Energiesparen geht auch ohne Label

Baselland hat weniger Energiestädte als vor 15 Jahren. Viele Gemeinden halten die Auszeichnung für unnötig.

Vor rund 15 Jahren war der Höhepunkt: Im Jahr 2010 durften sich knapp 20 Gemeinden im Baselbiet «Energiestadt» nennen. Um das Label zu erhalten, muss eine Gemeinde ein umständliches Prozedere durchgehen. Das Label muss ­zudem alle vier Jahre neu beantragt werden. Jedes Mal muss die Gemeinde aufzeigen, mit welchen neuen Massnahmen sie ihren Umgang mit Energie weiter optimiert hat. Ohne Kosten ist das nicht zu haben.

«Das Label wurde in einer Zeit eingeführt, als das öffentliche Bewusstsein für Energie- und Klimathemen noch im Aufbau war», schreibt jetzt die Reinacher Landrätin und Einwohnerrätin Caroline Mall (SVP) in einem Vorstoss im Ortsparlament. Der «politische Impuls» sei damals wichtig gewesen, meint sie im Rückblick. Doch heute seien energetische Standards gesetzlich stärker verankert und gesellschaftlich breit anerkannt.

Sie fordert den Ausstieg Reinachs aus dem Label. Das sei «ein sinnvoller und vertretbarer Schritt, um finanzielle Mittel freizusetzen, ohne die eigentlichen energiepolitischen Ziele aus den Augen zu verlieren». Denn die Gemeinde muss angesichts tiefroter Zahlen, düsterer Aussichten und anstehender Rieseninvestitionen sparen. Mall verweist auf die Nachbargemeinde Aesch, die aufzeige, dass der Verzicht auf das Energiestadt-Label «nicht mit einer Abkehr von einer verantwortungsvollen Energiepolitik gleichzusetzen ist». Aesch hat tatsächlich Ende 2024 beschlossen, auf das Label zu verzichten. Die Begründung entsprach dem, was Mall heute sagt: Man habe das Label 2001 eingeführt, um Energiethemen voranzubringen, sagte damals Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher zu dieser Zeitung. Daraus sei eine Energiestrategie entstanden. Ihr Fazit: «Wir erfüllen jetzt mehr, als das Label erwartet.»

Aesch besitzt das Label derzeit allerdings noch, es verfällt erst Anfang 2026. Andere Gemeinden haben den Ausstieg bereits vor einigen Jahren vollzogen, etwa Itingen und Lausen 2017, Oberwil 2020, Bottmingen bereits 2014. Ettingen stieg letztes Jahr aus. Begründet wurde dies immer ähnlich wie neulich durch Aesch: Energiethemen seien zur Selbstverständlichkeit geworden, die entsprechenden Standards hoch.

Reinach wird für das Label «Kinderfreundlich» kritisiert

Tatsächlich gibt es kaum eine Gemeinde im Baselbiet, die sich nicht bereits fundiert Gedanken macht, wie sie haushälterisch und ökologisch mit Energiefragen umgehen will. So ist es nicht überraschend, dass heute nur noch gut ein Dutzend davon das Label besitzen.

Gut gehalten, allerdings auf tieferem Niveau, hat sich das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» der Unicef. Seit über zehn Jahren sind Arlesheim, Reinach und Blauen dabei, später kamen Therwil und Pratteln hinzu. In diesen fünf Gemeinden gab es bisher keine Anläufe, aus dem Label auszusteigen. Neulich wurde allerdings Reinach kritisiert, weil der Gemeinderat aus Spargründen beschlossen hat, den Ferienpass nicht mehr finanziell zu unterstützen. Es hiess, die Gemeinde dürfe sich unter solchen Umständen nicht mehr mit dem Unicef-Label schmücken.

Kürzlich hat der Binninger Gemeinderat angekündigt, das Label «Grünstadt» zu erhalten. Neben der Stadt Basel ist Binningen die einzige Gemeinde nördlich des Juras, die so ausgezeichnet wird. Einzig Pratteln hat noch den Bewerberstatus. Allerdings wird in Binningen bereits Kritik laut. Der Einwohnerrat Christoph Daniel Maier (FDP) lässt in einer Interpellation erkennen, dass er die Kosten des Labels nicht für gerechtfertigt hält. Und auch die erklärte Absicht des Gemeinderats, dank des Labels gute Steuerzahler anzuziehen, kritisiert er.

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