Handyantenne im Kirchturm – geht das?

Der Mobilfunkanbieter Swisscom möchte in Absprache mit dem Kirchgemeinderat im Turm der Kirche St. Martin in Pfeffingen eine Mobilfunkantenne installieren. Dagegen regt sich Wider-stand.

Umstrittenes Bauprojekt: Die Swisscom will im Turm der Kirche St. Martin in Pfeffingeneine Mobilfunkantenne installieren. Dagegen regt sich Widerstand. Foto: Tobias Gfeller/Archiv
Umstrittenes Bauprojekt: Die Swisscom will im Turm der Kirche St. Martin in Pfeffingeneine Mobilfunkantenne installieren. Dagegen regt sich Widerstand. Foto: Tobias Gfeller/Archiv

Die Idee tönt verlockend und ungewöhnlich zugleich: Eine Mobilfunkanlage soll in den Turm der Kirche St. Martin in Pfeffingen gebaut werden. Sie werde von aussen nicht zu sehen sein, die historisch bedeutsame Kirche damit optisch nicht verändern und hätte damit einen wesentlichen Vorteil gegenüber den klassischen Anlagen, die im Freien optisch als störend empfunden werden können, versichern die Verantwortlichen der Römisch-katholischen Pfarrei St. Martin und des Mobilfunkanbieters Swisscom.

Kirchtürme haben im Bereich der Glocken Öffnungen mit sogenannten Schallläden, auch Klangarkaden genannt. Die Antennen würden mit Befestigungen am bestehenden Mauerwerk hinter diesen schräg gestellten Holz- oder Metalllamellen montiert, beschreibt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Es war der Mobilfunkanbieter, der vor zwei Jahren auf die Kirchgemeinde zugegangen ist, weil die bestehende Antenne in Pfeffingen baulich und von der Leistung her nicht weiter ausgebaut werden kann, erklärt Hubacher. «Kundinnen und Kunden nutzen den Mobilfunk immer intensiver, daher müssen wir unser Netz laufend ausbauen. Die neue Anlage im Kirchturm dient als Ergänzung zur bestehenden Anlage in Pfeffingen – damit wir unseren Kundinnen und Kunden heute und in Zukunft genügend Kapazität im Mobilfunknetz zur Verfügung stellen können.»

Betrieb der Glocken und der Rären nicht gefährdet

Kirchtürme seien oft ideale Standorte für Mobilfunkantennen, da sie meist zentral stünden und die Höhe für eine gute Mobilfunkversorgung ideal sei, erklärt Hubacher. Die Swisscom betreibt schweizweit rund 80 Mobilfunkanlagen in Kirchtürmen. Schwierigkeiten seien bisher noch nie aufgetreten, bekräftigt Hubacher. Die geplante Antennenanlage in der Kirche St. Martin würde ausschliesslich für die Versorgung des Gemeindegebietes von Pfeffingen dienen.

Für die Verantwortlichen der Pfarrei sei es Voraussetzung für die Zusage gewesen, dass der Betrieb und Unterhalt der Glocken und der Rären, die am Karfreitag anstelle der Glocken ertönen, durch die Mobilfunkanlage nicht gestört würden, betont Kirchgemeindeverwalterin Karin Meyer.

Gegen den Bau der Mobilfunkanlage im Kirchturm in Pfeffingen hagelt es erwartungsgemäss Einsprachen. Eine Sammeleinsprache haben gemäss SRF Regionaljournal 86 Personen unterzeichnet, teilte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) des Kantons Baselland mit. Beim Widerstand gegen moderne Mobilfunkantennen geht es zumeist um die Strahlenbelastung. Woher die Einsprachen kommen, wollte die BUD nicht bekanntgeben. Gemäss Kirchgemeindepräsidentin Isabelle Maurer habe es positive und kritische Rückmeldungen sowie Fragen auf die Baueingabe gegeben. Vor allem sei es um die Sichtbarkeit und den Zugang zu den Glocken und Rären gegangen. Auch die Strahlung sei Thema der Rückmeldungen gewesen.

Brisante Empfehlung des Bistums Basel

Brisant ist die Empfehlung des Bistums Basel: Gegenüber dem Regionaljournal verwies das Bistum auf eine Empfehlung aus dem Jahr 2020. Dor steht unter anderem: «Der Einbau solcher Anlagen soll die Pfarreiangehörigen nicht spalten. Unabdingbar ist eine offene Kommunikation gegenüber der Pfarrei, der Kirchgemeinde und der Nachbarschaft. Entsteht gegen ein Projekt erheblicher Widerstand, soll vom Projekt Abstand genommen werden.» Das Bistum erinnert im Schreiben auch daran, dass die Anfrage für den Einbau einer Mobilfunkanlage die Nutzerinnen und Nutzer der modernen Information- und Kommunikationstechnologien mit der Rückfrage konfrontiert werden, ob sie diese Kommunikationsmittel verantwortungsvoll einsetzen. «Wir können wohl kaum unsere Ansprüche steigern, ohne die entsprechende Infrastruktur mitzuverantworten.»

Maurer hatte bis zur Anfrage des Regionaljournals keine Kenntnis von dieser Empfehlung.Der Kirchgemeinderat habe mit der Zusage an die Swisscom die Möglichkeit für eine zukunftssichere Dienstleistung für die Bevölkerung unterstützen wollen und habe somit im Interesse des Dorfes gehandelt.

Für das zur Verfügung stellen des Kirchturms für die Mobilfunkanlage würde die Kirchgemeinde Pfeffingen von der Swisscom einen mittleren vierstelligen Betrag im Jahr erhalten.

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