«Mich kann nichts mehr umhauen»: Christine Frey will in den Regierungsrat

Die Münchensteiner FDP-Landrätin Christine Frey sieht sich gerüstet für den Sprung in den Regierungsrat. In der Baselbieter Exekutive möchte sie dafür sorgen, dass der Kanton wieder attraktiver zum Wohnen und Arbeiten wird.

Politisiert seit 2015 im Landrat: Nun will Christine Frey den Sprung in den Regierungsrat schaffen. Foto: Tobias Gfeller
Politisiert seit 2015 im Landrat: Nun will Christine Frey den Sprung in den Regierungsrat schaffen. Foto: Tobias Gfeller

Der grosse Rückhalt der Parteibasis war am vergangenen Donnerstag zu spüren, als Christine Frey gemeinsam mit Amtsinhaber Markus Eigenmann am Parteitag der FDP im Restaurant Seegarten im Park im Grünen in Münchenstein für die Wahl in den Baselbieter Regierungsrat nominiert wurde. Bereits in den Tagen zuvor, als die Parteileitung bestätigte, dass die 59‑Jährige auf das Zweierticket der FDP für die Baselbieter Exekutive sollte, sei sie mit positiven Nachrichten überhäuft worden. Frey gibt zu, dass sie die vielen Nachrichten und der spürbare Rückhalt am Parteitag emotional berührt haben.

Am Parteitag gab sich Frey ungewohnt offen und verletzlich. Sie erzählte von ihrer schwierigen Zeit nach der Trennung von ihrem früheren Ehemann, die sie auch finanziell vor grosse Herausforderungen stellte. «Ich hatte kein Geld mehr. Mein Konto war gesperrt. Ich konnte den Kindern und mir kurzzeitig kein frisches Essen mehr kaufen.» Damals habe sie sich geschworen, nie mehr abhängig von einer anderen Person zu sein.

Sie habe die Geschichte, die nur wenige im politischen Umfeld von Frey kennen, bewusst erzählt. «Die Leute sollen wissen dürfen, woher ich komme und was meine Motivation ist.» Der Mensch habe in schwierigen Momenten immer die Chance, sich als Opfer zu sehen oder etwas daraus zu machen. «Für mich war dieser Tiefpunkt auch ein Antrieb. Ich bin heute sehr glücklich, wie sich mein Leben seitdem entwickelt hat. Mich kann so schnell nichts mehr umhauen», sagt sie selbstbewusst.

Keine Abnickerin im Regierungsrat

Frey politisiert seit 2015 im Landrat. In der Bau- und Planungskommission engagierte sie sich zuletzt unter anderem für die Freiheit der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, wie sie zu Hause heizen möchten. Sie kämpfte vergeblich gegen ein Verbot von Öl- und Gasheizungen bei Ersatzbeschaffungen. Dass ein solches Verbot im Regierungsrat überhaupt durchgekommen ist, zeige, dass eine bürgerliche Mehrheit allein noch keine bürgerliche Politik garantiere. Sie stehe persönlich für eine klar bürgerliche Politik, versichert Frey. Als Regierungsrätin wolle sie sich deshalb aktiv in die Diskussion einbringen, auch bei Geschäften aus anderen Direktionen.

«Wir müssen Bauen wieder bezahlbar machen»

Trotz des Einsatzes für die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer als Präsidentin des Hauseigentümervereins Münchenstein sei ihr auch bezahlbarer Wohnraum für Mieterinnen und Mieter ein wichtiges Anliegen, betont Frey. «Wir müssen Bauen wieder bezahlbar machen, mit tieferen Gebühren, schlankeren Bewilligungsverfahren und weniger Bürokratie.» Gleichzeitig will sie Investitionen in den gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern. «Der Kanton verfügt über einen Wohnbauförderungsfonds, der bisher kaum genutzt wurde. Das möchte ich ändern. Statt neuer Vorschriften brauchen wir Rahmenbedingungen, die bezahlbaren Wohnraum ermöglichen.»

Für die Münchensteinerin wäre weniger die Direktion entscheidend, die sie als Regierungsrätin übernehmen würde, sondern der Grundsatz, dass der Staat wieder mehr den Dienstleistungsgedanken für die Bevölkerung lebt. Als Gründerin, Inhaberin und Geschäftsführerin eines Architektur- und Planungsunternehmens spüre sie, was die wachsende Bürokratie im Alltag für Hürden bringen kann. Freiheit und Eigenverantwortung sind Begriffe, die Frey immer wieder verwendet. «Ich möchte mit dem Baselbiet im Kantonsvergleich in allen wichtigen Standortfaktoren wieder zurück in die Top 10. Der Kanton soll wieder attraktiver zum Wohnen und Arbeiten werden.»

«60 ist das neue 40»

Mit 59 Jahren sieht sich Frey gerüstet für den nächsten Schritt, auch wenn sie diesen nie aktiv gesucht habe. Angefragt wurde sie in den Herbstferien von Parteivizepräsident Balz Stückelberger. Mit ihren Erfahrungen als Landrätin, als Gemeinderätin von Münchenstein, als Kantonalpräsidentin der Baselbieter FDP und als Unternehmerin sieht Frey ihren Rucksack «voll gepackt» für das Amt als Regierungsrätin.

Auch persönlich als Mensch sieht sich Frey gerüstet. «60 ist das neue 40», sagt sie lachend. «Es ist immer eine Frage der Einstellung, wie man sich fühlt. Ich bin offen und habe Freude, Entwicklungen, die die Gesellschaft durchmacht, mitzumachen. Ich habe Freude an Veränderungen.»

Im Wahlkampf möchte sie den direkten Austausch mit den Menschen suchen und ihnen zuhören. «Ich bin weniger die, die an Bahnhöfen oder vor dem Einkaufszentrum Leuten ungefragt Flyer in die Hand drückt. Ich gehe lieber an Veranstaltungen wie einen Dorfmärt oder einen Neujahrsempfang, wo man unkompliziert miteinander ins Gespräch kommt.»

Transparenz und Offenheit in der Kommunikation

Die Regierungsratskandidatin der FDP hat gelernt, wie wichtig Transparenz und Offenheit in der Kommunikation sind. Noch heute wird erzählt, dass sie als Gemeinderätin das Ressort Schule aufgrund von Überforderung habe abgeben müssen. Das sei damals ganz anders gewesen, entgegnet Frey. «Ich wurde wider Erwarten in den Landrat gewählt, wurde Kantonalpräsidentin der FDP, arbeitete beim Kantonsspital Baselland und war eben auch noch Gemeinderätin. Es wurde mir zeitlich schlichtweg zu viel.» Sie habe aber nicht zurücktreten wollen, da dadurch erneut eine Wahl angestanden hätte. «Gemeindepräsident Giorgio Lüthi bot mir an, das Ressort Schulen zu übernehmen, um mich zu entlasten. Dafür war ich sehr dankbar. Das Ressort wurde mir nicht weggenommen.» Daraus habe sie gelernt, dass die «Nachvollziehbarkeit» in der Kommunikation essenziell ist. «Auch lernte ich, dass man es nie allen recht machen kann.»

«Ich möchte mit dem Baselbiet im Kantonsvergleich in allen wichtigen Standortfaktoren wieder zurück in die Top 10.»

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