Farbe statt steriles Weiss: So sieht das erste Spital aus Holz in Europa aus

Die Klinik Arlesheim stellt Ende Jahr ihren Neubau fertig. Das Wochenblatt hat die Baustelle besucht und einen Einblick in das anthroposphisch geprägte Spital erhalten.

Verspielte Fassade: Das neue Klinikgebäude prägt das Dorfbild am Stollenrain. Fotos: ZVG

Verspielte Fassade: Das neue Klinikgebäude prägt das Dorfbild am Stollenrain. Fotos: ZVG

Skulptural: Hier gibt es nur einen kleinen Blick auf die Holztreppe zu erhaschen.

Skulptural: Hier gibt es nur einen kleinen Blick auf die Holztreppe zu erhaschen.

Zentrales Element: Holz ist im Neubau allgegenwärtig – einige Bereiche müssen dennoch so angepasst werden, dass die Anforderungen an ein Spital erfüllt werden.

Zentrales Element: Holz ist im Neubau allgegenwärtig – einige Bereiche müssen dennoch so angepasst werden, dass die Anforderungen an ein Spital erfüllt werden.

Die Arbeiten in den Zimmern und Behandlungsräumen laufen auf Hochtouren: Boden wird verlegt, Wände werden gestrichen, sanitäre Anlagen eingebaut. Rund 100 Bauarbeitende sind mit dem Innenausbau beschäftigt. Die Klinik Arlesheim baut ihr neues Gebäude hauptsächlich aus Holz; es wird damit das erste seiner Art in Europa sein. Zur Anwendung kommt die «Holz100»-Bauweise ohne Leim und nur mit Dübeln. Verwendet wird sogenanntes Mondholz aus dem Schwarzwald. Dieses Holz wird aus Bäumen gewonnen, die in der abnehmenden Mondphase in den Wintermonaten gefällt werden; es sei dadurch dichter und widerstandsfähiger, sagt Lukas Schöb, Co-CEO und ärztlicher Leiter der Klinik Arlesheim, auf dem Baustellen-Rundgang mit dem Wochenblatt.

Der Mondholz-Bau war jedoch nicht von Anfang an geplant. Bereits 2018 hatte die Klinik Arlesheim das Neubauprojekt «Schmetterling» gestartet, das den in die Jahre gekommenen Bau am Stollenrain hätte ersetzen sollen. Ein Jahr später musste die Klinik allerdings die Notbremse ziehen, weil sich die prognostizierten Kosten verdoppelt hatten. Die Bagger waren da noch nicht aufgefahren, das Projekt konnte gestoppt werden.

Seit knapp drei Jahren entsteht nun nordöstlich des bisherigen Klinikgebäudes der Holzbau. «Wir sind froh, ist es so gekommen», sagt Schöb und führt uns zum Eingang des neuen Spitals. Das Äussere wie auch das Innere des Gebäudes sind durch das Sichtholz geprägt. Gestalterische Elemente wie Holzsäulen geben den Gängen einen fast schon verspielten Charakter – keine Eigenschaft, die man klassischerweise einem Spital zuweist. Die Holzbauweise und die warmen Farben an den Wänden hälfen dabei, gesund zu werden, erklärt Schöb, als wir eintreten.

Der Eingangsbereich wirkt untypisch für ein Krankenhaus: Dort, wo sonst grosse Liftanlagen zu finden sind, steht eine skulpturale Holztreppe. «Die Menschen sollen die Treppe hochgehen, wenn sie können – das regt die gesunden Kräfte an», erklärt der ärztliche Leiter. Zwei Lichthöfe mit runden Fenstern in der Decke verstärken die Wirkung der Treppe als ein zentrales Element. Die Bettenlifte gibt es dennoch – sie sind etwas nach hinten versetzt.

Auch wenn Holz das vorherrschende Element ist: Einige Bereiche wie etwa die Radiologie oder die Überwachungsräume müssen technisch angepasst werden, um den Anforderungen des Spitalbetriebs gerecht zu werden, sagt Schöb.

Direkte Anfahrt zur Notfallstation mit 24-Stunden-Betrieb

Neu wird die Klinik über eine ausgebaute Notfallstation verfügen. «Der Rettungswagen wird direkt vor dem Notfalleingang halten können», sagt Schöb nicht ohne Stolz. Die Zufahrt erfolgt über den Pfeffingerweg. Behandelt werden könnten sämtliche Notfälle, die keine chirurgischen Eingriffe benötigen. Diese bietet die Klinik nicht an.

Durch die räumliche Gliederung könne der Betrieb mit weniger Personal als bisher gesichert werden. «Wir haben Wert gelegt auf sinnvolle, kurze Wege für unser Personal.» Darauf sei im gesamten Gebäude Wert gelegt worden.

Das Konzept des Neubaus hat die Klinikleitung anhand der Belegung geplant: Im Erdgeschoss werden all jene Therapien zu finden sein, für die Patienten nur stundenweise kommen – etwa auf den Notfall oder fürs Röntgen. Im ersten Obergeschoss finden Physio- oder Musiktherapie statt, aber auch die Tagesklinik ist angesiedelt: Hier verbringen Patientinnen und Patienten sechs bis acht Stunden für Behandlungen. Im obersten Stock des dreigeschossigen Gebäudes werden die Onkologie und die innere Medizin einziehen. «Somit haben die stationären Patientinnen und Patienten mehr Ruhe», erklärt Schöb.

37 Zimmer stehen im Neubau zur Verfügung, sie können einzeln oder doppelt belegt werden. Das ist etwa gleichviel wie bisher. Eine Erweiterung der Kapazitäten sei nicht sinnvoll: «Wir wollten bewusst kein zusätzliches Extrastockwerk auf Reserve bauen, welches droht, am Anfang leer zu stehen», erklärt Patrick Meyer, Co-CEO und Leiter Finanzen und Administration der Klinik Arlesheim. «Ambulant ist die Zukunft der medizinischen Behandlung», ergänzt Schöb. Das widerspiegelt sich etwa auch in der Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baselland im Programm «Spital zuhause». Dabei werden Patientinnen und Patienten in ihren eigenen vier Wänden behandelt. Ein voll ausgestattetes Spital brauche es aber auch in Zukunft, sagt Schöb, als er uns durch die Gänge führt.

Die Klinik Arlesheim hat während der Pandemie auch Corona-Patientinnen und -Patienten behandelt. Die Erfahrungen in dieser Krisensituation seien auch in die Spitalplanung eingeflossen: «Wir haben die Bereiche so geplant, dass sie leicht abtrennbar sind. So können wir Stationen im Bedarfsfall einfach isolieren», so Schöb.

74 Millionen kostet der Neubau

Als Spital in privater Trägerschaft stemmt die Klinik Arlesheim die Kosten für den Neubau selbst. Diese belaufen sich auf Rund 74 Millionen Franken. «Wir sind finanziell und zeitlich auf Kurs», sagt Finanzchef Meyer. Übergabebereit soll der Neubau Ende Jahr sein, effektiv umziehen wird der Spitalbetrieb im Frühjahr 2027. Dann wird auch das bestehende Gebäude abgerissen, damit der Klinikpark erweitert werden kann.

Einblick in die Baustelle

Am 9. Mai öffnet die Klinik Arlesheim die Türen des Neubaus im Rahmen der Veranstaltung «Open House». Die Baustelle kann zwischen 10 und 14 Uhr besich-tigt werden.

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