Kein Expresstram auf der Linie 11

Der Baselbieter Regierungsrat sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis für ein Expresstram auf der Linie 11 nicht gegeben. SP-Landrat Jan Kirchmayr als Urheber des Vorstosses kann die Überlegungen dahinter nachvollziehen.

Beliebt und ausgelastet: Die Trams der Linie 11 werden täglich von zahlreichen Pendlerinnen und Pendlern aus dem Birstal genutzt. Foto: Kenneth Nars

Im Leimental soll schon bald das «S‑Tram 17» für eine attraktive Anbindung der Gemeinden Ettingen, Therwil, Oberwil, Bottmingen und Binningen an die Stadt Basel sorgen. Das Tram soll ähnlich einer S‑Bahn – daher der Name – nur noch in den Zentren halten. Ein solches Expresstram wünscht sich der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr auch für die Tramlinie 11 zwischen Reinach und Basel. Gerade für Reinach, das über keinen direkten Bahnanschluss verfügt, wäre eine bessere Anbindung mit dem öffentlichen Verkehr an die Stadt wünschenswert. In einem Postulat im Mai 2022 forderte Kirchmayr deshalb die Prüfung einer schnelleren Tramverbindung auf der Linie 11. Dafür soll das Tram nur noch an den stark frequentierten Haltestellen halten.

Der Regierungsrat hat die Forderung sorgfältig geprüft und dafür sogar eine Studie in Auftrag gegeben. Aus mehreren Gründen sieht die Regierung von einem Expresstram ab und setzt weiterhin auf die klassische Tramverbindung und in Ergänzung in den Stosszeiten auf die Linie E11. Das Fahrgastpotenzial sei für ein ganztags verkehrendes Expresstram zu klein, urteilte der Regierungsrat. Geprüft wurde unter anderem ein Tram während der Stosszeiten, das in Münchenstein und Reinach insgesamt sieben Haltestellen auslässt. Dadurch könnten die Trams maximal viereinhalb Minuten Fahrzeit gewinnen, rechnete der Regierungsrat in seinem Bericht vor.

Zu viele Fahrgäste würden ausgelassen

Als negativen Aspekt nennt der Regierungsrat die vergleichsweise hohe Nachfrage an den vom Expresstram ausgelassenen Haltestellen. Im Leimental seien die Unterschiede in der Nachfrage zwischen den Zentrumshaltestellen und den «kleineren» Haltestellen grösser. Ein Expresstram auf der Linie 11 würde daher deutlich mehr Fahrgäste auslassen. Aufgrund der hohen Streckenbelastung wäre eine beschleunigte Fahrweise in der Stadt auch gar nicht möglich, was den zeitlichen Nutzen mindert. Insgesamt wäre der Zeitgewinn deutlich kleiner als beim Expresstram im Leimental.

Schon alleine für ein Expresstram während der Stosszeiten wären Infrastrukturmassnahmen in der Höhe von 15 bis 20 Millionen Franken notwendig. Nötig wären Schranken bei den Bahnübergängen bei den sieben Durchfahrtshaltestellen, die Anpassung und Erweiterung der Stellwerksanlagen und die Ertüchtigung der Wendeschlaufen in Aesch für das unabhängige Wenden von zwei Tramlinien. Die Beurteilung zeige, schrieb der Regierungsrat, dass den «erheblichen» Investitionskosten für den Infrastrukturausbau nur ein geringer Nutzen gegenübersteht.

Zuverlässigere Buslinien als Alternative

Kirchmayr kann die Bedenken der Regierung nachvollziehen. «Ich habe selber nicht mit derart hohen Kosten gerechnet, die in Sachen Infrastruktur nötig wären.» Trotz des negativen Bescheids zum Expresstram fordert er eine bessere Anbindung gerade von Reinach an die Stadt.

Dafür müsse die Anbindung an den Bahnhof Dornach-Arlesheim verbessert werden, in dem die Buslinien auf der stark befahrenen Bruggstrasse zuverlässiger verkehren können. Jan Kirchmayr schlägt dafür eine separate Busspur vor, die seit Jahren diskutiert wird. Die Bemühungen dafür sind von aussen betrachtet aber stehengeblieben.

Kirchmayr kritisiert die stiefmütterliche Behandlung von Reinach. «In der Verkehrsplanung wird oftmals ignoriert, dass Reinach die zweitgrösste Gemeinde im Kanton ist und selber keinen Bahnanschluss hat.» Massnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs von Reinach in Richtung Stadt seien dringend notwendig, auch ohne Expresstram auf der Linie 11.

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