Mit KI zu mehr Erfolg?

Eine Reinacher Eventagentur bietet ein KI-Laboratorium für KMU an. Das Wochenblatt hat einen Augenschein im «AI-Lab» im Kägenquartier genommen.

Gedimmtes Licht, kultige Neonröhren: eine Workstation im AI-Lab. Foto: zVg

Gedimmtes Licht, kultige Neonröhren: eine Workstation im AI-Lab. Foto: zVg

Alex: Die Moderatorin des Workshops ist kein echter Mensch. Foto: Screenshot Intro Video

Alex: Die Moderatorin des Workshops ist kein echter Mensch. Foto: Screenshot Intro Video

Sie hat längst unseren Alltag eingenommen – ob wir wollen oder nicht: Die künstliche Intelligenz, kurz KI, oder englisch auch AI für artificial intelligence ist allgegenwärtig: Auf Werbeplakaten lächeln uns künstlich generierte Menschen zu, den Anruf bei der Versicherung beantwortet ein Chatbot. Und wie jeder technologische Meilenstein verändert die KI auch unsere Wirtschaft. Die Large Language Models (kurz LLM) wie ChatGPT oder Gemini entwickeln sich rasant weiter – «50 Prozent der Bürojobs sind in Gefahr» titelte die bz vergangenen Freitag –, so zumindest die Prognose des CEO von Anthropic, einem Konkurrenten von ChatGPT. Bisher hat die KI-Revolution noch nicht zu Massenentlassungen geführt. Klar ist aber, dass sich Unternehmen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz mehr Produktivität und einfachere Abläufe versprechen. So bietet etwa die Handelskammer beider Basel Workshops zur Anwendung der KI in kleinen und mittleren Unternehmen an.

Eine künstliche Intelligenz führt durch den Workshop

Hier setzt auch die Eventagentur Zeisch GmbH aus Reinach an und nimmt den KI-Trend auf – mehr noch, sie will Unternehmen für die Nutzung künstlicher Intelligenz schulen. Damit begibt sie sich auf neues Terrain: «Wir sind eine Eventagentur und wagen uns nun in den Bildungsbereich. Wir arbeiten selbst viel mit KI und können unser Wissen weitergeben», erklärt Christian Biedermann, Operativer Geschäftsführer von Zeisch.

Entstanden sei die Idee vor rund drei Monaten. «Wir wollen innovativ sein und die KI-Schulung ‹eventifizieren›», sagt er. «Die Eventbranche ist ein sehr umkämpfter Markt und in der aktuellen Wirtschaftslage ist es schwieriger, grosse Aufträge zu erhalten.» Deshalb sei die Idee eines AI-Labs als weiteres Standbein entstanden – die Nachfrage seitens Kundschaft sei da, sagt Biedermann.

Anfang Januar hat das Unternehmen damit begonnen, das AI-Lab in ehemaligen Lagerräumen umzusetzen. Entstanden ist ein hipper Workshop-Bereich mit sechs Workstations. Neonröhren, die ein bisschen an die 80er-Jahre erinnern, erleuchten den eher dunkel gehaltenen Raum. Kronleuchter und alte Leiterwagen stehen auf den Regalen: «Das sind Utensilien, die wir bei unseren Events brauchen», erklärt Biedermann mit einem Schmunzeln. Mit Nostalgie in die Zukunft quasi. An der ersten Station erfahren die Teilnehmenden in kleinen Gruppen mehr über die Geschichte der LLM und lernen die Anwendung am Beispiel von ChatGPT. Auch Datenschutz und Sicherheit werden thematisiert, denn wer bei ChatGPT sensible Unternehmensdaten eingibt, macht sich unter Umständen strafbar.

An den weiteren Stationen lernen die Teilnehmenden richtig zu prompten – also der KI die richtigen Anweisungen zu geben. Und an einem Beispiel erstellen die Gäste eine Werbeanzeige für das eigene Unternehmen.

Jede Person erhält ein iPad, an dem sie individuell lernen und Aufgaben lösen kann. In den letzten fünf Minuten können sich die Gruppenmitglieder austauschen.

Durch den gesamten Workshop führt eine junge Frau – jedoch nur per Video. Im echten Leben gibt es sie nicht, sie ist eine künstlich generierte Person. Die Idee hinter den einzelnen Stationen, der Lab-Einrichtung und dem Konzept stammt trotz Einsatz von KI allerdings von menschlichen Gehirnen. «Es ist unser Job, kreative Ideen zu liefern», sagt Biedermann. Angst, dass die KI dereinst seinen Job übernehmen könnte, hat Biedermann daher nicht.

Öl und Mais – KI anwenden ist wie kochen

Als Analogie für die KI-Verwendung haben die Macher von Zeisch im Workshop das Kochen gewählt. Die Antworten der künstlichen Intelligenz seien jeweils nur eine Zutat, diese zusammenzubringen und zu einem guten Gericht zu machen, sei immer noch Aufgabe des Kochs oder der Köchin – sprich des Menschen. Um das zu verdeutlichen, stehen an den sechs Workstations Zutaten wie Öl oder Maiskörner, die zu Popcorn gemacht werden können.

Das Zielpublikum von Zeisch sind KMU, die in die Nutzung von Chatbots neu eintauchen wollen. Die Platzzahl ist auf 30 Teilnehmende beschränkt, die Kosten liegen bei 199 Franken pro Person und der Workshop dauert einen halben Tag. Zum Start bietet das Unternehmen am 3. und 5. März zwei kostenlose Workshops an.

Die Workshops bieten den Gewerbetreibenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen. «So können sich die Teilnehmenden über konkrete Herausforderungen austauschen und gegebenenfalls Synergien nutzen.»

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