Power und eine grosse Portion Mut

Für die Arlesheimer Mountainbikerin Seraina Leugger stehen mit der Europameisterschaft in München und dem Heimspiel beim Swiss Bike Cup auf dem Schänzli zwei wichtige Rennen bevor.

Kennt auf dem Gelände jede Wurzel: Mountainbikerin Seraina Leugger. Foto: Tobias Gfeller
Kennt auf dem Gelände jede Wurzel: Mountainbikerin Seraina Leugger. Foto: Tobias Gfeller

Seraina Leugger beobachtet die Aufbauarbeiten auf der Reitsportanlage Schänzli. Noch ist nicht zu erahnen, dass dort am kommenden Wochenende mit dem Bikefestival Basel ein sportliches Grossereignis aufwartet. Am Sonntagmittag startet die Arlesheimerin beim Cross- Country-Rennen, dem Proffix Swiss Bike Cup. Für die 23-Jährige geht es im zweitletzten Rennen der Cup-Serie darum, das gelbweisse Leadertrikot zu verteidigen.

Das Rennen auf dem Schänzliareal durch den Wald in Richtung Rütihard ist für Seraina Leugger aber nicht nur sportlich, sondern auch emotional ein Höhepunkt. Obwohl sie fast jede Wurzel der Strecke auswendig kennt, muss sie die Strecke vor dem Start genau inspizieren, um zu wissen, wo heuer die besten Überholmöglichkeiten sind, wo es wichtig ist, Schwung mitzunehmen, und wie im Detail der Streckenverlauf gesteckt ist. Die Strecke liege ihr, verrät sie selbstbewusst. «Es braucht viel Power. Es sind nicht so viele Höhenmeter, umso wichtiger sind die Taktik und ein gutes Gespür für die Rennsituation.» Mit zwei eingebauten Sprüngen ist auch für die nötige Action gesorgt, bei der sich die Fahrerinnen und Fahrer überwinden müssen. Seraina Leugger beschreibt sich selber als «mutige Fahrerin». Es könne aber auch mal zu viel sein, was dann auch mal zu einem Sturz führt.

Der Bruder als Taxifahrer

Bevor es am Sonntag ans Heimspiel geht, steht am Samstag mit der Europameisterschaft in München im Rahmen der European Championships für Seraina Leugger ein weiterer Höhepunkt an. Während sie auf dem Schänzli vorne mitfahren will, gehe es bei den Titelkämpfen darum, Erfahrungen zu sammeln. Seraina Leugger ist klar, dass dies eine grosse Herausforderung wird. Bruder Flurin, der früher selber Mountainbike-Rennen fuhr und heute auch als Naturfotograf bekannt ist, wird als Fahrer fungieren und dafür besorgt sein, dass seine Schwester nach dem Rennen in München bequem und rasch mit dem Auto nach Hause kommt. Selber im Auto nach Hause fahren wäre zwischen zwei Rennen eine zu grosse Belastung, betont die Arlesheimerin.

Die Voraussetzungen, dass es für Seraina Leugger ein erfolgreiches Wochenende wird, stehen gut. 2022 ist in ihrer Mountainbike-Karriere das bislang beste Jahr. Neben Topplatzierungen beim Swiss Bike Cup steht der 22. Platz beim Weltcup-Rennen in Andorra als sportliches Highlight da. Mit einem guten Resultat an der Europameisterschaft könnte sich Leugger sogar noch für die Weltmeisterschaft eine Woche später qualifizieren.

Von der Laufbahn aufs Mountainbike

Dass sich Seraina Leugger heute mit den Besten der Welt messen kann, ist nicht selbstverständlich. In der Szene ist sie eine Ausnahmeerscheinung. Erst 2018 begann sie im Mountainbike mit Wettkämpfen. Zuvor war sie vor allem in der Leichtathletik aktiv. Mountainbike-Ausfahrten gab es hobbymässig vorwiegend mit der Familie. Wegen starker Fussschmerzen, für die nie eine Begründung gefunden werden konnte, musste sie mit Leichtathletik aufhören. Mit etwas Abstand setzte sich die einstige Läuferin auf das Mountainbike, auf dem es mit den im Sport natürlichen Auf und Abs vorwärtsging. Nach zwei Jahren Biologiestudium und bestandener Aufnahmeprüfung für ein Physiotherapiestudium setzt Seraina Leugger aktuell voll auf die Karte Sport und managt dazu noch das Team Goldwurst Power/ARC8. Leistungssport in Kombination mit einem Vollzeitstudium mit Präsenzpflicht ist nicht möglich. Konkrete Ziele setzt sie sich für die Zukunft nicht. Bereits das kommende Wochenende könnte zum doppelten Highlight werden.

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