Spital in den eigenen vier Wänden

Die Klinik Arlesheim bietet in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) medizinische Behandlungen zu Hause an, die sonst einen Spitalaufenthalt erfordern.

Wird zu Hause behandelt: Norbert Woithe in seiner Wohnung in Aesch. Foto: Nicolas Blust
Wird zu Hause behandelt: Norbert Woithe in seiner Wohnung in Aesch. Foto: Nicolas Blust

Wir stehen vor der Tür eines Mehrfamilienhauses in Aesch. Christiane Eberhardt, pflegerische Leiterin der «Spital zuhause»-Abteilung der Klinik Arlesheim, klingelt bei der Familie Woithe. Stille. Wir haben schon Angst, dass Brigitte und Norbert Woithe den Termin vergessen haben. Doch dann ertönt ein lautes Geräusch und die Tür ins Treppenhaus der dreigeschossigen Gebäude öffnet sich. Im ersten Stock begrüsst uns Brigitte Woithe mit einem fröhlichen Lächeln und bittet uns, die Schuhe auszuziehen.

Wir hören bereits Worte aus dem Wohnzimmer. Dort sitzt Norbert Woithe. Er wohnt seit über 50 Jahren zusammen mit seiner Frau in Aesch. Seit 22 Jahren ist er pensioniert. Und er leidet an einer akuten Verschlechterung einer chronischen Herz- und Nierenerkrankung. Darum ist er Patient bei «Spital zuhause».

Trotz seiner Diagnose hat er seine Lebensfreude nicht verloren. Nach einer kurzen Begrüssung erzählt der Norddeutsche von Reisen in die ganze Welt, die er gemeinsam mit seiner Frau unternommen hat. Auf allen Kontinenten seien sie schon gewesen. Woithe bedauert, dass er jetzt nicht mehr reisen kann. «Seit meiner Pensionierung geht es körperlich bergab», sagt der Norddeutsche.

Vor über zehn Jahren wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert, darum hat er einen künstlichen Darmausgang. «Ich muss damit leben, werde mich aber nie daran gewöhnen», sagt Woithe. Früher musste er für Behandlungen jeweils ins Spital. Seine Frau Brigitte erzählt Anekdoten von mühsamen Patiententransporten. Nun kommt das Spital bequem zu ihnen nach Hause.

«Die Spitex hat uns auf das Angebot der Klinik Arlesheim aufmerksam gemacht», sagt Woithe. Danach hätten sie das Gespräch mit ihrem Hausarzt gesucht, der vom Angebot noch nichts wusste, sie aber an die Klinik Arlesheim zuwies. Anschliessend beurteilte das Team von «Spital zuhause», ob die Behandlung zu Hause medizinisch sinnvoll, sicher und logistisch möglich ist.

Spital zuhause ist keine neue Spitex

Grundsätzlich können die meisten Behandlungen, die die innere Medizin betreffen, auch zu Hause behandelt werden, zum Beispiel Herz- und Lungenerkrankungen. Eine besondere Infrastruktur sei dafür nicht nötig, sagt Eberhardt. Das Team von «Spital zuhause» ist mit dem notwendigen Equipment ausgerüstet. Ob eine Behandlung medizinisch sicher in den eigenen vier Wänden oder in einem Alters- und Pflegeheim durchgeführt werden kann, entscheidet aber in jedem Fall ein Arzt.

Doch wie unterscheidet sich «Spital zuhause» von der Spitex? Während die Spitex Menschen zu Hause mit pflegerischen und betreuerischen Leistungen begleitet, ist die «Spital zuhause»-Behandlung bei akuten Erkrankungen geeignet, die sonst einen Spitalaufenthalt erfordern. «Spital zuhause» ist also im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen. Bis zu viermal am Tag werden die Patienten von Ärztinnen und Pflegefachpersonen besucht.

Für Norbert Woithe ist es bereits das zweite Mal, dass er die Dienste von «Spital zuhause» in Anspruch nimmt. «Ich bin zufrieden und dankbar, dass ich diesen Service habe», sagt er und fügt an: «Ins Spital geht man nie gerne.»

Seine Frau lobt die Erreichbarkeit des «Spital zuhause»-Teams. Wenn sie eine Frage hat, kann sie sich direkt melden und erhält Auskunft – meist direkt von einem Arzt. «Die Ärzte bei Spital zuhause sind näher am Patienten», ist sie überzeugt.

Mehr Autonomie und tiefere Kosten

Die Behandlung in den eigenen vier Wänden bringe zahlreiche Vorteile mit sich, erklärt Dr. Irene Joost, Oberärztin bei Spital zuhause. Die Patienten können weiterhin ihren gewohnten Tagesrhythmus bestreiten, schlafen in der Regel deutlich besser und sind mobiler. Ausserdem sei in den eigenen vier Wänden das Sturzrisiko tiefer als im Spital, erklärt Joost.

Die Kosten der Behandlung seien etwas tiefer als im Vergleich zu einem konventionellen Spitalaufenthalt, meint Christiane Eberhardt. Ausserdem würden sie von der Grundversicherung gedeckt. Durch die Behandlung zuhause komme es zudem zu weniger Funktionsverlust bei den Patienten. Dies ermögliche mehr Autonomie für die Patientinnen und Patienten und spare zusätzliche Folgekosten.

Seit drei Jahren bietet die Klinik Arlesheim Spital zuhause in den Gemeinden Aesch, Arlesheim, Münchenstein, Pfeffingen und Reinach an. Rund 500 Menschen wurden seither zuhause behandelt. Die Rückmeldungen seien nahezu alle positiv, sagt Eberhardt. Das Kantonsspital Baselland (KSBL) bietet das Angebot seit 2025 in den Laufentaler Gemeinden an. In einer gemeinsamen Kampagne informieren die Klinik Arlesheim und das KSBL nun über das Angebot, damit Menschen wie Norbert Woithe medizinische Behandlungen zuhause erhalten können.

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