Der Rockstar aus dem Birseck

Die weltbekannte schottische Hardrock-Band Nazareth hat einen neuen Sänger: Gianni Pontillo aus Reinach. Im Gespräch mit dem Wochenblatt erzählt er, wie es dazu kam und was sich damit für ihn und seine Familie alles verändert.

Neuer Star von Nazareth: Gianni Pontillo ist seit über 30 Jahren auf der Bühne zu Hause. Foto: zvg / selmi.ch
Neuer Star von Nazareth: Gianni Pontillo ist seit über 30 Jahren auf der Bühne zu Hause. Foto: zvg / selmi.ch

Das muss man schon zweimal durchlesen, um es richtig zu verstehen: Die legendäre Rockband Nazareth mit Welthits wie «Love Hurts», «Dream On» oder «Where Are You Now» läutet in wenigen Wochen ihre Konzerttournee mit Shows auf der ganzen Welt ein – mit im Gepäck ist der 48-jährige Gianni Pontillo aus Reinach, der als neuer Leadsänger bald ganz vorne auf der Bühne anzutreffen sein wird. Mit verschiedensten Projekten und Bands ist er mittlerweile schon seit über 30 Jahren in der Heavy-Metal- und Rockszene präsent, doch was sich in den letzten Monaten abgespielt hat, ist auch für die grössten Träumer fast schon ungreifbar. Wie es dazu kam und was das alles mit dem New York Café zu tun hat, das wohl eher als Billard-Treffpunkt statt als musikalische Talentschmiede bekannt ist, erklärt Pontillo beim Treffen mit dem Wochenblatt.

Stück für Stück nach oben

«Um mich herum war immer schon ganz viel Musik», sagt Pontillo über seine Kindheit, die er in Aesch verbrachte. Damals seien es vor allem die italienischen Klassiker gewesen, mit denen er durch seine Eltern oder an Familienfeiern bereits früh in Kontakt gekommen sei. Er nahm Klavierunterricht und sei in Sachen Musikgeschmack ziemlich kreuz und quer anzutreffen gewesen – wohin ihn sein musikalischer Weg noch führen sollte, habe sich damals sicherlich noch nicht ablesen lassen.

Erste Gehversuche als Rocksänger machte er dann mehr aus Zufall, als ihn im Alter von 15 Jahren ein Schulkollege fragte, ob er nicht mal bei ihnen im Bandraum in Reinach vorbeischauen wolle. «Das laute, teilweise schon schreiende Singen, wie es im Hardrock-Bereich üblich ist, fühlte sich direkt natürlich an und funktionierte gut», sagt Pontillo über seine ersten Erfahrungen, die den Weg für alles ebneten, was noch folgen sollte. «Pure Yeast» nannte sich diese Schülerband, die aber schnell aus den Kinderschuhen herauswuchs: Nach ersten Auftritten in der Weiermatt-Turnhalle und dem New York Café spielten sie vermehrt an stetig grösseren Veranstaltungen in der Region, bevor dann bald schon ein erster Plattenvertrag winkte.

Frisch umbenannt in «Pure Inc», legte die Band dann so richtig los mit Konzerten in der ganzen Schweiz und auch darüber hinaus. Dieses Kapitel hielt rund 15 Jahre, bevor sich die Band Ende 2014 auflöste. Lange blieb es jedoch nicht still um Pontillo: Über «Slädu», der als Gitarrist von Gölä bekannt ist, kam er zum Tourneetheater «Das Zelt», wo er viele Jahre als Sänger an Board war. Zu dieser Zeit machte er auch mal einen Abstecher zu «The Voice of Switzerland», von wo ihn auch Leute kennen dürften, die sonst weniger in der Rockwelt beheimatet sind.

Gleichzeitig gründete er mit «The Order» ein neues Bandprojekt, womit er wieder vermehrt seinen eigenen musikalischen Visionen nachgehen konnte. Auch hier blieben erste Erfolge nicht lange aus, und bei einem Gig in Deutschland im Jahr 2019 öffnete sich beiläufig eine neue Tür für Pontillo: Der Gitarrist der in Szenekreisen bestens bekannten Heavy-Metal-Band Victory aus Hannover wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn als neuen Sänger mit ins Boot.

