Für weniger Stress in der Familie

Die Familien- und Jugendberatung Birseck berät jährlich bis zu 400 Familien und verzeichnet 180 Neuanmeldungen.

Teamwork: Hanstin Steiner und Ralph Messmer (hinten, v. links) sowie Julia Jiménez und Melanie Flubacher helfen Familien in Schwierigkeiten, die Administration liegt bei Mirjam Wyss (vorne, v. links).
Teamwork: Hanstin Steiner und Ralph Messmer (hinten, v. links) sowie Julia Jiménez und Melanie Flubacher helfen Familien in Schwierigkeiten, die Administration liegt bei Mirjam Wyss (vorne, v. links).

An einer unscheinbaren Adresse im ­Aescher Ortszentrum, an der Hauptstrasse 73, liegt die Familien- und Jugend­beratung Birseck, kurz FJB. Vergangenen Samstag hatte sie in ihre neuen Räume, die bunt, verspielt und kindergerecht eingerichtet sind, zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Zwar ist die FJB wie ein privates Unternehmen organisiert, wird aber von einem Trägerverein, bestehend aus den Gemeinden Aesch, Arlesheim, Dornach, Duggingen, Pfeffingen und Reinach, getragen. Je ein Gemeinderat aus den Mitgliedsgemeinden sitzt im Vorstand des Vereins, welcher derzeit von der Arlesheimer Gemeinderätin Brigitte Treyer (FDP) präsidiert wird.

Der Kinder- und Jugendtherapeut Ralph Messmer ist Leiter der Beratungsstelle und empfängt die Gäste mit freundlichem Lächeln und herzlichem Händedruck, wobei sein Blick verrät, dass er sich gewohnt ist, Menschen einzuschätzen und auf sie einzugehen. Er und die Psychotherapeuten Julia Jiménez und Hanstin Steiner, sowie die Psychologin Melanie Flubacher helfen Familien in schwierigen Situationen. Etwa dann, wenn sich die Eltern trennen: «Sie wollen wissen, wie sie in dieser emotional belastenden Zeit miteinander und auch mit ihren Kindern umgehen», erklärt Messmer. Manchmal sei eine Kindertherapie hilfreich, um die «Trennung zu ordnen und zu verarbeiten». Es gelte, Gefühle wie Wut, Angst und Hoffnung zu verstehen und einen Ausdruck zu finden. Dafür finden sich in den Räumen der FJB spielerische Methoden, wie etwa Bildchen, die für verschiedene Gemütszustände stehen – sie sollen helfen, Emotionen zu benennen und auszudrücken. «Eine andere Situation könnte sein, dass ein Schulsozialarbeiter den Eltern einer 15-Jährigen empfiehlt, sich bei uns zu melden, da die Jugendliche sich je länger, je mehr emotional zurückzieht.» Die ­Eltern könnten sich dann entscheiden, ob sie ein Beratungsangebot in Anspruch nehmen.

Familien spüren Leistungsdruck

Neben Trennungsprozessen beraten Messmer und sein Team auch bei Partnerschaftsproblemen oder Erziehungsfragen. Dass die Anforderungen an Familien heute grundsätzlich hoch sind, ist allgemein bekannt: «Meine persönliche Meinung ist, dass viele Kinder und ­Jugendliche auf verschiedensten Ebenen Druck verspüren und Unterstützung brauchen, um den Anforderungen un­serer Leistungsgesellschaft gerecht zu werden.»

Gerade in der Pubertät, bei der es um Abgrenzung und Identitätsfindung gehe, bereite sich ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Jugendlichen, den gesellschaftlichen Anforderungen und jener der Eltern aus.

Niederschwellige Unterstützung

Die FJB wurde 1988 von den ersten vier Trägergemeinden Aesch, Pfeffingen, Münchenstein und Reinach gegründet. Durch die grosse Nachfrage in der Bevölkerung und den Anschluss Arlesheims wurde die Anzahl Therapeuten erhöht. Münchenstein kündete 2002 den Vertrag, dafür kamen Duggingen und später Dornach hinzu. Die Förderung von Angeboten wie jenen der FJB ist immer wieder Thema in der Politik.

Auf die Frage, was die Politik ihrerseits tun könne, um Familien zu entlasten, sagt Messmer: «Es wäre wichtig, dass Angebote wie Kindertagesstätten, sozialpädagogische Familienbegleitung oder eben Therapie- und Beratungsstellen ­geschaffen, niederschwellig zugänglich gestaltet und damit auch enttabuisiert werden.»

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