Möglichst ausgefallen soll es sein

Mit einem Taubenpaar auf dem Basler Münsterplatz fing es an. Seither lichtet Martin Graf aufsehenerregende Motiveab und sendet sie den Medien zu.

Hat ein Auge fürs Skurrile: der Schnappschuss-Jäger Martin Graf aus Reinach. Fotos: zvg

Hat ein Auge fürs Skurrile: der Schnappschuss-Jäger Martin Graf aus Reinach. Fotos: zvg

Ein Anblick, der fasziniert und zugleich verwirrt: «Mondlandschaft oder Schneeverwehungen auf dem Bruderholz?».Diese Frage stellt Martin Graf den Betrachtern seines Schnappschusses.

Ein Anblick, der fasziniert und zugleich verwirrt: «Mondlandschaft oder Schneeverwehungen auf dem Bruderholz?».Diese Frage stellt Martin Graf den Betrachtern seines Schnappschusses.

In einem kleinen Büro in seiner Wohnung in Reinach ist Martin Graf eingerichtet und ausgestattet mit professionellem Kamera-Equipment, Computer und Ordner voller Fotos, die der leidenschaftliche Schnappschuss-Fotograf über die Jahrzehnte angefertigt hat. Dabei habe er bei seinem letzten Umzug bereits ordentlich Bildmaterial ausgemistet. Auf seinem Computer zeigt der 70-Jährige eine Videoreportage, die im Jahr 2022 beim «Blick» erschienen ist. Sie zeigt Graf bei seiner Arbeit als Tramchauffeur und erzählt von seiner Leidenschaft fürs Fotografieren. Eines der ersten Medienbilder Grafs erschien ebenfalls beim «Blick» im Jahr 1977. Graf lichtete ein Taubenpärchen auf dem Münsterplatz ab und sendete das Bild mit einem kleinen eigens verfassten Text der Redaktion zu. Der Titel der Fotografie: «Liebeserklärung beim Basler Münster».

Seither wurden mehrere hundert, gemäss eigenen Angaben bis an die tausend, Bilder des Reinachers publiziert und einige davon auch gekürt.

Proaktiv und kreativ

Der Schnappschuss-Fotograf zog für verschiedene Medienhäuser als Reporter los und ging dabei proaktiv vor. Wenn er auf etwas Ungewöhnliches stiess, manchmal sogar auf seinen Fahrten als Tramchauffeur, lichtete er es ab und sendete es den Redaktionen zu. Dabei überliess er die Schnappschüsse nicht zwangsläufig dem Zufall. Im Dezember 1985 beispielsweise. Graf erinnert sich: «Auf meinen täglichen Fahrten im 11er-Tram fiel mir ein Mann an der Tramstation Loogstrasse auf, der immer mit seinem Papagei auf der Schulter zustieg», diesen habe er daraufhin kurzerhand angesprochen und ihm vorgeschlagen, im Depot gemeinsam ein Foto zu schiessen. Darauf zu sehen: der Papagei, wie er auf der Notbremse sitzt. Generell sei er bei seinen Tramfahrten so manchen speziellen Ereignissen begegnet. Als der «Blick» im Mai 2011 unter der Schlagzeile berichtete: «Irrer sitzt einen Tag auf dem Kamin», war Graf der Bildreporter. In der Stadt sei er auf den Vorfall aufmerksam geworden und habe prompt den Mann dabei fotografieren können, wie dieser mit Dachziegeln um sich warf.

Erst kürzlich sei von ihm auch wieder ein ganz spontanes Foto publiziert worden, erklärt der Fotograf weiter. Zufällig sei er dazugestossen, als sich vor dem Gartenbad in Reinach eine grosse Kolonne bildete. Kurzerhand zückte Graf daraufhin sein Handy und lichtete die Kolonne ab. Das Bild liess er der Zeitung zukommen, die daraufhin berichtete, dass die Badegäste über eine Stunde anstehen mussten.

Schnappschüsse als Spezialität

Dabei lichtet der Reinacher eigentlich gar nicht gerne Menschenmengen ab. Auf die Frage hin, ob es denn auch Sujets gebe, die er nicht gerne fotografiere oder von denen er sagen würde, dass sie ihm nicht lägen, erklärt Graf, dass das Thema Datenschutz heute so heikel geworden sei, dass er Menschenmengen in der Regel nicht mehr fotografiere. «Gerade bei Kindern sind die Mütter heute besonders alarmiert, wenn ein Mann mit einer Kamera auftaucht. Dabei sind es gerade die Gesichter auf Veranstaltungen, die interessieren würden», sagt Graf.

Urlaub, Ausspannen und die Kamera im Gepäck

Angesprochen auf seine anderen Fotografien, darunter kunstvoll angerichtete Kulinarikbilder, die Graf auf seiner Website publiziert, winkt er ab. «Meine Spezialität ist wirklich die Schnappschuss-Fotografie. Auf alles andere bin ich nicht spezialisiert.» Dabei sei ihm stets besonders wichtig, Bilder zu fertigen, die irgendwie skurril, irgendwie anders oder speziell sind. Auf die Frage hin, was denn ein gutes Bild ausmache, erklärt er, dass sich das nicht so einfach definieren lasse. Lernen könne man das wohl nie so ganz. «Man braucht einfach ein Auge dafür. Ich glaube, das ist wirklich ein Talent, das einem irgendwie in die Wiege gelegt wird», erklärt er. Sein persönliches Highlight beim Fotografieren sei aber klar, wenn das Foto publiziert wird.

Mittlerweile ist Martin Graf pensioniert und fährt nicht mehr mit dem «Trämli» durch die Stadt. Auch das Fotografieren will er derweil reduzieren. Vor nicht allzu langer Zeit habe er sich eine neue Spiegelreflexkamera zugelegt. Die vermutlich letzte Kamera, die er sich wohl anschaffen will, wie er erzählt. «Die Fotografie war immer ein tolles Hobby und sie ist es bis heute.»

Ganz aufzuhören gedenkt Graf daher nicht. Auf dem Küchentisch liegt ein aufgeschlagener Reiseprospekt. Schon bald wollen er und seine Frau gemeinsam in den Urlaub fahren. Dort hofft der leidenschaftliche Schnappschuss-Fotograf ebenfalls auf gute Bildmotive: «Vielleicht entsteht dort auch etwas anderes als das bisher Gewohnte.»

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