Kurioses Vertrags-Hickhack
Sowohl der FC Aesch als auch die Old Boys Basel gingen davon aus, mit dem deutschen Stürmer Christian Schmidt in die Saison zu gehen. Der Schweizerische Fussballverband sprach schliesslich ein Machtwort.

Das OB-Trikot mit der Nummer 45 ist bereits beflockt. Doch getragen wird es nicht von Christian Schmidt, sondern gegen Klingnau von Mile Vukelic. Denn der 24‑jährige Stürmer muss vorerst in Aesch bleiben und damit eine Liga tiefer seine Tore schiessen. Schmidt stiess erst im Winter aus seiner Heimat Deutschland vom SGV Freiberg zum FC Aesch. «Ein Wechsel, der voll einschlug», wie Sportchef Six Pavkovic sagt.
In der 2.‑Liga-Rückrunde erzielte Schmidt 13 Tore. Kein Wunder zählt Pavkovic auch nach dem verpassten Aufstieg auf die Qualitäten von Schmidt: «Wir wollen es erneut versuchen mit dem Aufstieg und dafür brauchen wir ein starkes Team.» Aesch verpasste den Aufstieg in der Vorsaison im Duell mit dem VfR Kleinhüningen nur knapp. Trainer des damaligen Gegners war Mergim Bajraktari, der mittlerweile als Coach des BSC Old Boys in der 2. Liga interregio fungiert.
Schmidt hat in Aesch eine Vereinbarung unterschrieben, welche ihn bis Ende dieser Saison bindet. In der kurzen Zeit auf dem Löhrenacker wurden die ehemaligen Aescher Spieler Marco Mandal und Abdel Fahdy jedoch zu guten Kollegen des Deutschen. Mandal wechselte nach dem Saisonende auf die Schützenmatte. Und als der FC Basel in der Vorbereitung den OB-Innenverteidiger Robin Kamber holte, standen die Old Boys unter Zugzwang und bedienten sich erneut in Aesch. «Wir wurden uns damals einig mit Fahdy», erklärt Präsident Christian Schmid.
Stürmer Schmidt meldete sich daraufhin ebenfalls bei den Old Boys. «Für uns passte das, nachdem mit Luftetar Mushkolaj ein Stürmer kurzfristig zurück zu Kleinhüningen gewechselt hatte», erläutert der neue Trainer Bajraktari. «Wir haben den FC Aesch und deren Sportchef Six Pavkovic sofort darüber informiert, dass Schmidt zu uns kommen wollte», weist Schmid darauf hin, korrekt gehandelt zu haben.
Meinungsverschiedenheiten zwischen Aesch und den Old Boys
Der FC Aesch wollte Schmidt aber nicht ziehen lassen. Verständlich, denn es gab keinen anderen Mittelstürmer in der Mannschaft ausser den Deutschen. Während für Verteidiger Fahdy mit Abdoulhadri Sylla, der bei OB nicht mehr erwünscht war, ein Ersatz gefunden worden war, sah es in der Offensive anders aus.
Auf der Schützenmatte ist man der Ansicht, dass durch die Einflussnahme der Old Boys die ehemaligen Spieler des VfR Kleinhüningen Mamadou Sylla und Ahcène Amrani nach Aesch wechselten. Im Gegenzug hätte man sich ein Entgegenkommen in der Causa Schmidt gewünscht.
Das tönt auf dem Löhrenacker allerdings anders. Man habe sich selbst aktiv um Verstärkungen bemüht, weil es Abgänge gab. Und bei Schmidt blieb der 2.‑Ligist hart. Der Stürmer, der anlässlich der Regio-Fussball-Gala Fussballa bereits in einem Video im OB-Trikot als Nominierter für den «Spieler der Saison» zu sehen war, kehrte zu Aesch zurück. Er wollte vor allem Fussball spielen, bestritt die letzten beiden Partien und erzielte dabei sechs Tore. «Ich wurde vom Staff und den Mitspielern sofort wieder gut aufgenommen und wir versuchen, gemeinsam den Aufstieg zu realisieren», sagt Schmidt. Allerdings zögert er bei der Frage, ob er denn jetzt bis Ende Saison in Aesch bleibe. «Man muss sehen, was im Winter ist.»
Fussballverband gibtdem FC Aesch recht
Das Vertrags-Hickhack beschäftigte auch den Schweizerischen Fussballverband (SFV). Dieser gab dem FC Aesch recht und verweigerte Schmidts Transfer zu den Old Boys. Dabei beruft sich der SFV auf Artikel 151 des Wettspielreglements. «Dieser besagt, dass ein Verein, bei dem ein Spieler aktuell spielt, einen Transfer verweigern kann», sagt Dominique Schaub, Leiter Rechtsdienst beim SFV gegenüber SRF. Dies aber nur dann, wenn der Spieler eine gültige Vereinbarung für die anstehende Saison unterzeichnet hat. Eine solche schriftlich Vereinbarung gab es zwischen Schmidt und dem FC Aesch.
Bei OB herrscht die Überzeugung, dass Schmidt nach der Winterpause das Leibchen mit der Nummer 45 tragen wird. Der FC Aesch hingegen ist glücklich, dass er wieder im Team ist. «Für uns ist das Thema abgeschlossen. Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf die Meisterschaft», erklärt Sportchef Pavkovic. Im Winter dürfte die jeweilige sportliche Ausgangslage wohl eine Rolle dabei spielen, ob der Transferpoker in die nächste Runde geht.