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Fortsetzung von Seite 1

«Meine Vorfreude war riesig, doch direkt nach dem ersten Gig kam der Corona-Lockdown und brachte alles sogleich wieder zum Stillstand», meint er über die turbulenten Anfangszeiten bei der neuen Band. Doch die unfreiwillige Kreativpause wurde direkt genutzt, um eine neue Platte aufzunehmen, die anschliessend mit viel Beachtung in Deutschland herausgegeben wurde. Mit diesem Album klapperte Pontillo als Sänger von Victory viele grosse Rockfestivals ab, darunter auch das bekannte Wacken Open Air in Schleswig-Holstein. Die Aufzeichnung der Performance schlug Wellen und schwappte bis nach Schottland, wodurch Pete Agnew, Bassist und Gründungsmitglied von Nazareth, Pontillos Stimme zu hören bekam und offensichtlich grossen Gefallen daran fand. Daraufhin machte er seine Nummer ausfindig und rief ihn kurzerhand an.

Ein alles veränderndes Telefonat

«Es war am 20. Dezember, das werde ich nie mehr vergessen. Ich konnte es selbst zuerst nicht glauben, wen ich da gerade am Telefon hatte. Er fragte mich, ob ich als Leadsänger bei Nazareth einsteigen wolle – innert zehn Minuten hatte mein Herz das direkt schon für mich entschieden, bevor der Kopf überhaupt realisieren konnte, was abging», erzählt Pontillo über diesen alles verändernden Moment.

Innert kürzester Zeit musste er viele weit reichende Entscheidungen treffen, dabei war der Austritt bei der Band Victory noch das Kleinste. Denn auch wenn Pontillo mit den bisherigen Projekten durchaus sehr erfolgreich unterwegs war – am Montagmorgen hiess es für ihn stets wieder, als Servicetechniker im Einsatz zu stehen. Der gelernte Heizungsmonteur arbeitet seit 20 Jahren im gleichen Betrieb und kann auf einen verständnisvollen Chef zählen, was ihm eine gewisse Flexibilität ermögliche, meint Pontillo über seinen Alltag als Vollzeitangestellter parallel zum Musikerleben.

Durch sein Nazareth-Engagement habe er nun auf ein Teilzeitpensum reduzieren können, bevor dann im nächsten Jahr der nächste grosse Schritt ansteht. Mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn plant er, nach Costa Rica auszuwandern und dort ein «Bed and Breakfast» zu eröffnen. «Das war schon immer unser Traum, und jetzt scheint gerade der richtige Zeitpunkt, das zu wagen. Wenn nicht jetzt, wann dann?», sagt Pontillo strahlend. Durch das Nazareth-Engagement sei er sowieso einen Grossteil des Jahres in der ganzen Welt unterwegs – und schon bald beginnt das neue Abenteuer.

Nach einigen Probenwochenenden in Schottland und ersten Shows in Tschechien geht es ab Ende März zuerst mit Konzerten in Deutschland, der Schweiz und in Österreich los, bevor dann die US-Tour ansteht, gefolgt von Brasilien, Chile über Kanada zurück für den Rest der Europa-Tournee. Bis im Dezember wird Pontillo rund 90 Konzerte auf der ganzen Welt mit Nazareth auf die Bühne gebracht haben. Doch bevor es ihn bald von Reinach aus quer über den Globus zieht, kommt er mit seinem eigenen Herzensprojekt in der Dornacher Wydekantine vorbei. Mit einer weiteren eigenen Band namens «Pontillo and the Vintage Crew» schreibt er seit einigen Jahren eigene Bluesrock-Songs, die er am 14. März bei einem Quasiheimspiel in Dornach auf die Bühne bringen wird.

 

Tickets gewinnen und Gianni Pontillo live hören

Das Wochenblatt verlost 2 × 2 Tickets für den Auftritt von «Pontillo and the Vintage Crew» in der Wydekantine Dornach am Samstag, 14. März um 20.30 Uhr. Mitmachen ist einfach: Schnell ein E-Mail an wettbewerb@wochenblatt.ch mit dem Stichwort «Nazareth» senden, Name, Adresse und Telefonnummer nicht vergessen! Die Gewinner werden benachrichtigt. Viel Glück!

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