Jubilieren oder gedenken?

In diesem Jahr kann das Birseck auf 200 Jahre Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft zurückblicken. Das Jahr 1815 weckt unterschiedliche Gefühle. In Aesch wurde das Konzept des Organisationskomitees vorgestellt.

Geschichtsträchtige Baute im Birseck: Im Aescher Schloss findet am 11. September ein Festanlass zu «200 Jahre Birseck eidgenössisch» statt.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Geschichtsträchtige Baute im Birseck: Im Aescher Schloss findet am 11. September ein Festanlass zu «200 Jahre Birseck eidgenössisch» statt. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass das Birseck der Eidgenossenschaft durch einen Fremdbeschluss zugeschlagen wurde. Der Wiener Kongress – also gleichsam «europäische fremde Richter» – dekretierten den Anschluss an den damaligen Kanton Basel. Ob dies ein historischer Fehlentscheid war oder längerfristig nicht ein Glücksfall für die betroffenen neun Gemeinden, wird in diesem Jahr noch ausgiebig diskutiert werden. Eine Delegation des 17-köpfigen Organisationskomitees von «Birseck – 200 Jahre eidgenössisch» orientierte am Montag in Aesch an einer Pressekonferenz. OK-Präsident Johann Rudolph Thüring aus Ettingen erklärte, warum es schwierig gewesen sei, die weit auseinanderliegenden Gemeinden in einem homogenen Jubiläumskonzept zusammenzuführen.

Nach einem ausführlichen historischen Abriss durch Franz Wirth aus Reinach nannte Pascal Ryf aus Oberwil zwei Gründe, weshalb das Jahr 1815 nicht unter den Tisch zu kehren sei. Erstens sei es aus pädagogischen Gründen wichtig zu wissen, seit wann das Birseck zur Eidgenossenschaft gehöre, zweitens müsse man das Gedenken als Chance für die Zukunft sehen.

Vielfältige Angebote
Der plakative Flyer mit dem Motto «Feiern Sie im 2015 mit!» zeigt, dass trotz Bedenken nun doch alle neun Gemeinden des Birsecks in irgendeiner Form des Beitritts zur Eidgenossenschaft gedenken. Das Dorfmuseum Therwil hält Rückblick auf 200 Jahre Therwil und das Heimatmuseum Reinach widmet dem Thema eine umfassende Ausstellung. Das Stadtfest in Reinach Anfang September fällt mit der Finissage der Ausstellung zusammen.

Den Auftakt aller Anlässe macht Ettingen am 19. März mit einem Referat. Am Tag der offenen Ruine Pfeffingen wird das Thema nur gestreift. Auch in Allschwil sah man sich nach anfänglichem Zögern gedrängt, mit einem Vortrag am 31. Juli den Beitritt zur Eidgenossenschaft zu thematisieren. Einen eigentlichen Festanlass organisiert Aesch am 11. September auf dem Platz beim Blarer-Schloss, dies unter Beteiligung einer Delegation aus Porrentruy. Die Volkshochschule beider Basel veranstaltet Vorträge zum Thema «Das Birseck vor 200 Jahren» im Heimatmuseum Reinach.

Kritische Auseinandersetzung
Arlesheim ist im Komitee nicht mit einem offiziellen Gemeindevertreter dabei. Das heisst nicht, dass Arlesheim völlig ausschert. Nur sieht man das Jahr 1815 nicht einseitig durch die Festbrille. «Wir können nicht per se jubilieren», betont Gemeinderat Lukas Stückelberger, der auf die ambivalente Gefühlslage hinweist. «Was feiern wir eigentlich?», fragt er kritisch und gibt zu bedenken, dass eine historisch fundierte Diskussion wichtiger sei als zu jubilieren. Schliesslich gebe es schriftliche Zeugnisse, die belegten, dass der Anschluss an Basel damals keine Freudenschreie ausgelöst habe. Auf dem Fahrplan ist Arlesheim mit einem Vortrag im April und einem Festgottesdienst im Dom vertreten. Die Podiumsdiskussion über das Thema ist auf dem Flyer nicht verzeichnet, da das genaue Datum noch nicht festgelegt wurde.

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