Sieben Monate ohne Tram: Der Umbau der 11er-Linie geht in die dritte Runde

Seit drei Jahren läuft die etappenweise Renovierung der 11er-Linie bereits. In der kommenden dritten Bauphase werden Aesch, Reinach und Münchenstein vom 11er-Netz genommen.

Wird es nicht mehr geben: Die Haltestelle Loogstrasse wird aufgehoben. Foto: Kenneth Nars
Wird es nicht mehr geben: Die Haltestelle Loogstrasse wird aufgehoben. Foto: Kenneth Nars

Die kommende dritte Bauetappe der Instandhaltung der Tramlinie 11 wird sich vom 18. Mai bis zum 12. Dezember 2026 über einen Abschnitt von rund 3,5 Kilometern erstrecken. Betroffen sind die beiden Reinacher Haltestellen Surbaum und Reinacherhof und die sechs Haltestellen Heiligholz, Gartenstadt, Loogstrasse, Spengler, Schaulager und Freilager in Münchenstein. «Es ist eine wichtige Investition, um zukünftig einen sicheren, zuverlässigen und komfortablen öffentlichen Verkehr für die Bevölkerung sicherzustellen», meint Sandra Thomann, Leiterin des Tiefbauamtes der Gemeinde Münchenstein. Sie führt aus: «Es ist natürlich definitiv ein Mammutprojekt.»

Während der dritten Bauphase ist der Trambetrieb auf der gesamten Strecke von Aesch Dorf bis Dreispitz gesperrt. Dabei sollen gleichzeitig mehrere Mängel behoben werden. Zum einen besteht Erneuerungsbedarf bei der Schieneninfrastruktur, zum anderen sollen Haltestellen an das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) angepasst werden. Damit soll das Ein- und Aussteigen barrierefrei möglich werden und somit für alle Fahrgäste gewährleistet sein.

«Der Betrieb ist nicht mehr wirtschaftlich»

Sowohl die Schienen als auch der Schotter sind am Ende ihrer jeweiligen Lebensdauer, wie die Baselland Transport AG (BLT) auf Anfrage der bz ausführt. Die Infrastruktur stammt mehrheitlich aus den 1980er-Jahren und ist mittlerweile abgenutzt. Die Holzschwellen sind morsch, die Verbindungsstangen der Betonschwellen korrodiert und der Schotter nicht mehr stabil. «Kurzum: Der Betrieb der alten Anlage ist nicht mehr wirtschaftlich», fasst die BLT zusammen.

Aus diesem Grund sollen auf der Strecke von Surbaum in Reinach bis Freilager in Münchenstein Gleise ausgetauscht und neu verlegt werden. Die Fahrleitungen hingegen sind zum Grossteil erst zehn bis fünfzehn Jahre alt und benötigen keine Erneuerungen. Zudem soll das Gleisbett, das momentan noch mit Schotter gefüllt ist, begrünt werden, wie es in Reinach bereits gemacht wurde. Durch die Vegetation wird die Umgebung im Sommer schneller gekühlt, was die Infrastruktur schont und so langlebiger macht.

Loogstrasse verschwindet vom Schienennetz

An den Haltestellen Surbaum, Reinacherhof, Heiligholz und Gartenstadt fehlt es an niveaugerechtem Einstieg zwischen Perron und Tram. Davon sind besonders gehbehinderte Personen betroffen. Deswegen sollen die jeweiligen Haltestellen angehoben und so an das BehiG angepasst werden. Des Weiteren liegen die Haltestellen Heiligholz und Gartenstadt in einer Kurve, was den Spalt zwischen dem Tram und dem Bahnsteig vergrössert und den Einstieg zusätzlich erschwert. So werden die beiden Haltestellen in eine jeweilige Gleisgerade nach Norden, also Richtung Basel, verschoben.

Der neue Standort der Haltestelle Gartenstadt wird nur rund 100 Meter von der anschliessenden Haltestelle Loogstrasse entfernt sein. So hat die BLT zusammen mit dem Kanton Baselland entschieden, die Haltestelle Loogstrasse zu entfernen. Auch mit den Tramersatzbussen wird auf die Haltestelle verzichtet. Das heisst, dass ab dem 18. Mai die Loogstrasse nicht mehr bedient wird.

