner Frau Barbara Preusler in Basel den Kulturpavillon. Gleichzeitig arbeitete er unter anderem als Kurator der Dokustelle Atomfreie Schweiz.
Als «Kulturduo Preusler Born» ist das Ehepaar jetzt in Reinach wohnhaft und aktiv. Die beiden organisierten bis zur Pandemie die bekannten «Gipfeltreffen» in Dornach und produzieren heute den Video-Podcast «Blickpunkt Reinach». Das Buch «Tunnelgeschichten» veröffentlicht das Kulturduo im hauseigenen Verlag.


