Primeo steigert Gewinn
Der Münchensteiner Energiekonzern erzielt einen Gewinn von 109 Millionen Franken. Der Solarausbau bleibt im Verteilgebiet hoch, wobei Geschäftsführer Cédric Christmann als Beispiel vorangeht.
«Wir bewegen uns in einer verrückten Welt», sagt Primeo-Finanzchef Dominik Zimmermann. «Kaum sind wir aus einer Strompreis-Krise herausgekommen, kündigt sich die nächste an. Aber wir sind noch lang nicht dort, wo wir 2022 waren.» Der Iran-Krieg sorgt in der Energiebranche derzeit für grosse Unsicherheit.
Noch sei unklar, ob der Krieg im Nahen Osten in der Region Basel einen Preisschub auslösen wird, beschwichtigt Primeo-Chef Cédric Christmann. «Wir beobachten genau, wie stark die Gasspeicher in Europa in diesem Sommer gefüllt werden.» Da Deutschland rund 20 Prozent seines Stroms mit Gas produziert, hat dies einen starken Einfluss auf die Strompreise auf dem ganzen Kontinent.
In Frankreich boomt das Geschäft
Auch wenn es für die Zukunft diese Ungewissheit gibt, konnte der Münchensteiner Energiekonzern zumindest für das vergangene Jahr positive Zahlen vermelden. Weil die Strompreise nach der Energiekrise von 2022 wieder deutlich gesunken waren, sank zwar der Umsatz von Primeo – den Gewinn konnte die Firma jedoch von 91 Millionen (2024) auf 109 Millionen Franken steigern. Für Haushalte relevant: Mit mehr als 11 Millionen Franken des Gewinns wird Primeo in den kommenden Jahren die künftigen Stromtarife in der Grundversorgung glätten.
Den Gewinn gelte es ohnehin zu relativieren, so Zimmermann. «Wir haben auch deutlich mehr investiert, als wir erwirtschaftet haben.» Ein Grossteil der investierten 187 Millionen Franken floss in den Netzausbau.
Das gute Ergebnis verdankt Primeo in erster Linie dem Stromgeschäft in Frankreich. Dort gewann das Unternehmen auf dem liberalisierten Markt 120 000 neue Privatkunden. «Da machen wir wertvolle Erfahrungen, falls der Markt in der Schweiz einmal geöffnet wird», so Christmann. Die besten Margen verzeichnet Primeo allerdings nach wie vor bei den Geschäftskunden in Frankreich. Auch die Beteiligung am Stromkonzern Alpiq, wo Primeo rund einen Fünftel der Aktien hält, zahlte sich 2025 in Form einer Dividende aus.
Christmann vertraut auf PV-Anlage
In der Schweiz blieb das Geschäft für Primeo herausfordernd. Vor allem im Bereich des Netzausbaus und des Netzunterhalts steigt der Druck. Dies, weil die Netzbetreiber neu weniger Rendi-te auf ihren Netzen erzielen dürfen. «Die Kunden profitieren zwar davon, dass wir nicht mehr so viel in Rechnung stellen dürfen», sagt Christmann. Für Primeo werde es so aber schwierig, bis 2050 den in der Energiestrategie geplanten Netzausbau zu realisieren.
Als schwierig erwies sich 2025 in ganz Europa die Stromproduktion. Sie war aufgrund von Extremwetterereignissen rückläufig. In der Schweiz ist zudem das Atomkraftwerk Gösgen seit fast einem Jahr nicht mehr am Netz.
Der Ausbau der Solarenergie blieb im Netzgebiet der Primeo hingegen auch im vergangenen Jahr auf hohem Niveau. Mit den über 900 neuen Anlagen wird Primeo bald die 10 000er-Marke knacken. Obwohl das Baselbiet Anfang März an der Urne eine Solarpflicht ablehnte, werde der Ausbau weitergehen, ist Christmann überzeugt. «Es ist die demokratischste Form, Strom zu produzieren. Die Solarenergie wird sich durchsetzen.»
Er selbst baute auf seinem Haus in Bottmingen eine Photovoltaikanlage. Zu 70 Prozent der Zeit sei er – ohne Batterie – vom Stromnetz unabhängig.


