Das Ancien Régime – eine Zeit voller Geheimnisse
Anlässlich der Vortragsreihe des Historischen Vereins des Kantons Solothurn referierte die Berner Historikerin Debora Heim über geheimdienstliche Aktivitäten in der Alten Eidgenossenschaft.

«Geheimnisse erlebten in der frühen Neuzeit einen Boom», berichtete die Historikerin Debora Heim am vergangenen Donnerstag unter dem Titel «Geheimschriften, Spioninnen, Geheime Räte: Geheimnisse und Politik im Ancien Régime». Der Historische Verein des Kantons Solothurn hatte Heim anlässlich einer Vortragsreihe in die Bibliothek des Klosters Dornach eingeladen. Die historisch interessierte Zuhörerschaft liess sich von der Historikerin erst in die allgemeine Stimmung der frühen Neuzeit einführen: «Alles, was damals Aufsehen erregen sollte, musste als Geheimnis angepriesen werden. Es gab etwa auch eine Geheimnisakademie. Diese hatte zum Ziel, die Geheimnisse der Natur zu lüften», so Heim. Auch politische Geheimnisse spielten eine grosse Rolle: In der damals in Europa am meisten verbreiteten Regierungsform, der Monarchie, lag dies schon fast auf der Hand. Aber auch in Republiken oder lockeren Staatenbunden wie der Schweiz, durch Räte in den verschiedenen Gebieten regiert, kam geheimdienstlichen Aktivitäten eine hohe Bedeutung zu. Heim veranschaulichte dies an den Städten Solothurn, Fribourg und Luzern – als katholische Orte waren diese während der Reformation im 16. Jahrhundert von feindlichen, reformierten Gebieten umgeben. «Die drei Städte suchten nach Möglichkeiten, wie sie ihre Botschaften untereinander austauschen konnten, ohne dass der Feind Kenntnis davon bekam», so Heim. Anfangs habe man sich mit einem relativ einfachen verschlüsselten Alphabet begnügt, das aber im Laufe der Jahre immer komplexer wurde. Später wurden ganze Wörter mit Zahlen kodiert oder man schickte Plättchen aus verschiedenen Materialien hin und her, die etwa darüber informierten, ob ein Angriff des Feindes kurz bevorstehe.
Im Dienste Frankreichs
Gerade in Solothurn, Sitz des französischen Ambassadors, war das Bedürfnis hoch, im Verborgenen zu verhandeln und Informationen geheimzuhalten. Heim berichtete etwa über die berühmte Patrizierin und Spionin Katharina Franziska von Wattenwyl. Sie versorgte im späten 17. Jahrhundert den französischen Botschafter mit Informationen aus allerhöchsten Berner Kreisen. Damit bewegte sie sich in einem gefährlichen Spannungsfeld gegensätzlicher Interessen, verdeckter Nachrichten und verratener Geheimnisse. Als sie aufflog, bestrafte man nicht etwa jene Herren, welche ihr die Geheimnisse zugesteckt hatten, sondern einzig sie als Übermittlerin: «Damals gab es keine Gewaltenteilung. Die Ratsherren, welche ihr Informationen zugespielt hatten, waren zugleich auch Richter, welche sie des Hochverrats verurteilten», so Heim. Sie wurde zum Tode verurteilt, ihre Familie erreichte jedoch, dass das Urteil auf Verbannung abgemildert wurde.
Waffen für den NS-Staat
Mit der Vortragsreihe des Historischen Vereins des Kantons Solothurn geht es am 24. März ebenso im Kloster Dornach weiter. Der Historiker Adrian Baschung wird über den Aufstieg und Niedergang der Waffenfabrik Solothurn zwischen 1929 und 1961 referieren: Die Waffenfabrik produzierte während des Zweiten Weltkriegs für die deutsche Rüstungsindustrie. Der Vortrag bietet «Einblicke in eine Firma im internationalen Spannungsfeld der Zeitgeschichte», so die Ankündigung.
«Alles, was damals Aufsehen erregen sollte, musste als Geheimnis angepriesen werden.»


