Schlosshof: Stallneubau ist vom Tisch
Die Dornacher Bürgergemeindeversammlung genehmigte die Rückgabe des Kredits für den Neubau des Mutterkuhstalls beim Schlosshof. Die Zukunft des Hofs istdamit ungewiss.

Das Thema ist emotional aufgeladen, Voten dazu gab es an der ausserordentlichen Bürgergemeindeversammlung am Mittwoch vergangener Woche trotzdem nur einige wenige. Dabei geht es um die Zukunft des Schlosshofs als Landwirtschaftsbetrieb und jene des aktuellen Pächterpaars Stefanie und Yves Hänggi, das den Hof im April 2024 übernommen hat.
Im Pachtvertrag wurde damals vereinbart, dass die Bürgergemeinde Dornach als Eigentümerin des Schlosshofs einen neuen Mutterkuhstall baut. Tierhaltevorschriften machen den Neubau notwendig. Der alte Stall sollte noch als Futterlager dienen. Anfänglich signalisierte das Raumplanungsamt des Kantons Solothurn Zustimmung zum 2022 von der Bürgergemeinde eingereichten Vorprojekt. Kurze Zeit später forderte der Kanton Anpassungen. Seitdem warten die Hänggis immer noch auf einen neuen Stall. Bis anhin konnten sie einen Teil ihrer Kühe im Winter in Gempen unterbringen. Ab dem kommenden Winter ist dies nicht mehr möglich. Deshalb müssten sie wohl Vieh verkaufen oder vorzeitig schlachten lassen.
Über 870000 Franken für nichts
Der im vergangenen August neu zusammengestellte Bürgerrat unter Präsident René Umher (Bürger für Dornach) entschied sich aufgrund der zunehmenden Komplexität und der fehlenden Bewilligungsfähigkeit des Projekts beim Kanton Solothurn, auf den Neubau zu verzichten und den im Dezember 2022 von der Bürgergemeindeversammlung genehmigten Baukredit über 3,2 Millionen Franken zurückzugeben. Die einberufene ausserordentliche Bürgergemeindeversammlung hiess den Antrag des Bürgerrats dafür vergangene Woche gut.
Die Bürgergemeinde Dornach muss aufgrund der fortgeschrittenen Planungen und der bereits erledigten Arbeiten über 870000 Franken abschreiben, was die Bürgergemeinde schwer trifft. «Ein happiger Abschreiber, den wir aber verkraften können», sagt Umher zum Wochenblatt. Der Abschreiber sei «zukunftsgerichtet» und für die Bürgergemeinde die richtige Entscheidung, ist der Bürgerratspräsident überzeugt.
Für das Pächterpaar Hänggi ist der Entscheid der Bürgergemeindeversammlung der nächste schwere Schlag in einer schon so herausfordernden Situation. Sein Pachtvertrag läuft noch sieben Jahre. Aufgrund der veränderten Ausgangslage in Zusammenhang mit dem nicht realisierten Stall verhandeln das Pächterpaar und der Bürgerrat beziehungsweise deren Anwälte über eine Auflösung des Pachtvertrags. Es würden nur noch Details fehlen, betont Umher, der an der Versammlung und gegenüber dem Wochenblatt mehrfach unterstrich, dass der Pachtvertrag «gegenseitig» aufgelöst werden soll.
Vereinbarung kurz vor Abschluss?
Für die Familie Hänggi ist die monatelange Hängepartie belastend. Ihre Zukunft als Landwirte ist ungewiss. Mehr möchten die Hänggis aufgrund des noch laufenden Verfahrens nicht sagen. Genauso handhabte es der Bürgerrat an der Bürgergemeindeversammlung. Über die Situation mit dem Pächterpaar sollte nicht gesprochen werden, um das Verhandlungsergebnis nicht zu gefährden. Es sollte alleine um die Rückgabe des Baukredits gehen. Eigentlich wollte der Bürgerrat bereits an der ausserordentlichen Versammlung über die Auflösung des Pachtvertrags und die dafür nötige Abfindung abstimmen lassen.
Doch so weit kam es nicht, da noch nichts unterzeichnet ist. Gemäss Umher sollte die schriftliche Vereinbarung mit dem Ehepaar Hänggi spätestens zur ordentlichen Bürgergemeindeversammlung am 19. Mai stehen.
Mit der definitiven Absage an den neuen Mutterkuhstall ist die Zukunft des Schlosshofs ungewiss. Die für den Stallneubau einberufene und vom Bürgerrat unabhängige Strategiekommission Bauernhof Schlosshof soll verschiedene Optionen und Entwicklungsszenarien für den Schlosshof prüfen.
Falls ein neues Bauprojekt aufgegleist würde, müsste der Kanton früher in die Planungen involviert werden. Das Gebiet ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) gelistet, wodurch bei Eingriffen auch der Heimat- und Landschaftsschutz involviert ist, erinnert Umher, der als Bürgerratspräsident das Geschäft Schlosshof von seinem Vorgänger übernommen hat. Auch befindet sich die Parzelle gemäss Angaben des Kantons Solothurn ausserhalb der Bauzone. Umher erachtet es als «sportliche Leistung», was er und der Gesamtbürgerrat seit vergangenem August beim Schlosshof erreichen konnten. «Wir haben unsere Verantwortung wahrgenommen. Der Schlosshof ist für Dornach, die Region und für die Bürgergemeinde ein Aushängeschild.»


