Gido Wiederkehr blickt zurück auf 60 Jahre Kunstschaffen
In der Alten Brennerei in Nuglar organisierte der Ortsverein Nebelfrei am letzten Donnerstag einen Vortrag von Gido Wiederkehr. Unter dem Titel «Geheimnisvolle Kunst» blickte der Künstler darin auf seine vergangenen 60 Jahre des Kunstschaffens zurück.

Rund eine Stunde lang nahm der 84-jährige Künstler Gido Wiederkehr das Publikum in der Alten Brennerei mit auf eine Reise durch die verschiedenen Phasen seines Schaffens. Organisiert wurde der Abend vom Architekten Martin Bölsterli, der im Verein Nebelfrei aktiv und zugleich ein Nachbar Wiederkehrs ist. Über diese Nachbarschaft sei die Idee entstanden, den Künstler zu einem Abend über sein langjähriges Schaffen einzuladen.
Aufgewachsen im Raum Zofingen, kam Wiederkehr bereits als Jugendlicher zur Kunst. Entscheidenden Einfluss habe dabei sein Kunstlehrer ausgeübt, der sein Talent entdeckt und aktiv gefördert habe. Als es schliesslich darum ging, einen Beruf zu ergreifen, wollte der Lehrer den jungen Gido an die Kunstgewerbeschule, die heutige Schule für Gestaltung in Zürich, schicken. Dort, so Wiederkehr, wäre er sogar ohne Prüfung aufgenommen worden. Doch sein Vater war dagegen. «Aha, du wotsch also nüt schaffe», habe dieser auf den Vorschlag zu erwidern gewusst. Also absolvierte Wiederkehr zunächst eine Ausbildung zum Reproduktionsfotografen und Tiefdruck-Retuscheur.
Auf der Suche nach der eigenen Sprache
Während seiner Berufsausbildung bereitete Wiederkehr seinen Weg in die Kunstbranche vor. Er besuchte verschiedene Vorträge, wobei insbesondere jene von Heiny Widmer ihn besonders geprägt hätten. Nicht zu unterschätzen sei jedoch auch die Rolle des Künstlerkollegen Willy Müller-Brittnau gewesen, ergänzte Sohn Michel im Anschluss an das Referat.
Durch Widmer sei Wiederkehr mit der konkreten Kunst in Berührung gekommen. Als der junge Künstler schliesslich 1963 nach Basel kam, stand für ihn deshalb bereits fest, dass er sich ebenfalls der konkreten Kunst verschreiben wird. Dennoch habe ihn die Stadt mit ihren Kunstmuseen geprägt. «Es folgte darauf während der 1960er-Jahre eine Phase der Suche nach der eigenen künstlerischen Sprache», erinnerte sich der gebürtige Aargauer. «Der Kreis beschäftigte mich während dieser Zeit sehr lange», führte er weiter aus. Dieser sei ihm jedoch irgendwann «zu dekorativ» geworden.
Ausgehend von diesen organischen Formen, habe er so bald feststellen müssen, dass er sich lieber auf waagrechte und senkrechte Elemente konzentrieren wolle. Diese bilden bis heute die Basis seiner Werke. Eine besondere Rolle kommt dabei insbesondere den Farben und dem Simultankontrast zu. Gemeint ist damit, dass Wiederkehr bei seinen Werken auf Farben setzt, die dieselbe Helligkeit besitzen und aufgrund dessen bei einer Schwarz-Weiss-Aufnahme zu einer einzigen grauen Fläche verschmelzen.
Malen als Prozess
Die Methode von Wiederkehr besteht im Kern darin, ausgewählte Farben mit dem Pinsel auf eine Leinwand aufzutragen. Über diese Farben trägt der Künstler anschliessend diverse Schichten Lasur auf. Dabei arbeite er sich Schicht für Schicht so lange voran, bis das Bild für ihn stimme. «Ich könnte immer weitermalen», erklärte der Künstler. «Malen ist für mich ein Prozess, und wenn ich nach drei Wochen noch das Gefühl habe, dass etwas fehlt, dann male ich eben weiter.» Diese Prozessualität seiner Bilder habe Wiederkehr auch in der Vorbereitung auf den Vortrag erkannt, als er seine alten Werke hervorholte: «Ich könnte heute etwas total anderes daraus machen», gab er zu bedenken.
Das Impulsive und das Kalkulierte
Die geometrische Exaktheit und das entsprechend säuberliche Vorgehen des Künstlers stiessen jedoch auch auf Verwundern im Publikum. Ein Gast tat sich schwer, zu formulieren, was er sagen wollte, und fragte schliesslich: «Wo kommt dieses Andere im Konkreten vor?» Gemeint war damit, wo in dieser Präzision noch Raum für Temperament sei. Das Impulsive aber, so Wiederkehr, sei einfach nicht seine Sprache.
Die geometrische Kunst beschränkt sich bei Wiederkehr nicht nur auf Leinwände: Auch am Bau wirkte er mit, etwas beim Inselspital in Bern und am Bürgerspital in Solothurn. Dabei bekundete der Künstler ein gewisses Bedauern über den Umstand, dass Kunst am Bau meist erst zum Schluss «appliziert» werde. «Es wäre schön, wenn sie bereits früher in den Prozess einbezogen und als architektonisches Element mitgedacht werden würde», führte er weiter aus. Seine neuesten Werke präsentiert Gido Wiederkehr im Februar 2027 in Basel.
«Malen ist für mich ein Prozess, und wenn ich nach drei Wochen noch das Gefühl habe, dass etwas fehlt, dann male ich eben weiter.»


