Traumwohnung für wenig Geld?

Immobilienportale warnen derzeit vor betrügerischen Wohnungsinseraten. Die Autorin hat sich zufällig auf eine solche Fake-Annonce gemeldet. Wie sich herausstellte, war sie nicht die Einzige.

Schlüssel zum Glück? Wer nicht aufpasst, gerät bei der Wohnungssuche an Betrüger. Foto: Symbolbild / Unsplash.com

Eine moderne Maisonette-Wohnung mit 4,5 Zimmern, 111 Quadratmetern, Cheminée, eigenem Gartenanteil und Carport-Platz für 2000 Franken in Arlesheim: Bei solch einem Angebot hauen Wohnungssuchende schnell in die Tasten. So auch die Autorin.

Die Anbieterin im homegate.ch-Inserat heisst Isabella. Einen Tag nach dem Absenden der Anfrage flattert auch schon die ersehnte Antwort in den Posteingang: «Die Immobilie wurde vor einigen Jahren während der Arbeit in Schweiz gekauft», schreibt eine Claudia Librizzi, die in Grossbritannien weilt – der Arbeit wegen sei sie umgezogen und brauche die Immobilie nun nicht mehr. In ihrer freundlichen Nachricht erzählt sie in leicht holprigem Deutsch von sich, den Kindern, der Wohnung und stellt Fragen zur gewünschten Mietdauer, zur Anzahl Personen und zu allfälligen Haustieren. Am Ende fragt sie: «Sprechen Sie Englisch? Es wäre einfacher für mich ...» Die Antwort ist schnell geschrieben. Doch ein ungutes Gefühl bleibt. «Ein Augenschein vor Ort kann nicht schaden», denkt sich die ­Autorin und fährt an die Baselstrasse. Leerstehende Wohnung? Fehlanzeige. Plötzlich öffnet sich ein Fenster und eine überraschte Stimme fragt: «Was machst du denn hier, kommst du uns besuchen?»

Wie es der Zufall will, wohnt in der ausgeschriebenen Wohnung eine Freundin der Autorin. Diese weiss, angesprochen auf die Annonce, von gar nichts. Sie ist selbst erst vor wenigen Monaten eingezogen und hat nicht gekündigt. Das Inserat ist also gefälscht. Die Bilder der Wohnung sind zwar echt, sie wurden von Betrügern aber wohl aus dem letzten Inserat abgespeichert. Ridoma, die das Gebäude verwaltet, meldet daraufhin die gefälschte Anzeige umgehend bei der Plattform. Das Fazit: Die Traumwohnung für wenig Geld – es gibt sie nicht.

Drei Monatsmieten für einen Besichtigungstermin

Das Gefühl, das sich nach einem Betrugsversuch einstellt, ist immer dasselbe: «Ich hätte es wissen müssen!» So ist es auch Jolanda Bloch aus Arlesheim ergangen, die sich auf dasselbe Inserat gemeldet hatte. Bloch lebt mit ihrem Mann in einer 4,5-Zimmer-Wohnung in Arlesheim. Wie viele andere ist auch sie seit der Anpassung des Referenzzinssatzes von einer Mieterhöhung betroffen. Weil der Preis für ihre Wohnung in den letzten Jahren kontinuierlich um insgesamt fast 500 Franken gestiegen ist, hat sie sich auf die Suche nach einer günstigeren Bleibe gemacht. Auch sie meldet sich auf das Inserat, auch bei ihr meldet sich Claudia Librizzi – ein Pseudonym der Betrüger.

Librizzi erklärt Bloch, der Schlüssel der Wohnung sei in London bei einer Agentur. Sie habe aber einen Sammelbesichtigungstermin Ende Februar geplant. «Für einen Platz auf einer priorisierten Liste hätten wir drei Monatsmieten im Voraus bezahlen müssen», erzählt Bloch. Falls ihr die Wohnung nicht gefalle, würde sie das Geld zurückerhalten, so die angebliche Vermieterin.

Bloch entscheidet sich, die Wohnung erst einmal von aussen anzuschauen. Als sie klingelt, erzählt ihr die aktuelle Mieterin vom Betrug. «Seit dem Inserat schleichen immer wieder Menschen um unsere Wohnung und versuchen ­herauszufinden, ob sie vermietet ist oder nicht», erzählt die Anwohnerin, die anonym bleiben will.

Fake-Websites und Datenklau

Bei homegate.ch heisst es auf Anfrage des Wochenblatts, man könne keine Angaben zur Häufigkeit von gefälschten Wohnungsinseraten machen. Sie träten aber «erfahrungsgemäss in Wellen auf und haben über die letzten Jahre insgesamt zugenommen», schreibt Mediensprecher Fabian Korn. Die Betrüger sind auf Geld, persönliche Daten oder gleich beides aus. Teils werden Wohnungssuchende auch auf gefälschte Websites geleitet, um Daten zu klauen. Der Auftritt ist oft täuschend echt. Mit den gestohlenen Passwörtern und E-Mail-Angaben versuchen sich Betrüger Zugang zu ­E-Banking oder anderen Webdiensten zu verschaffen.

«Generell lässt sich sagen, dass Betrüger am liebsten dort ihr perfides Spiel treiben, wo die Nachfrage das Angebot in besonderem Masse übersteigt», so Korn. Ein Blick auf die Vergleichsplattform Comparis zeigt: In Arlesheim ist bis Redaktionsschluss nur gerade eine 4-Zimmer-Wohnung für den Preis bis maximal 2000 Franken zu finden. Bei allzu verlockenden Angeboten ist es also ratsam, erst einmal Skepsis walten zu lassen. Jolanda Bloch wird weiter nach der passenden Wohnung in Arlesheim suchen. «Diese Erfahrung hat mir aber das Vertrauen in solche Plattformen genommen.»

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