Das Dreispitz-Areal soll endlich zur Blüte kommen

Das Dreispitz-Areal auf Basler und Baselbieter Boden wird nun in verdau-baren Stücken entwickelt. Die CMS als Eigentümerin, die Kantone und Mün-chenstein präsentierten den nächsten Anlauf.

Die letzten zwei Lebenszeichen der einst gross angelegten Planung für das 50 Hektaren grosse Dreispitz-Areal auf den Kantonsböden beider Basel waren: der überraschende, politisch als brüskierend empfundene Entscheid, den Uni-Standort am südlichsten Ende seitens des Kantons Baselland abzublasen, und die grosse Überbauung mit drei Hochhäusern am nördlichsten Spitz, die aktuell noch im basel-städtischen Grossen Rat hängig ist. Allein die Entwicklung von Dreispitz Nord dauert mit allen Planungsschritten und behördlichen Prozessen nun schon rund zehn Jahre.

Dafür, dass das einstige Gewerbe-, Industrie- und Logistikareal im Besitz der Christoph Merian Stiftung (CMS) als treibender Entwicklungskraft für das moderne Basel und Münchenstein gehandelt und geplant worden war, ist die Ausbeute somit mager. Das liess am Donnerstag vor einer Woche auch CMS-Direktor Baschi Dürr vor den Medien durchblicken: «Es stellte sich damals als zu komplex heraus.» Jetzt wird bescheidener, aber zielgerichteter geplant. Der Kanton Basel-Stadt und die Baselbieter Gemeinde Münchenstein haben mit der CMS die Planungsvereinbarungen für die nächsten Schritte der Dreispitz-Entwicklung abgeschlossen. Das ist eine wesentliche Bedingung, bevor es in die verbindlichen Nutzungsplanungen gehen kann.

Faktisch ist der Dreispitz nun in acht unterschiedlich gewichtete Kuchenstücke geteilt, dies auf beiden Seiten der Kantonsgrenze, und den Stücken sind Funktionen zugewiesen. Daher waren neben Dürr, dem CMS-Präsidenten Lukas Faesch und der Münchensteiner Gemeindepräsidentin Jeanne Locher auch die Basler Baudirektorin Esther Keller (GLP) und der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber (Grüne) vor den Medien. Man orientierte in einem zum Sitzungsraum umfunktionierten Gewächshaus auf dem Dach eines CMS-Gebäudes im Dreispitz, wo ein Votum Lochers etwas unfreiwillig Nachdruck erhielt: Sie sagte, der Dreispitz mit seinen versiegelten Flächen sei heute auch eine enorme Hitzeinsel.

Arbeiten am Fusse des Bruderholz-Hügels

Im Westen des Areals, am Fuss des Bruderholz-Hügels, werden die Wirtschaftsparks Basel-Stadt beziehungsweise Baselland errichtet. Dort ist gewerbliche Nutzung vorgesehen. Wohnen wiederum gibt es eher auf der Ostseite und im südlicheren Bereich, wo auch der Siedlungsgürtel von Münchenstein angrenzt. Ausgenommen von den neuen Planungsvereinbarungen sind das Teilareal Freilager in Münchenstein sowie eben Dreispitz Nord auf Basler Boden. Für beide gibt es Sondernutzungsplanungen, die teils umgesetzt, teils noch im Prozess sind.

«Wir kommen hier also nicht mit einem ganz grossen Wurf, sondern mit kleinen Schritten», sagte Reber. Und betonte aus Baselbieter Sicht, dass vier Punkte entscheidend seien: ideale Verbindungen zum und auf dem Areal, florierende Arbeitsplätze, ein diversifizierter Nutzungsmix sowie attraktivere Freiräume. Ein Aspekt dessen ist bereits in der Mache: Auf Münchensteiner Boden wird ein Schwimmbad mit 50-Meter-Becken entstehen, das auch Rebers Amtskollegin Keller nochmals würdigte. Für Basel-Stadt sei letztlich aber auch entscheidend, dass mit dem Dreispitz eines der letzten grossen Gewerbegebiete der Stadt erhalten bleiben könne.

Ein Drittel preisgünstiges Wohnen

In Sachen Mix deklariert die CMS: Ein Drittel des gesamten Dreispitzes wird für Wohnen zur Verfügung stehen – davon wiederum ein Drittel als preisgünstiger Wohnraum –, ein weiterer Drittel für die gewerbliche Nutzung und ein Drittel für Kultur, Freizeit und ähnliche Einrichtungen. Als zentrales Element immer wieder angeführt: die Entsiegelung und Begrünung der heute praktisch durchgehend asphaltierten und zugebauten Fläche. Die Klimaresistenz soll massgeblich gesteigert werden. Dass der Uni-Standort auf Baselbieter Boden abgesagt wurde, hallte an der Medienkonferenz kaum mehr nach. Auch nicht die Tatsache, dass die CMS vom Kanton Baselland rund eine Million Franken wegen der hinfälligen Planungsaufwände forderte. Auf Nachfrage sagte Dürr, man sei jedoch noch «in Verhandlung» mit dem Kanton.

Das ganze Gelände gilt heute auch aus Sicht der CMS als unternutzt. Die Nutzungsziffer, also das Verhältnis zwischen Grundstücksfläche und Bruttogeschossfläche, beträgt laut Dürr um die 1. Das ist verhältnismässig wenig, als Vergleich nannte er das Basler Klybeck mit einer Nutzungsziffer um die 3. Auf dem Dreispitz soll die Ziffer zumindest verdoppelt werden. Der gesamte Planungsprozess läuft über mehrere Jahre; ab Juni 2026 beginnt ein Partizipationsprozess mit allen Anspruchsgruppen, also auch mit der Bevölkerung.

«Wir kommen nicht mit einem ganz grossen Wurf, sondern mit kleinen Schritten.»

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