Endress+Hauser: Trotz Meilenstein hinter den Zielen geblieben
Die Firmengruppe Endress+Hauser hat 2025 erstmals mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Trotzdem hält sich die Zufriedenheit in Grenzen.

«Es ist 2025 gut gelaufen, aber nicht so gut, wie es auf den ersten Blick scheint.» CEO Peter Selders fasste das Geschäftsjahr von Endress+Hauser an der Bilanzmedienkonferenz am Dienstagnachmittag kurz und bündig zusammen. Zwar hat der Schweizer Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik mit Hauptsitz in Reinach mit 4,01 Milliarden Euro einen neuen Rekordumsatz erzielt, doch das organische Wachstum ohne Wechselkurseinflüsse und Akquisitionen blieb mit 2,6 Prozent deutlich hinter dem strategisch festgelegten Ziel von 6 Prozent. Der Gewinn lag 2025 nach Steuern bei gut 321 Millionen Euro. Grob geschätzt, meinte Finanzchef Luc Schultheiss auf Nachfrage, sei der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr ohne Währungseffekte um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zurückgegangen, und dies, obwohl so hohe Stückzahlen wie noch nie in der Firmengeschichte verkauft werden konnten. Das letztjährige Umsatzwachstum von 7,2 Prozent resultierte weitestgehend aus der Erweiterung des Produkteangebots durch die Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik der Firma SICK.
Deutschland und China schwächeln
Der Angriff auf den Iran durch die USA und Israel hätte die bereits vorhandenen Unsicherheiten auf einen neuen Höchstpunkt getrieben, meinte Selders. Obwohl Endress+Hauser Fertigungsanlagen in den USA betreibt, ist das Unternehmen aufgrund der in Europa hergestellten vorgelagerten Produkte von den US-Zöllen betroffen. Trotzdem blieben die USA auch 2025 der stärkste Absatzmarkt. Dass sowohl China und auch Deutschland als Nummer zwei und drei bei den Absatzmärkten schwächelten, setzte dem Baselbieter Unternehmen zu.
2025 investierte Endress+Hauser so viel wie noch nie in neue Bauten und Anlagen. Die bereits getätigten und geplanten Investitionen in Maulburg und Freiburg im Breisgau in unmittelbarer Nähe zur Schweizer Grenze hätten keine negativen Auswirkungen auf den Hauptsitz in Reinach, stellte CEO Selders klar. «Wir haben in den letzten Jahren intensiv und in hohem Masse in Reinach investiert. Kürzlich konnten einige grosse Modernisierungs- und Neubauprojekte abgeschlossen werden. Wir verfolgen weiterhin unseren gleichmässigen Ansatz, wo es das Geschäft benötigt, dort zu investieren.» Regionale Verschiebungen seien diesbezüglich nicht geplant. Endress+Hauser zählte Ende 2025 weltweit 18 300 Mitarbeitende, 2350 davon in Reinach.
Dritte Generation übernimmt
Im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz präsentierte sich der neue Verwaltungsratspräsident Steven Endress (47) erstmals einem grösseren Publikum. Der Enkel des Firmengründers Georg Endress übernahm Anfang 2026 den Firmenvorsitz von Matthias Altendorf, der das Unternehmen nach 40 Jahren auf eigenen Wunsch verliess. Steven Endress ist in Grossbritannien aufgewachsen und startete seine berufliche Laufbahn in der Softwarebranche. 2012 trat er dem Familienunternehmen bei. Seit 2024 ist er Mitglied des Verwaltungsrats.
Mit dem Nachrücken der dritten Generation geht der Wunsch in Erfüllung, dass wieder ein Familienmitglied an der Spitze des Unternehmens steht. Cousine Sandra Genge (48) ist seit 2022 Verwaltungsrätin und hat kürzlich von Klaus Endress die Leitung des Familienrats übernommen. Der langfristige Erfolg und nicht kurzfristige Gewinne blieben die Ziele des Familienunternehmens, betonte Endress.


