«Es ist ruhig geworden um die Partei – im positiven Sinne»

Nach knapp drei Jahren gibt Ferdinand Pulver das Amt als Präsident der FDP auf. Das habe auch mit seinem Energiehaushalt zu tun, sagt er.

Nur noch bis September im Amt: Ferdinand Pulver. Foto: Colin Frei

Der Präsident der Baselbieter FDP, Ferdinand Pulver, legt sein Amt per 5. September ab. Das hat er am vergangenen Donnerstag am Parteitag in Hölstein angekündet. Am gleichen Abend sprach die Parteibasis sich für ein Ja zum Energiegesetz aus, das im Juni an die Urne kommt. Für Pulver war diese Parolenfassung ein vorzeitiges Abschiedsgeschenk. Seit November arbeitete er darauf hin, in der FDP eine Mehrheit für einen fortschrittlicheren Klimaschutz im Baselbiet zu gewinnen. «Ich wusste, dass diese Vorlage die Partei auf eine harte Probe stellen wird», sagt Pulver am Tag, nachdem er seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. In der Partei gab es starke Stimmen, die sich gegen das neue Energiegesetz auflehnten. Die FDP während seiner dreijährigen Amtszeit geeint zu haben, sieht er denn auch als seinen grössten Erfolg. In jeder Partei habe das Präsidium es mit einer Ansammlung von starken Persönlichkeiten zu tun. Aus diesen verschiedenen Haltungen eine Einheit zu bilden, welche für die Partei einstehe, sei eine anstrengende Aufgabe, so der 58-Jährige.

Die beiden Flügel zusammengebracht

Pulver, der selbst zum Flügel gehört, der sozialen Themen und eben auch dem Klimaschutz mehr Gewicht einräumt, gelang es, die beiden Flügel der FDP zusammenzubringen. Dies habe auch die parteiinterne Debatte zum Energie­gesetz gezeigt, die intensiv, aber konstruktiv und respektvoll gewesen sei, wie er erzählt. Er blickt auf seine Amtsjahre zurück und sagt: «Es ist ruhig geworden um die Partei, und dies meine ich im positiven Sinne.»

Nun gibt Pulver das Zepter für die ­ehrenamtliche Aufgabe weiter. Und mit seiner gewohnt offenen Art gibt er unumwunden zu, dass er vor allem wegen der eigenen Energiereserven kürzertritt. Das Wahljahr habe ihn stark gefordert. «Aber es liegt auch daran, dass ich im Rollstuhl bin. Der Alltag kostet mich mehr Energie.»

Seine Ressourcen möchte er voll für die Gemeindepolitik einsetzen. Der Reinacher will von der Schaltzentrale der Partei in die praktische Alltagspolitik wechseln. Denn Pulver kandidiert in Reinach fürs Gemeindepräsidium. Beide Ämter liessen sich für ihn unmöglich vereinbaren, sagt er. Dabei ist noch gar nicht sicher, dass Pulver in Reinach auf Anfang Juli das Gemeindepräsidium übernimmt. Höchstwahrscheinlich kommt es am 9. Juni zu einer Kampfwahl mit insgesamt drei Kandidierenden. Der 58-jährige Reinacher steht seit August 2021 den Baselbieter Freisinnigen vor. Im Gegensatz zu vielen Parteigrössen gilt er nicht als Wirtschaftskammer-nah. Mit entsprechenden Äusserungen hat er sich FDP-intern nicht nur Freunde gemacht. Für seine Nachfolge hat er eine Findungskommission eingesetzt, «die sich jetzt in Ruhe um eine gute Nachfolgelösung kümmern kann», so die Mitteilung.

Aus dem Parteivorstand treten die ehemalige Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger, der neu in den Binninger Gemeinderat gewählte Marc Schinzel und der ehemalige Reinacher Gemeinderat Klaus Endress aus. Ersetzt werden sie durch Sven Inäbnit (Binningen), Nadine Jermann (Buus), Birgit Kron (Reinach) und den Präsidenten der Baselbieter Jungfreisinnigen, Cyril Bleisch (Münchenstein). Pulver zeigt sich in der Mitteilung der FDP «stolz darauf, durch die Verjüngung der Parteigremien die Partei für die nächsten vier Jahre gut aufgestellt zu haben».

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