Rückt die Haltestelle Apfelsee in weite Ferne?
Der Bundesrat hat am 28. Januar im Bereich der Bahn Eckwerte zu den nationalen Grossprojekten beschlossen. Im Juni will er vorlegen, wie es mit der S-Bahn-Haltestelle Dornach Apfelsee weitergehen soll. Sie könnte auch erst nach 2045 realisiert werden.

Als «interessante Option» hatte der Bericht des ETH-Verkehrsprofessors Ulrich Weidmann die S-Bahn-Haltestelle im vergangenen Herbst aufgeführt. Ihre Realisierung sah er allerdings erst nach 2045 vor. Ende Januar hat der Bundesrat Eckwerte für die Bahn- und Strassenprojekte bis 2045 festgelegt. Mit der Vernehmlassungsvorlage «Verkehr ’45» sollen die Kapazitäten auf der Schiene erhöht, Engpässe auf der Nationalstrasse reduziert und Verkehrsprojekte in Agglomerationen gefördert werden. Bis Ende Juni will das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) nun eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten.
Unter den vom Bundesrat im Januar aufgeführten Projekten fehlt die S-Bahn-Haltestelle Apfelsee. Mit der Eröffnung der Vernehmlassung im Juni werde der Bundesrat darüber entscheiden, «welche der durch die ETH überprüften kleineren und mittleren Massnahmen – dazu gehört auch die Haltestelle Dornach Apfelsee – in den Realisierungshorizont 2045 aufgenommen werden und welche nicht», schreibt das Bundesamt für Strassen (BAV) auf Anfrage.
Der Entscheid ist also noch offen – das Risiko, dass die Haltestelle noch gestrichen wird, bleibt aber bestehen. Das Uvek werde im Frühjahr aufzeigen, welche vom Parlament bereits beschlossenen Massnahmen nicht realisiert werden sollen, heisst es. Offen ist demnach, ob die Haltestelle dereinst überhaupt gebaut werden wird. Die Planungen sind damit aber nicht auf Eis gelegt: Die SBB erstellen derzeit im Auftrag des BAV das Bau- und Auflageprojekt für die neue Haltestelle. «Solange die SBB vom BAV bezüglich dieses Auftrags keine gegenteiligen Anweisungen erhalten, führen sie diese Projektierungsarbeiten fort», schreibt Mediensprecher Moritz Weisskopf auf Anfrage.
17 Millionen Franken würde die Erstellung der Haltestelle Apfelsee kosten – damit zählt das Projekt national zu den kleinen Investitionsprojekten.
Dornach will die Unsicherheit im Teilzonenplan abbilden
Sollte die Realisierung der Haltestelle tatsächlich auf den Horizont 2045 oder noch später fallen, hätte das für Dornach gravierende Folgen. Das neue Wydeneck-Areal der Hiag würde damit vorerst nicht an eine S-Bahn-Haltestelle angeschlossen. Das Industrieareal an der Birs soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einem Wohn- und Gewerbequartier transformiert werden. Ohne S-Bahn-Haltestelle wäre ein ÖV-Anschluss nur über eine Buslinie möglich. Für Dornach sei das Projekt daher sehr wichtig, sagt Gemeindepräsident Daniel Urech (FWD/Grüne). «Wir arbeiten derzeit an der Teilzonenplanrevision für das Gebiet im Wydeneck. Wie dieses Gebiet verkehrstechnisch erschlossen wird, ist dabei eine zentrale Frage.» Die Gemeinde prüfe, wie sich die Unsicherheit bezüglich der Realisierung der Haltestelle im Teilzonenplan abbilden liesse.
«Für uns als Investoren ist die Situation schwierig»
Die Hiag machte mehrfach klar, dass die Bahnhaltestelle Apfelsee (wie auch der Autobahnanschluss an die A18) für die Arealentwicklung zentral sei. Hiag-CEO Marco Feusi bestärkt dies gegenüber dem Wochenblatt: «Der Start der Entwicklung des Areals, wie wir sie bis jetzt vorgesehen haben, steht und fällt mit der Haltestelle Apfelsee.» Auf dem Areal sollen dereinst bis zu 1800 Menschen wohnen, Gewerbeflächen sind auch vorgesehen. «Das Projekt ist bereits eingeplant und die Finanzierung geklärt. Für uns als Investoren ist die Situation schwierig: Solange wir nicht wissen, wie es weitergeht, haben wir keine Planungs- und Investitionssicherheit.» Die Haltestelle habe auch eine raumplanerische Dimension, die über Dornach hinausgehe, hält Feusi fest. Die Hiag müsse das Risiko, dass die Haltestelle deutlich später – oder gar nicht – realisiert werde, jedoch mit berücksichtigen, so Feusi.
Gemeinderat wandte sich im Dezember an Bundesrat Rösti
Fiele die Haltestelle weg, wäre auch die Quartierverbindung zwischen Apfelsee und dem neuen Wydeneck Geschichte. Das Stimmvolk hatte im vergangenen Jahr eine breitere Fussgänger- und Velounterführung an der Urne abgelehnt. Gemeinderat und SBB planen nun mit einer Standardunterführung. Sie soll die Quartiere Apfelsee und Wydeneck verbinden. Kommt die Haltestelle nicht, entsteht selbstredend auch keine Unterführung.
Ende Dezember wandte sich die Gemeinde in einem Schreiben an Bundesrat Albert Rösti beziehungsweise an dessen Departement. Darin forderte der Gemeinderat dazu auf, dass für die SBB-Haltestelle «eine sachgerechte und individuelle Lösung» gefunden werde, «die nicht einen Projektunterbruch bis mindestens Ende 2027 bedeutet». Das Projekt sei schon weit fortgeschritten und stehe kurz vor dem Plangenehmigungsverfahren, begründet der Gemeinderat.
Das Parlament wird voraussichtlich 2027 über die Vernehmlassungsvorlage entscheiden. Das politische Seilziehen wird also noch länger weitergehen. Es wird sich zeigen, welchen Stellenwert dem Projekt in Bern beigemessen wird.


