«Todesstrecke» im Oristal: Kritik am Kanton wegen fehlender Velostreifen
Auf der Strasse zwischen Liestal und Büren kommt es immer wieder zu heiklen Situationen: 2024 ereignete sich ein mittelschwerer Unfall. Schon seit über zehn Jahren planen die Kantone Baselland und Solothurn eine Ausweichroute für Velos.

Wenige Meter nach der Baselbieter Kantonsgrenze endet in Neunuglar der Fahrradstreifen. Auf der Fahrt von Liestal in Richtung Schwarzbubenland führt die Hauptstrasse ins enge Oristal und windet sich um den Roggenstein – eine Kuppe, auf deren Plateau das Dorf St. Pantaleon liegt. In der scharfen Rechtskurve wird die Kantonsstrasse eng. Regelmässig kommt es zu gefährlichen Auffahr- und auch Überholmanövern.
Der Lupsinger Stefan Saladin hat auf dieser Strecke selbst schon Todesangst erlebt, als er kürzlich auf dem Rad von einem Auto überholt wurde, obwohl ein Bus entgegenkam. Mit Glück sei er unversehrt geblieben, erzählt er. In einem anderen Fall ging ein Überholmanöver weniger glimpflich aus: Im Juli 2024 streifte ein überholender Gelenkbus, der von Büren in Richtung Liestal unterwegs war, einen Velofahrer. Dieser stürzte die Böschung hinunter und zog sich einen Bruch zu.
Büren übte Druckauf den Kanton aus
In den letzten zehn Jahren sei es auf dem Streckenabschnitt nach Büren zu vier Unfällen mit Fahrradbeteiligung gekommen, schreibt Patrick Infanger vom Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau auf Anfrage. Die Strasse werde jedoch nicht als gefährlich eingestuft. «Auf der gesamten Strecke ist kein Unfallschwerpunkt vorhanden.» Anders beurteilt dies der Lupsinger Saladin. Vor gut zwei Wochen brachte er eigenhändig ein Plakat am Strassenrand an. Mit seiner Botschaft kritisiert er die Kantone Baselland und Solothurn: «Warum hören Fahrrad-Schutzstreifen dort auf, wo man sie braucht?» Saladin bezeichnet die Strecke zwischen Liestal und Büren auf seinem Plakat als «Todesstrecke».
Auch die Bürner Gemeindepräsidentin Stéphanie Erni ist mit der Situation bestens vertraut. «Die Strecke ist vor allem gefährlich für den Langsamverkehr», sagt sie. «Wir sind uns der Gefahren bewusst, wir fahren so oft über diese Strasse.» Der Gemeinderat habe deshalb 2022 eine Arbeitsgruppe Velo ins Leben gerufen, die sich beim Kanton für den Bau einer Veloroute einsetzte. Der für Veloinfrastruktur im Kanton Solothurn zuständige Sascha Attia wurde eingeladen, den Abschnitt einmal persönlich mit Vertretern der Arbeitsgruppe zu testen, und zwar auf einer gemeinsamen Velofahrt während des Feierabendverkehrs. Er habe danach zugeben müssen, dass Handlungsbedarf besteht.
Für einen Fahrradstreifen fehlt an der schmalen Strasse im Oristal der Platz. Schon vor über zehn Jahren gab es deshalb im Rahmen des Agglomerationsprogramms das Projekt einer Veloroute zwischen Büren und Neunuglar. Diese hätte ursprünglich zwischen 2011 und 2014 umgesetzt werden sollen. Sie war Teil des Aggloprogramms der 1. Generation. Mittlerweile läuft die 6. Generation des Infrastrukturförderprogramms und die Radroute ist noch immer nicht realisiert.
Die Radroute kommt – nur wann?
Sowohl Baselland als auch Solothurn bestätigen jedoch, dass die Veloroute noch immer vorgesehen ist und im neusten Agglomerationsprogramm eingegeben wurde. Geplant ist ein von der Kantonsstrasse abgesetzter Radweg. Das Projekt sieht eine Linienführung von Büren via Lupsingen sowie Seltisberg bis nach Neunuglar vor, wo die Radroute wieder an die Kantonsstrasse angebunden wird.
Ein Vorbote dieser Veloroute ist die bereits heute existierende Querungsstelle für den Fuss- und Veloverkehr, die südlich der Abzweigung nach Lupsingen besteht. «Um die Sicherheit dort zu verbessern, wurde im letzten Jahr die Höchstgeschwindigkeit auf diesem Abschnitt auf 60 Kilometer pro Stunde gesenkt», schreibt die Baselbieter Baudirektion auf Anfrage. Gemäss Stefan Saladin wird dieses Tempolimit jedoch oft nicht eingehalten. «Viele brausen mit 80 Kilometern pro Stunde durch das Tal», sagt er. Die Strasse verleite auch dazu.
Auch zwischen Neunuglar und Liestal will der Kanton Baselland die Radroute künftig auf einem separaten Radweg führen. Das Tiefbauamt realisiere diesen im Zuge der kommenden Strassenerneuerung. Die heutigen Radstreifen werden dann aufgehoben. Das Vorprojekt für die neue Radroute liegt im Entwurf vor. Bis wann es realisiert wird, sei nicht definiert, schreiben die beiden Kantone.


