Tunnel ja – bloss in welche Richtung?

Eine Unterführung unter dem überlasteten MFP-Kreisel in Münchenstein ist eine gute Idee. Nun hadert die Regierung aber mit der Frage der Himmelsrichtung.

Hier soll eine Unterführung entstehen: Der Kreisel bei der MFP in Münchenstein ist in Stosszeiten stark belastet. Foto: Kenneth Nars / Archiv
Hier soll eine Unterführung entstehen: Der Kreisel bei der MFP in Münchenstein ist in Stosszeiten stark belastet. Foto: Kenneth Nars / Archiv

Der grosse Kreisel zwischen Münchenstein und Basel ist das Nadelöhr zwischen der städtischen Ausfallachse nach Süden und der Überlandachse von Bottmingen im Leimental zur Autobahn A18 im Birstal. Ergo ist diese Schnittstelle zu Stosszeiten stark belastet und zeitweise überlastet. Der MFP-Kreisel, wie er landläufig genannt wird, weil er sich vor der Motorfahrzeugprüfstation (MFP) beider Basel befindet, ist ein Flaschenhals. Und ein gefährlicher dazu. Bereits mehrfach hat sich die Velolobby negativ dazu geäussert, SP-Vertreter haben die Schikane im Landrat kritisiert und mit Vorstössen eingedeckt. Für Velofahrende ist es eine enge Angelegenheit, auch wenn die Velospuren in der Vergangenheit leicht justiert worden sind. Der dichte Verkehr im zweispurigen Kreisel macht gerade das Abbiegen Richtung Basel zu einer Herausforderung.

Die Autolobby sieht es gleich, wenn nicht sogar drastischer. Die Rückstaus bei den Kreiseleinfahrten sind besonders hangaufwärts Richtung Bottmingen teils prekär. FDP-Landrat und ACS-Präsident Andreas Dürr hatte in Absprache mit linken Verkehrspolitikern 2025 den Kreiselvorstoss aller MFP-Kreiselvorstösse eingereicht: Die Regierung wurde beauftragt, eine Untertunnelung des MFP-Kreisels zu prüfen. Also per Unterführung zu lösen, was obenrum immer schwieriger zu entflechten wird.

Unterführung ist eine gute Idee

Die Baselbieter Regierung kommt nun zum Schluss: Ja, das macht Sinn. Täglich fahren im Durchschnitt knapp 18500 Fahrzeuge über die Ost-West-Achse und zunehmend mehr Fahrzeuge über die Nord-Süd-Achse, zuletzt waren es 2025 täglich knapp 14800. Dabei zeige sich, dass der Anteil des Verkehrs in den Spitzenstunden, der sich sowohl auf der Bruderholzstrasse als auch auf der Reinacherstrasse in eine Unterführung verlegen lässt, bei ungefähr 50 Prozent liegt. Auf der Ost-West-Achse könne dabei zudem der kleinere MFP-Kreisel, der vor dem grossen liegt, untertunnelt werden, was gleich beide entlasten würde.

Ausreichend Unfallpotenzial ist gegeben. In den vergangenen zehn Jahren seien beim Kreisel Reinacherstrasse und Bruderholzstrasse insgesamt 36 Verkehrsunfälle registriert worden, heisst es. Bei der Hälfte der Unfälle wurden Personen verletzt, «wobei nur eine schwer verletzte Person zu beklagen ist». Bei fünf Verkehrsunfällen sei ein Velo beteiligt gewesen, bei zehn Unfällen ein Motorrad. Die meisten Verkehrsunfälle wurden beim Einbiegen und bei der Ausfahrt verursacht. Drei Verkehrsunfälle seien beim «Überholen» auf der überbreiten Kreisfahrbahn passiert, heisst es weiter. Es kracht damit zwar längst nicht täglich, aber die Situation bleibt mit zunehmendem Verkehr riskant.

In welche Richtung, ist noch offen

Doch die Regierung macht auch eine unerwartete Wendung. Obwohl Dürr und Konsorten explizit eine Ost-West-Untertunnelung zu prüfen verlangten, erwägt der Kanton jetzt auch eine Variante Nord-Süd. Denn: Eine Unterführung Ost-West weise auf den ersten Blick für den Autoverkehr zwar den grösseren Nutzen auf, da sie in den Spitzenstunden mehr Verkehr in die Unterführung verlagere. Sie kostet aber auch entsprechend mehr.

Was wiederum zu einem schlechteren Kosten-Nutzen-Verhältnis führen könne als bei einer Variante von Norden nach Süden beziehungsweise von Süden nach Norden, also von Münchenstein nach Basel. Zudem sei zu beachten, dass der Nutzen auch davon abhänge, wie gut der Abfluss funktioniere oder ob es einfach anderswo rückstaue. Hier weise die Nord-Süd-Variante eher Vorteile auf. Zudem könne sie, in Verbindung mit den ohnehin vorgesehenen Massnahmen fürs Velo, gegebenenfalls auch schneller gebaut werden.

Die Unentschlossenheit sei in dieser kurzen Zeit nicht zu beheben gewesen, heisst es schliesslich. Die Regierung will nun beide Varianten prüfen, vor allem hinsichtlich des Zeitgewinns pro Strecke. Das betrifft auch die Busse, die über diese Strecke fahren. Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie, dass die weiteren Untersuchungen für die Untertunnelung des MFP-Kreisels im Rahmen der Projektierung der Velovorzugsroute West vorgesehen sind. Bis 2028 soll klar sein, wie und in welche Richtung ein Tunnel unter dem Kreisel sinnvoll ist.

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