Stechfreudig und auf dem Vormarsch: Die Tigermücke plagt die Region

Die Asiatische Tigermücke breitete sich zuletzt in der Region stark aus. Am Montagabend wurde im Kuspo bei einer Informationsveranstaltung erklärt, wie man dagegen vorgehen kann und welche Rolle dabei der Bevölkerung zukommt.

Liebt stehendes Gewässer: Die Asiatische Tigermücke. Foto: ZVG / James Gathany, Centers for Disease Control

Liebt stehendes Gewässer: Die Asiatische Tigermücke. Foto: ZVG / James Gathany, Centers for Disease Control

Informierten über die Asiatische Tigermücke: Bianca Modespacher und Martin Gschwind vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. Foto: Florin Bürgler

Informierten über die Asiatische Tigermücke: Bianca Modespacher und Martin Gschwind vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. Foto: Florin Bürgler

Welche Relevanz das Thema aufweist, zeigte sich am Montagabend im Kuspo in Münchenstein anhand der Bestuhlung im Saal: Mehrfach wurden stapelweise neue Stühle hereingebracht, um all den rund 200 Besucherinnen und Besuchern einen Sitzplatz zu bieten. Unter dem Titel «Die Asiatische Tigermücke – Biologie und Bekämpfung» informierten Martin Gschwind und Bianca Modespacher vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut über die Besonderheiten dieser invasiven Mückenart.

«Eigentlich ist es ja ein schönes Tier», stellte Gschwind zu Beginn fest und erwähnte die speziellen weissen Linien und Akzente am Körper der Asiatischen Tigermücke. Seit rund zehn Jahren ist die ursprünglich aus Asien stammende Art in der Region Basel ansässig. In den letzten Jahren habe sie sich stetig weiterverbreitet und die spezifische Population, mit der wir es bei uns zu tun haben, reiche bis nach Strassburg, wobei wir uns am südlichen Rand des Ausbreitungsgebiets befänden.

Die Tigermücke ist vor allem in Siedlungsgebieten anzutreffen und im Gegensatz zu vielen einheimischen Mückenarten tagsüber aktiv, was sie dadurch ungemein viel lästiger für uns Menschen macht. Sie gilt als stechfreudig und kann auch mehrmals hintereinander zustechen. Dabei sind es ausschliesslich die Weibchen, die Blut saugen, da sie dieses für die Entwicklung ihrer Eier benötigen.

«Ohne stehendes Wasser gibt es auch keine Mücken»

Neben der Lästigkeit, die Stechmücken grundsätzlich mit sich bringen, ist es bei der Tigermücke aber vor allem die mögliche Übertragung verschiedener Viren wie des Dengue- oder Zika-Virus, die sie problematisch macht – auch wenn bisher noch keine lokalen Ansteckungen in der Schweiz festgestellt wurden.

Ein Tigermückenweibchen legt in der Lebensdauer von etwa einem Monat bis zu 300 Eier, die jeweils nur 0,5 Millimeter gross und somit von blossem Auge fast nicht zu erkennen sind. Der Brutzyklus dauert unter geeigneten Umständen knapp eine Woche, was ein grosses Vermehrungspotenzial schafft. «Ohne stehendes Wasser gibt es auch keine Mücken», brachte Gschwind einen zentralen Aspekt zur Bekämpfung auf den Punkt. Die Eier werden nämlich knapp oberhalb der Wasseroberfläche an Innenwänden kleiner Gefässe abgelegt. Steigt dann der Wasserstand, schlüpfen die Larven. Dabei gehe es explizit nicht um grosse Gewässer oder Teiche, sondern typischerweise um Blumentopfuntersetzer, Giesskannen oder Eimer.

Durch Reifenhandel verschleppt

Weltweit ausgebreitet habe sich die Asiatische Tigermücke mutmasslich über den internationalen Reifenhandel, da die innere Form als perfekte Eierablage dient und die Mücke so in verschiedene Teile der Welt verschleppt wurde. Doch was kann man konkret im eigenen Garten und Haushalt dagegen tun? Gschwind meinte, dass es entscheidend sei, diese besagten Wasseransammlungen zu vermeiden: Gefässe sollen regelmässig geleert und grössere Behälter mit einem möglichst engmaschigen Netz verschlossen werden. Tiertränken sollten mindestens einmal, bestenfalls zweimal pro Woche vollständig ausgewechselt werden. Zudem gibt es ein natürliches Larvizid, das in Bekämpfungszonen verwendet wird und auch an die Bevölkerung abgegeben werden kann.

Ein weiteres Standbein sei die Aufklärung der Bevölkerung, wozu auch der besagte Informationsanlass zähle oder die Warnschilder, die sich auf Gemeindegebiet befänden. Eine besondere Herausforderung stelle die Sommerferienzeit dar – da so auch sonst vielleicht beaufsichtigte Gefässe unbewacht blieben und schnell zu Brutstätten würden. Die Tigermücken können sich selbst mehrere hundert Meter weit bewegen, was unterstreicht, dass eine effektive Larvenbekämpfung schwierig wird, wenn nur Einzelne in der Nachbarschaft mitmachen.

Es gibt keine Patentlösung – möglichst viel Mithilfe ist gefragt

Nach dem Input des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts bot sich Raum für Fragen – und dieser wurde rege genutzt. Aus dem Publikum wurde die im Tessin erprobte Methode erwähnt, bei der männliche Tigermücken durch Bestrahlung sterilisiert werden. Modespacher erwiderte, dass das zwar ein spannender Ansatz sei und in kleineren, isolierten Gebieten auch erste Fortschritte zeige, jedoch im bereits fortgeschrittenen Stadium in unserer Region aktuell keine praktikable Lösung darstelle.

Letztlich gäbe es keine Patentlösung: Entscheidend sei das Zusammenspiel verschiedener Massnahmen und die Mithilfe möglichst vieler Menschen, denn die wichtigste Grundlage bleibe denkbar einfach: Wo kein Wasser steht, kann sich auch keine Tigermücke entwickeln.

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