Tramersatzbusse verkehren von Aesch bis Dreispitz

Die Tramersatzbusse verkehren von der Endstation Aesch Dorf bis Dreispitz. In Richtung Basel fahren die Busse dem Trambett entlang. Die BLT schreibt dazu: «Die provisorischen Bushaltestellen sind ausgeschildert und befinden sich an der Hauptstrasse, wenige Meter von den Tramhaltestellen entfernt.» In Richtung Aesch Dorf jedoch verlangt der Baubetrieb einige Anpassungen. Der Tramersatzbus wird via Ruchfeldstrasse zum MFP-Kreisel geführt. Dort soll er die Buslinie 37 schneiden. Über die Linie 37 wird dann auch die Haltestelle Gartenstadt erschlossen, die vom Tramersatzbus 11 in Richtung Basel nicht direkt bedient wird. Dass damit der Knotenpunkt Gartenstadt nicht mehr direkt bedient wird, ist ungünstig. «Optimal ist es sicherlich nicht, unter den gegebenen Umständen jedoch nicht anders umsetzbar», meint Sandra Thomann.

Auch der Individualverkehr wird die Arbeiten spüren

Auch der motorisierte Individualverkehr wird die Umbauarbeiten des ÖV-Netzes zu spüren bekommen. In der rund 3,5 Kilometer langen Linienbaustelle wird eine Baustellenspur entlang der Tramschienen benötigt. Von der Haltestelle Surbaum bis zum Heiligholzkreisel verlaufen die Tramschienen entlang der Baslerstrasse. Diese ist gross genug, um nebst der Baustellenspur seitlich der Gleise zwei Autospuren gewähren zu lassen. So können Automobilistinnen und Automobilisten weiterhin in beiden Fahrtrichtungen verkehren.

Zwischen dem Heiligholzkreisel und Dreispitz sieht die Situation jedoch anders aus. Die am Gleisbett verlaufende Emil Frey-Strasse ist zu schmal, um zwei Fahrspuren und eine Bauspur zu bespielen. Ab dem Heiligholzkreisel bis zur Schwertrainstrasse können Autofahrende auf der Emil Frey-Strasse nur in Richtung Basel verkehren. Die Fahrspur Richtung Aesch erfolgt über eine Umleitung auf der Reinacherstrasse.

Mehrverkehr in den Quartieren kann nicht ausgeschlossen werden, denkt auch Thomann. Dieser würde jedoch hauptsächlich von Anwohnenden kommen: «Ich denke, Auswärtige werden nicht durch die Quartiere fahren, die suchen sich einen anderen Weg.» Die Gemeinde habe jedoch bereits Vorbereitungen getroffen, um den Verkehr möglichst flüssig zu leiten. Thomann führt aus: «Wir haben darauf geachtet, dass in den Ausweichstrassen keine Baustellen stattfinden.»

Sowohl in der Baslerstrasse als auch in der Emil Frey-Strasse wird der Fahrradverkehr auf parallel verlaufende Radrouten umgeleitet. Um auf den zwei Hauptstrassen Tempo 50 möglich zu machen, ist das Velofahren verboten.

So sieht der Ersatzverkehr im Detail aus

yak. Ausgehend von der Haltestelle Dreispitz verkehrt der Bus Richtung Aesch Dorf auf der Emil Frey-Strasse, bedient die Haltestelle Freilager und fährt anschliessend hinter dem Freilager und vor dem Schaulager auf die Ruchfeldstrasse, wo die Haltestelle Spengler bedient wird. Nachfolgend fährt der Bus zum MFP-Kreisel. Südlich des Kreisels soll eine provisorische Haltestelle entstehen. Vom Kreisel fährt der Tramersatzbus via Reinacherstrasse zur Haltestelle Heiligholz. Ab dort verkehrt auch er wieder regulär am Trambett.

Während der Hauptverkehrszeiten verkehren die Tramersatzbusse im 5‑Minuten-Takt, in den Nebenverkehrszeiten im 7,5‑Minuten-Takt und am frühen Morgen sowie am späten Abend in einem 15‑Minuten-Takt.

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