Kulturverlockungen in Hülle und Fülle

Morgen Freitag, 16. Januar, steigt in Basel und Umgebung zum 15. Mal eine Museumsnacht. Auch im «Wochenblatt»-Gebiet ist einiges los.

Will verführen: Die Basler Museumsnacht lockt mit 180 Programmpunkten von 39 Veranstaltern.  Foto: ZVG/HeK
Will verführen: Die Basler Museumsnacht lockt mit 180 Programmpunkten von 39 Veranstaltern. Foto: ZVG/HeK

Edmondo Savoldelli

Die Museen und kulturellen Institutionen – 39 insgesamt – laden mit interessanten und spektakulären Programmen ein, die aktuellen Sammlungen und Ausstellungen, aber auch die speziell für diesen Abend produzierten Veranstaltungen zu geniessen. Da gibt es die Flaneure, die sich von Ort zu Ort treiben lassen, um sich von den Kulturhöhepunkten überraschen zu lassen, oder die Kulturbeflissenen, die nach einem festgelegten Plan ihre Favoriten aufsuchen. Für alle ist es von Vorteil, sich das reiche Angebot dieses langen Abends im Voraus näher anzuschauen. Die sehr gut gemachte Website <link http: www.museumsnacht.ch external-link-new-window>www.museumsnacht.ch vermittelt einen Überblick über alle Veranstalter und deren Programme, die zum Teil mit Musik und Party bis gegen Morgen andauern. Ein paar Beispiele seien hier herausgepickt.

Angebote im nahen Deutschland
Wer sich nicht unbedingt in der Kulturmeile der Innenstadt bewegen möchte, dem sei das Dreiländermuseum in Lörrach mit der Ausstellung «Mädchen, Madonnen und Matronen» empfohlen. Neben den halbstündlichen Führungen gibt es hier ein kleines Musikprogramm der Musikschule, überraschende Geschichten von «Waschweibern» und Theaterperformances von Upgrade zum Thema Weiblichkeit, inklusive der Erfindung der neuen Frau.

Ebenfalls ennet der Grenze, in Weil am Rhein, befindet sich das Vitra Design Museum. Hier hat Carsten Höller eine neue Verbindung zwischen VitraHaus und Feuerwehrhaus geschaffen, die «eine neue, überraschende Selbst- und Kunsterfahrung ermöglicht». In der Ausstellung «Source Material» können die Besucher selbst kreativ werden und sich an der Ausstellungsgestaltung beteiligen. Eine grosse Retrospektive über Alvar Aalto, den finnischen Architekten und Möbeldesigner, rundet das Angebot ab.

Was hat das Birseck zu bieten?
Gleich drei Institutionen an der Oslostrasse auf dem Dreispitz beteiligen sich an der Museumsnacht. Der Ausstellungsraum Oslo 10 zeigt mit «Dissonant Archives – Jewel of the Ear» historische Bild- und Tondokumente aus Afrika und deren Neuinterpretationen durch zeitgenössische Künstler. Ein Livestream überträgt ein Konzert aus dem Berliner Club Berghain. Das Atelier Mondial des internationalen Austauschprogramms lädt ein, die Gastateliers zu besuchen, und Gwen van den Eijnde performt «Kakitsubata» – am Kreuzungspunkt von Nô-Theater, Kunst und Mode.

Das Haus für elektronische Künste schliesslich zeigt sich in seinem ganzen Spektrum. Neben Führungen durch die aktuelle Ausstellung von Ryoji Ikeda kann man sich in einer begehbaren Camera obscura selbst ablichten lassen oder sich am Rhythmus-Karussell beteiligen und audiovisuelle Kompositionen entstehen lassen. Die lange Clubnacht präsentiert u. a. die estnische Künstlerin Inga Copeland, welche am Plattenteller, mit Gesang und elektronischen Instrumenten den neuen unterirdischen Konzertsaal mit ihrem psychedelischen Sound zum Abheben bringen wird. «In dieser Nacht präsentiert das HeK all seine Aspekte von Bild, Ton und möglicher Selbsterfahrung im Bereich der elektronischen Künste», wirbt Marc Schwegler, der Musikverantwortliche des Hauses.

Gemächlicher geht es im Kutschenmuseum bei der Merian-Villa im Park im Grünen zu und her. Wie sah Basel in der Zeit vor dem Automobil aus? Eduard J. Belser präsentiert Basler Strassenbilder zur Kutschenzeit. Samuel Bally schlüpft in die Rolle des Handelsreisenden Philipp Burckhardt und erzählt Geschichten von seinen spannenden Reisen. Und schliesslich beginnen die Kutschen selbst zu erzählen und treten in einen Dialog über ihre Herrschaft und ihre besonderen Erlebnisse als Transportmittel.

Sogar der Dorneckberg ist an der Museumsnacht beteiligt. Das Seewener Museum für Musikautomaten ist zu Gast im Museum für Musik in der Leonhardskirche. Das 100-jährige Seybold-Orchestrion tritt mit seinen wunderlichen Klängen in Aktion. Die technischen Details werden von Restauratoren erläutert, und ausserdem verwöhnt das Quintett Kaiserschmarrn mit Salonmusik.

Obwohl die Wetterprognosen für Freitagnacht alles andere als freundlich sind, hoffen die Organisatoren wiederum auf einen grossen Andrang in den Museen. Letztes Jahr haben rund 32 000 Personen die Museumsnacht genossen. Immerhin ebenso viele, wie an einem FCB-Match.

Museumsnacht Basel, 16. Januar:
Tickets gültig ab 17 Uhr. Erhältlich für 24 Franken bei allen beteiligten Institutionen, gültig für alle Museen, Veranstaltungen, Afterpartys. Freie Fahrt auf dem öV-Netz und den speziellen Shuttle-Bussen. Gratis-Eintritt bis Alter 25. Telefonische Auskunft während der Nacht unter 061 267 84 01.
www.museumsnacht.ch

Weitere Artikel zu «Region», die sie interessieren könnten

Wird abgerissen: Im Jahr 2019 war die Villa noch in bestem Zustand, wie Aufnahmen zeigen. Foto: Thomas Dix
Region06.05.2026

Anthroposophische Gesellschaft bezieht erstmals Stellung zur Villa Kaelin

Das Goetheanum meldet sich in der Denkmalschutzdebatte zu Wort. Trotzdem dürfte der Abbruch der Villa in Arlesheim bald erfolgen.
Jurist und Schriftsteller: Peter Noll. Foto: Ullstein Bild – RDB
Region06.05.2026

Ein früh abgebrochenes Leben

Zum 100. Geburtstag von Jurist und Schriftsteller Peter Noll (1926–1982) aus Arlesheim.
Sensibilisierung: Im Rahmen des Projekts «Baukultur & Lebensraum» bietet der Verein Birsstadt gemeinsam mit dem Schweizer Heimatschutz Workshops für Schulen an. Foto: Christian Jaeggi / LUNAX
Region29.04.2026

Der Wakkerpreis hallt nach

Der Verein Birsstadt war zu Gast bei Selmoni in Münchenstein – passend zum Projekt Baukultur, mit dem sich die Birsstadt vermehrt beschäftigt hat.