Theaterstück nimmt die SVP in die Zange

Die neue Produktion des Neuen Theaters, «Ja oder Nein», widmet sich der Sprache in der Politik und spannt einen Bogen ins digitale Zeitalter.

Im Kreuzverhör: Monika Varga bringt als Moderatorin Michael Wolf in seiner Rolle als SVP-Politiker in Bedrängnis. Foto: Ayse Yavas/zVg
Im Kreuzverhör: Monika Varga bringt als Moderatorin Michael Wolf in seiner Rolle als SVP-Politiker in Bedrängnis. Foto: Ayse Yavas/zVg

Hätte sich ein SVP-Politiker am vergangenen Freitagabend ins Neue Theater in Dornach verirrt, wäre ihm sicherlich die gute Laune vergangen: Denn das Schauspiel mit dem Titel «Ja oder Nein», das in Dornach zum ersten Mal aufgeführt wurde und kommende Woche noch zweimal zu sehen ist, nimmt die Volkspartei ins Kreuzverhör. Eine Radio­moderatorin, gespielt von der Basler Schauspielerin Monika Varga, fordert ihren politischen Gast, den fiktiven SVP-Politiker Hans-­Ueli Schaub, zu einem Experiment auf: Er soll, wie auch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der Schweiz bei Volksabstimmungen, sämtliche Fragen mit Ja oder Nein beantworten.

Dabei wird der Politiker, hervorragend gespielt von Michael Wolf, schonungslos mit der politischen Sprache seiner Partei und deren Argumentationslogik konfrontiert. Wischt er die Herausforderung anfangs mit der Glätte eines routinierten Politikers weg, bringt ihn die Moderatorin mit ihrer beharrlichen Fragerei zusehends in Bedrängnis. Der SVP-Politiker stellt sich vehement dagegen, in «die Nazi-Ecke gedrängt zu werden», passiert im Laufe des Stücks doch genau das, allerdings nicht in Bezug auf ihn selbst, sondern auf die Sprache seiner Partei, die in der Vergangenheit mit Ratten, Maden oder schwarzen Schafen die Stimmung anzuheizen wusste.

Die Moderatorin, die in ihrer Beharrlichkeit – ob zufällig oder nicht – an einen Roboter erinnert, überholt den mittlerweile der Verzweiflung nahe stehenden Politiker weit rechts und landet im nationalsozialistischen Deutschland. Auf dem Höhepunkt des Experiments nimmt das Stück eine Wendung, die für den aufmerksamen Zuschauer so unerwartet nicht kommt.

Typisch SVP?

Dem Betrachter des Stücks mag sich die Frage aufdrängen, inwieweit sich die SVP durch eine andere Partei ersetzen liesse, denn dass Politikerinnen und Politiker stets Allgemeinplätze wiederholen, die der Komplexität realer gesellschaftlicher Zustände nicht beikommen, ist kein Geheimnis. Interessant ist das Stück zweifellos bei der Frage, was Sprache anrichtet und was sie, folgen der Sprache auch politische Taten, in letzter Konsequenz bedeutet. Dass sich die SVP hier in die braune Enke gedrängt sieht, ist angesichts einiger Aktionen, durch welche die Partei in den vergangenen 20 Jahren auf sich aufmerksam machte, nicht zu vermeiden. Und trotzdem ist es im Stück gerade der SVP-Politiker, der sich gegen diese letzte Konsequenz mit Händen und Füssen wehrt – er hat es eben nicht so gemeint und ist im Grunde doch ein ganz sympathischer Typ.

«0 oder 1?»

Geschrieben hatte das Stück der Basler Schriftsteller, Hörspielautor und Dramatiker Lukas Holliger. Zuerst aufgeführt wurde «Ja oder Nein» am Sogar Theater in Zürich und ist als Koproduktion mit Matterhorn Produktionen und Neues Theater entstanden.

Holliger geht es allerdings noch um mehr als bloss die politische Sprache, denn das Stück zieht einen Bogen zum Thema Künstliche Intelligenz. Holliger dazu: «Die Dramaturgie des Stücks spult sich ab wie ein Computerprogramm, Ja oder Nein, 0 oder 1. Die Mechanik dient der Frage: Wohin führt digitales Denken in der Politik? Dies einmal einprogrammiert, schrieb sich das Stück wie von selbst.»

«Ja oder Nein», Neues Theater; Do, 15. 12., 19.30 Uhr (mit Publikumsgespräch mit dem Autor) und Sa, 17. 12., 19.30 Uhr. Tickets und weitere Informationen: neuestheater.ch

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