Sparmassnahmen treffen Steiner-Schule
Die Rudolf Steiner Schule Birseck steht vor finanziellen Herausforderungen. Dazu beigetragen hat auch der Entscheid des Solothurner Regierungsrats im Dornacher Budget-Streit.

Die Celli sind fein säuberlich aufgereiht, in der Ecke steht ein Flügel – der Raum, in dem wir uns mit drei Verantwortlichen der Rudolf Steiner Schule treffen, bestätigt: Diese Schule legt grossen Wert auf musische Fächer. «Alle Kinder der dritten Klasse können in der Cello-Stunde mit dem Instrument in Kontakt kommen», erklärt Katharina Vogt, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising bei der Rudolf Steiner Schule Birseck (RSS Birseck). Die musikalische Ausbildung gehöre zum Schulalltag wie Mathematik oder Deutsch. Neben den klassischen Schulfächern verfolgen die Schülerinnen und Schüler Theaterprojekte, schmieden Kupfertöpfe, bauen Velounterstände oder machen Eurythmie. «Der Mensch hat neben dem intellektuellen Lernen andere Fähigkeiten und Bedürfnisse, die in Kunst, Musik und Handwerk Ausdruck finden. Diese Fächer werden bei uns gefördert. Gleichzeitig müssen wir die kantonalen Anforderungen erfüllen und eine mit der öffentlichen Schule vergleichbare Bildung gewährleisten», erklärt Alexander Kühl, Präsident des Schulvereins, einst selbst Schüler der RSS Birseck.
Die anthroposophische Schule wurde in den 80er-Jahren in einer ehemaligen Seidenspinnereifabrik eingerichtet. Das Areal liegt mitten auf der Gemeindegrenze zwischen Duggingen und Aesch; nur wenige hundert Meter weiter nördlich folgt die Kantonsgrenze zwischen Baselland und Solothurn. Obwohl die Rudolf Steiner Schule auf Baselbieter Boden steht, stammt ein Grossteil der Schülerinnen und Schüler aus Dornach. Das ist wenig überraschend, liegt dort mit dem Goetheanum schliesslich der Hauptsitz der Anthroposophie. 259 Schülerinnen und Schüler besuchen die Privatschule, davon wohnen 112 Kinder in Dornach. 42 Lehrpersonen unterrichten an der Schule. Das pädagogische Konzept fusst auf den Lehren Rudolf Steiners. «Im Mittelpunkt stehen der Charakter und die individuelle Ausbildung jedes Kindes», sagt Susanne Böttge, die Mitglied im Schulführungsvorstand und im Vorstand des Schulvereins ist.
Diese Bildung hat ihren Preis. Wer seine Kinder in die Steiner-Schule schicken möchte, muss einen Familienbeitrag zwischen 600 und 3400 Franken pro Monat entrichten. Er werde anhand des Einkommens berechnet, erklärt Kühl. Trotzdem seien die Finanzen eng; besonders seit nun auch ein Beitrag der Gemeinde Dornach fehlt. Nach dem Budget-Streit hat der Solothurner Regierungsrat den Beitrag der Gemeinde an die Privatschule in der Höhe von 75000 Franken aus dem Budget 2026 gestrichen.
Ausschlaggebender Betrag fehlt
Der Fehlbetrag ist für die Schule einschneidend: «So viel nimmt die Schule jeweils mit ihrem Herbstmarkt ein, der von Eltern, Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern veranstaltet wird», sagt Böttge. Und Kühl ergänzt: «Ich war sehr betroffen, als ich von diesen Einsparungen gehört habe. Dieses Geld wird fehlen und die Einsparung kann den Ausschlag geben, ob wir mit einem Defizit abschliessen oder nicht.» Sollte der Betrag über weitere Jahre ausbleiben, könnten Stellen betroffen sein, sagt Kühl. Verständnis für die Streichung hat er wenig: Jene 95 Schülerinnen und Schüler aus Dornach, welche die ersten Stufen bis zur 9. Klasse besuchen, würden die Gemeinde deutlich mehr kosten, wenn sie in der staatlichen Schule ausgebildet würden, ist Kühl überzeugt.
«Nach den Solothurner Volksschulpauschalen entspricht die Beschulung dieser 95 Kinder einem rechnerischen Gemeindeanteil von rund 560000 Franken pro Jahr», sagt er.
Gemeindepräsident Daniel Urech sagt auf Nachfrage vom Wochenblatt, die Gemeinde habe keine solche Rechnung aufgestellt. «Dies wäre relativ komplex – man müsste die konkreten Klassengrössen auswerten und die Zahl der Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang berücksichtigen. Basierend auf Durchschnittskosten pro Schüler oder Schülerin würde ein deutlich höherer Betrag resultieren als der angegebene. Unter dem Gesichtspunkt, dass es grösstenteils eine Frage der Grenzkosten wäre, scheint die Zahl von 560 000 Franken nicht unplausibel, möglicherweise wäre sie gar etwas zu hoch», so Urech. Klar sei aber, dass die finanzielle Zuwendung an die Privatschule deutlich unter den Kosten liege, die ein zusätzlicher Schulplatz an der öffentlichen Schule verursachen würde.
«In Deutschland ist die finanzielle Beteiligung sehr viel höher»
Im Vergleich zu anderen Ländern würden die Steiner Schulen in der Schweiz kaum vom Staat unterstützt, sagt Kühl: «In Deutschland ist die finanzielle Beteiligung sehr viel höher.» Aufgrund finanzieller Engpässe eine «Eliteschule» zu werden, sei nicht das Ziel: «Wir versuchen das Schulgeld so anzupassen, dass sich auch Personen mit einem kleineren Gehalt das Schulgeld leisten können.» Ihn zu erhöhen, berge die Gefahr, dass Kinder die Schule verlassen müssten.
Damit der Betrieb der Schule funktioniere, brauche es viel freiwillige Mitarbeit der Eltern und Lehrpersonen. Das zeigt sich exemplarisch im Schulgarten: Die anfallende Arbeit wird teilweise von den Schülerinnen und Schülern erledigt. «Ein Grossteil übernimmt jedoch die Lehrperson, die viel Ehrenamt hier reinsteckt», sagt Böttge. Im Schnitt liege der Jahreslohn einer Lehrperson bei 65 000 Franken bei einem 100-Prozent-Pensum. «Damit liegen wir deutlich unter dem Lohn einer Staatsschule», so Kühl. Es sei das Ziel, die Entschädigungen zu erhöhen. Dazu brauche es allerdings mehr finanzielle Mittel.
In den kommenden Wochen wird sich Dornach mit dem Budget für das nächste Jahr auseinandersetzen. Kühl, Böttge und Vogt hoffen, dass die finanzielle Beteiligung an der Rudolf Steiner Schule wieder Eingang in das Budget findet.


