«Krönendes Geschenk»: Was nach dem Wakkerpreis-Jahr bleibt

In Kürze endet für den Verein Birsstadt das Jahr als Wakkerpreisträger. Exponenten der Birsstadt blicken zurück und erklären, wie der Preis nachhaltig wirken kann.

10 Gemeinden – ein Fest: Die Birsstadt gelangte vielen dieses Jahr stärker ins Bewusstsein. Foto: Archiv / Juri Junkov

Dass das Echo schweizweit gross ausfallen würde, war der kleinen Gruppe an Exponentinnen und Exponenten des Vereins Birsstadt, die schon vor der offiziellen Bekanntgabe von der Auszeichnung Bescheid wussten, klar. Dass das Interesse am Verein aber so gross sein würde, hätten sie nicht ansatzweise geahnt. «Ich war von der Dimension des Interesses überrascht», erinnert sich der ehemalige Reinacher Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP), der zum Zeitpunkt der Bekanntgabe im vergangenen Januar auch Präsident des Vereins Birsstadt war. Das Interesse sei wohl auch deshalb so gross gewesen, weil die Birsstadt kein klassischer Wakkerpreisträger ist. Vereins-Geschäftsführerin Gelgia Herzog spricht von einem «Wahnsinnsjahr, einem totalen Ausnahmejahr». Sie hätte nie gedacht, dass die Birsstadt so im Fokus stehen würde.

Das Interesse war hinsichtlich der nachgefragten Themen und der Anfragenden breit, berichtet Herzog. «Es kamen Raumplaner, Architektur- und Ingenieurbüros, Vertreterinnen und Vertreter von Gemeindeverwaltungen, von Gemeinderäten und Städten. Es war toll, aber auch sehr viel Arbeit.» Neben Führungen in der Birsstadt stellten Fachverantwortliche und Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten die Ideen und das Konzept hinter der Birsstadt auch an Veranstaltungen ausserhalb der Region Basel vor. Die aufgrund des grossen Interesses angebotenen Wakkerpreis-Rundgänge werden ab dem kommenden Jahr über Baselland Tourismus buchbar sein.

Mehr Verständnis für die Zusammenarbeit

Mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wurden die Idee und das Konzept hinter dem Verein Birsstadt – dass mehrere Gemeinden über verschiedene Themen hinweg gemeinsam einen Raum planen und gestalten. Für gewöhnlich wird eine Gemeinde für Aspekte ausgezeichnet, die sichtbar sind. Das sei beim Verein Birs­stadt erst auf den zweiten Blick möglich, sag Melchior Buchs. «Vor der Auszeichnung war der Verein für viele nicht wirklich greifbar. Das hat sich im Verlaufe des Jahres geändert.» Für den ehemaligen Reinacher Gemeindepräsidenten gehört dieser Mehrwert zu den wichtigsten Errungenschaften des Wakkerpreis-Jahres. Die Akzeptanz und der Stellenwert des Zusammenarbeitens hätten mit dem Wakkerpreis zugenommen, glaubt Buchs und verspricht sich davon mehr Verständnis innerhalb der einzelnen Gemeinden, wenn diese über einzelne Projekte bestimmen müssen.

Gemeinsame Pläne in den Gemeinden umsetzen

Von einem Schub spricht auch Gelgia Herzog. Damit meint sie neben der institutionalisierten Zusammenarbeit auch durch den Wakkerpreis angeregte oder ausgebaute Projekte wie das Programm «Baukultur und Lebensraum», über das sich Verantwortliche in den Gemeinden mit der Bevölkerung über die Themen Baukultur und Lebensraum austauschen. Unter dem Motto «Baukultur – was hat das mit mir zu tun?» finden noch bis mindestens Ende 2025 in den Gemeinden Anlässe mit der Bevölkerung statt. Die Erkenntnisse daraus sollen in die «Leitlinien Baukultur Birsstadt» einfliessen.

Aeschs Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) blickt mit viel Stolz auf das zu Ende gehende Wakkerpreis-Jahr zurück. Sie sieht in der Auszeichnung aber auch eine Verpflichtung und eine Aufforderung, den eingeschlagenen Weg der Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus weiterzuführen. Ob dies gelingt, hänge wesentlich von den verantwortlichen Köpfen in der Politik und auf den Verwaltungen ab, glaubt Sprecher. Die Herausforderung bestehe darin, die entworfenen Pläne in den Gemeinden zur Umsetzung zu bringen. Dafür brauche es auch mal einen Beschluss einer Gemeindeversammlung. Das durch den Wakkerpreis verstärkte Verständnis könne dabei nur helfen, hofft die Aescher Gemeindepräsidentin.

Zu den Fachpersonen, die besonders viele Führungen und Vorträge abhielten, gehört Benjamin Kobler, Co-Leiter der Abteilung Raum und Umwelt bei der Gemeinde Münchenstein. Er habe ein grosses Interesse aus Fachkreisen und aus der Bevölkerung gespürt. «Und auch im privaten Umfeld wurde ich häufig auf die Birsstadt im Zusammenhang mit dem Wakkerpreis angesprochen.» Fragen habe es nach konkreten Projekten und ganz allgemein zur Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden gegeben, berichtet Kobler. Wie Sprecher sieht auch Kobler den Wakkerpreis als Aufforderung für die Zukunft. Er geht davon aus, dass die Arbeiten des Vereins und der einzelnen Gemeinden in Zukunft noch genauer verfolgt und bewertet werden.

«Den offenen Dialog suchen und festigen»

Für Münchensteins Gemeindepräsidentin Jeanne Locher (SP) ist es essenziell, das Bewusstsein für die Gemeinde, für den Wohn- und Lebensraum zu schärfen. «Den offenen Dialog suchen und festigen. Dies auch in Bezug auf unser Erbe in baukultureller Hinsicht, ohne dabei den Blick auf die Zukunft und Erstrebenswertes zu verlieren.» Für Locher beinhaltet Lebensraum viele Facetten – «um möglichst viele zu erkennen, müssen wir sowohl nahe am Geschehen in unserer Gemeinde sein als auch die Erkenntnisse aus dem Blick über Gemeindegrenzen hinaus in unsere Entscheidungen einfliessen lassen».

Sämtliche angefragten Exponentinnen und Exponenten des Vereins Birsstadt würdigten den Wakkerpreis als Bestätigung und Anerkennung der Arbeit und der Bemühungen, über die eigenen Gemeinden hinaus gemeinsam zu planen. Locher spricht von einem «krönenden Geschenk». Damit hat der Schweizer Heimatschutz mit der Auszeichnung schon viel erreicht. Die Zukunft wird – nicht nur in der Birsstadt – zeigen, ob der Wakkerpreis 2024 auch Signalwirkung hatte.

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