Heilendes Grün zum Entdecken
In den Merian Gärten in der Brüglinger Ebene wird dieses Wochenende der Arzneipflanzengarten wiedereröffnet. Das Wochenblatt durfte ihn bereits erleben.

Seit Jahrtausenden nutzen Menschen die heilende Wirkung von Pflanzen. Das veranlasste die Christoph Merian Stiftung (CMS) dazu, einen Arzneipflanzengarten in den Merian Gärten zu errichten. Der Garten wurde 1980 vom Schweizerischen Drogistenverband im Rahmen der Ausstellung für Garten- und Landschaftsbau «Grün 80» angelegt. Da sich seither die Grundlagen der Pflanzen-Pharmazie weiterentwickelt haben, wurde der Arzneipflanzengarten in den vergangenen Monaten überarbeitet. Nun wird er der Öffentlichkeit neu präsentiert.
Am Montag durften Vertreterinnen und Vertreter der Medien einen Augenschein nehmen. Baschi Dürr, Direktor der CMS, begrüsste die Anwesenden in der «Kernzone» der Stiftung. Die Merian Gärten sind das grösste Förderengagement der CMS. Auf der Fläche des ehemaligen Sommersitzes der Familie Merian befindet sich eine blühende Oase. Mittendrin, direkt vor der Orangerie, blüht nun auch der rundum erneuerte Arzneipflanzengarten. Hier veranschaulichen rund 250 Pflanzenarten die vielfältige Nutzung und Erforschung von Heilpflanzen. Die Ausstellungstexte, die ab diesem Wochenende von allen in den Merian Gärten begutachtet werden können, spannen einen Bogen von Hausmitteln bis zur aktuellen Wirkstoffforschung und ordnen die Heilpflanzen in historische und wissenschaftliche Kontexte ein.
Von Klostergärten bis zur Krebsforschung
Alexandra Baumeyer, Leiterin Vermittlung und Kommunikation der Merian Gärten, und Barabara Wüthrich, Kustodin, präsentierten einige Beispiele aus dem Garten. Diese sollten auch die grosse Bandbreite wiedergeben, die es im Arzneipflanzengarten zu entdecken gibt. Da gibt es zum Beispiel eine der am weitesten verbreiteten Arzneipflanzen – die Kamille. Sie gibt es auch in unserer Region zu finden und die Anwendung – beispielsweise im Tee – dürfte den meisten bekannt sein. Doch neben alltäglichen und harmlosen Pflanzen sind auch teils giftige Gewächse in den Beeten des Gartens zu finden. Diese sind natürlich extra markiert, damit es keine Unfälle gibt.
Die Heilpflanzen sind nach Indikation aufgeteilt, also danach, gegen welche Beschwerden sie eingesetzt werden oder wurden. Denn längst nicht alle Pflanzen werden heute noch medizinisch genutzt. Bei den historischen Indikationen finden sich beispielsweise Gewächse, die im Mittelalter zur Bekämpfung von Seuchen und zum Schutz vor bösen Mächten genutzt wurden. Deren medizinische Nutzlosigkeit kann mittlerweile auch wissenschaftlich belegt werden. Daneben finden sich auch Pflanzen für Liebe, Lust und Leidenschaft.
Knapp die Hälfte der Pflanzen sind in unserer Region, also im mitteleuropäischen Raum, heimisch. Einige Heilpflanzen stammen aber auch aus anderen Klimazonen, beispielsweise aus Nord- und Südamerika. Auch aus Afrika stammen zahlreiche Pflanzen. Darunter das Madagaskar-Immergrün, dessen pflanzliche Stoffe für die Herstellung der wichtigsten Krebsmedikamente verwendet werden.
Gleich neben den Heilpflanzen für Krebsmedikamente machte Baumeyer auch noch auf den Einjährigen Beifuss aufmerksam. «Diese kleine Pflänzchen hat schon Millionen von Menschenleben gerettet», sagte sie. Denn die Stoffe der Artemisia annua werden für Malariamedikamente genutzt.
Opioide, aber keine Hanfpflanzen
Eine weitere spannende Episode in der Geschichte der Arzneipflanzen dreht sich um dem Schlafmohn, aus dem Opium hergestellt wird. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts gelang es einem jungen Apotheker, Kristalle aus dem Schlafmohn zu isolieren. Er nannte es Morphin. Dieses wird bis heute in der Medizin gegen starke Schmerzen angewendet. Obwohl daraus starke Drogen gemacht werden können, darf Schlafmohn in der Schweiz angebaut werden. Das sei im Vorfeld der Eröffnung vom Rechtsdienst der CMS extra noch einmal abgeklärt worden, versicherte Baumeyer. Lediglich der Prozess zur Herstellung von Opium sei in der Schweiz illegal. Illegal ist auch der Anbau von Hanfpflanzen, zumindest von solchen, die THC enthalten. Solche Pflanzen werden im Arzneipflanzengarten jedoch nicht ausgestellt. Das habe einen einfachen Grund: Im alten Nutzpflanzengarten der Merian Gärten gab es noch solche Pflanzen. Trotz fehlendem THC, was auch gross angeschrieben war, seien die Pflanzen jeweils während der Blütephase entwendet worden. Darum habe man bewusst auf sie verzichtet.
Auch wenn einige wenige Pflanzen kaum erkennbar sind, da sie noch wachsen müssen, lohnt sich ein Besuch der Gärten bereits jetzt. Wer die spannenden Geschichten hinter den einzelnen Pflanzen kennenlernen möchte, der kommt diesen Sonntag auf seine Kosten. Von 14 bis 17 Uhr finden im Arzneipflanzengarten im Rahmen des Eröffnungstages stündlich Führungen statt. Der Garten ist ab diesem Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich. In der kommenden Woche weihen die Merian Gärten den Arzneipflanzengarten mit einem speziellen Rahmenprogramm gebührend ein. Weiter Infos darüber finden Sie auf der Website www.meriangärten.ch.


