Schulen kämpfen gegen Hitze

Lehrpersonen und Kinder- ärzte fordern mehr Massnahmen zum Hitzeschutz an Schulen – und zwar in beiden Basel.

Die globale Erwärmung ist längst auch in den Schweizer Klassenzimmern angekommen. An Hitzetagen ist in vielen Schulen das Unterrichten kaum möglich. Gemäss einer nicht repräsentativen Erhebung des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) wurde an Basel­bieter Schulen im August 2023 bereits am Mittag eine durchschnittliche Temperatur von 30 Grad gemessen. Am Nachmittag erreichte die Temperatur sogar Spitzenwerte von bis zu 42 Grad.

Kinder sind besonders gefährdet

Laut den Lehrpersonenverbänden Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt (FSS) und LVB unternehmen die beiden Basel zu wenig, um diese Problematik auch kurzfristig in den Griff zu bekommen. Eine bikantonale Medienkonferenz am UKBB sollte ihrem Anliegen nun entsprechenden Nachdruck verleihen. «Hitze in Schulen ist ein unterschätztes ­Problem», sagt Patrick Hetzel. Der Kinderarzt aus Riehen ist Mitglied der Arbeitsgruppe «Hitze und Schule» der ­Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Regio Basel. «Erschöpfung, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Schwäche und Übelkeit an Hitzetagen kennen wir alle», sagt Hetzel. Doch bei Kindern wirke sich die Hitze auch auf Psyche, Lunge, Herz-Kreislauf-System, Gehirn und Nieren negativ aus.

Kantone betonen Engagement

Die Kantone Basel-Stadt und Baselland weisen die Vorwürfe der Lehrpersonenverbände zurück. Das Hochbauamt nehme heisse Klassenzimmer bei laufenden und neuen Projekten sehr ernst, beteuert die Baselbieter Bildungsdirektion. San­dra Eichenberger, Sprecherin des Basler ­Erziehungsdepartements, sagt: «Bei Neubauten und Renovationen werden Hitzeschutzmassnahmen konsequent mitgeplant.»

Ausserdem führe das Bau- und Verkehrsdepartement derzeit zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) eine Studie zur Hitzeresilienz bestehender Schulhäuser aus verschiedenen bautypischen Zeitepochen durch. In Basel-Stadt erhielt beispielsweise das über hundert Jahre alte Gebäude der Sekundarschule Pestalozzi beim Umbau 2023 einen Windturm, der wie eine natürliche Klimaanlage für die Schulräume funktioniert. Beim geplanten Neubau der Sekundarschule Allschwil soll auch im Baselbiet das erste Schulhaus des Kantons mit Sommerkühlung entstehen.

Ventilatoren und Klimaanlagen

Doch was ist mit all den unsanierten und schlecht isolierten Schulhäusern, in denen die Innentemperatur bei Hitzewellen kaum tiefer als die Aussenhöchsttemperaturen sein soll? Für den Akut-fall gibt es seitens der Kantone für viele Schulen bislang primär Empfehlungen wie, an Hitzetagen Prüfungen zu vermeiden, nachts zu lüften und im Keller oder Wald zu unterrichten. Loretz sagt dazu: «Das wirkt gut gemeint, aber hilflos.» Der LVB fordert, dass an allen ­kantonalen Schulen in Baselland Deckenventilatoren installiert und bei ­Neubauten und Sanierungen Klima­anlagen eingebaut werden. Der Landrat hat dazu bereits zwei Vorstösse von Jan Kirchmayr (SP) überwiesen.

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