Eine Ära geht zu Ende
Madlaina Matter schaut vor ihrem vielleicht letzten Heimspiel auf ihre erfolgreiche Karriere zurück.

Sportlich geht es für Sm’Aesch-Pfeffingen beim Heimspiel gegen Düdingen am Samstag (17.30 Uhr) nach dem Aus im Playoff-Halbfinal gegen Schaffhausen nur noch um die Bronzemedaille. Und doch könnte der Auftakt in die Best-of-three-Serie emotional werden. Für Vereinsikone Madlaina Matter steht nach 13 NLA-Saisons in Pink das potenziell letzte Spiel im Löhrenacker an.
Zu oft will die 29-Jährige bisher nicht an ihre Sm’Aesch-Derniere denken. «Das blockiert dich nur», sagt Matter, die auch am freien Tag nach dem Halbfinal-Aus eine individuelle Extraschicht einlegte. «Ich will voll bereit sein für diese letzte Serie», so Matter. Dass ihr der Gedanke ans Karriereende morgens beim Aufstehen gelegentlich nahegeht, möchte sie dennoch nicht abstreiten: «Dann bin ich froh, dass ich zur Arbeit gehen und mich auf andere Dinge fokussieren kann.»
Nächster Karriereschritt als Ärztin
Die Arbeit als Ärztin war es, welche Matter bereits vor zwei Jahren zum Entscheid bewegte, am Ende der Saison 2025/26 mit dem professionellen Volleyball aufzuhören. Seit einem halben Jahr arbeitet Matter in Teilzeit in der Rennbahnklinik und möchte sich in Zukunft voll auf ihre Patientinnen und Patienten konzentrieren können. «Ich bin extrem gerne Ärztin. Dass ich diesen Schritt eines Tages machen musste, war für mich schon länger klar», so Matter.
Matter ist froh, dass der Entscheid aufgrund des Stellenangebots aus der Sportklinik aussergewöhnlich früh fiel. «Sonst wäre die Entscheidung nach einem etwas harzigen Saisonstart vielleicht aus Frust entstanden – jetzt würde ich sie womöglich anders treffen, denn mir macht Volleyballspielen einfach richtig viel Freude, und ich fühle mich topfit», erzählt die langjährige Leistungsträgerin. So aber ist sie vor ihrem Karriereende mit der Entscheidung und sich selbst im Reinen.
Die 1,83 Meter grosse Matter ist in Pfeffingen aufgewachsen und hat in ihrer gesamten Karriere kein anderes Klubtrikot als das von Sm’Aesch getragen. «Ich bin stolz darauf, was wir mit diesem Verein erreichen konnten. Es ist schön, zu sehen, wie Volleyball in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen hat», so Matter. Im Vergleich zu Matters Anfangszeit bei Sm’Aesch besuchen heute deutlich mehr Fans die Spiele im Löhrenacker.
Das ist nicht alleine auf Matter zurückzuführen. Und doch ist die Mittelblockerin das Gesicht einer Ära. «Mein Ziel war es immer, die Freude am Volleyball weiterzugeben und die Menschen mitreissen zu können. Das ist mir nicht schlecht gelungen, glaube ich. Es ist ein riesiges Privileg, dass wir unser Hobby professionell ausführen können und auch noch Zuschauer kommen», so Matter.
Beeindruckender Leistungsausweis
Auch wenn es für Matter nie zum Meistertitel reichte, ist ihr Leistungsausweis mit den Baselbieterinnen beachtlich. Ein Sieg im Supercup, sieben Europacup-Teilnahmen, ein Cupfinal und fünf Teilnahmen im Playoff-Final kann die Rechtshänderin in ihrer Vita aufweisen. Auf die teils frustrierenden Finalserien gegen die Ligadominatoren Voléro und Neuchâtel UC will die Birstalerin nicht zu stark zurückschauen. «Dann schüttet der Körper nur unnötig Cortisol aus», sagt sie mit einem Schmunzeln.
Ohnehin macht Matter ihre erfolgreiche Karriere nicht primär an Dingen fest, die sich in Goldmedaillen niederschlagen würden: «Meine wichtigsten Erinnerungen sind nicht Siege, sondern all die tollen Menschen, die ich auf dem Weg getroffen habe, und die damit verbundenen Erlebnisse», sagt Matter und nennt als Beispiel die Saison, in welcher es Sm’Aesch dank tollem Zusammenhalt mit nur neun Kaderspielerinnen bis in den Playoff-Final schaffte.
Historische Qualifikation
Ganz ohne sportliche Höhepunkte kommt aber auch Matter bei ihrem Karriererückblick nicht aus. 2019 qualifizierte sie sich mit dem Schweizer Nationalteam, dem sie bis zu ihrem Rücktritt 2025 über ein Jahrzehnt angehörte, für die Europameisterschaft. Es war die erste Qualifikation auf sportlichem Weg (2013 war die Schweiz schon als Gastgeberin dabei) für die Schweizerinnen überhaupt. «Es war grandios. Da wussten wir nicht mehr, wie uns geschieht, so glücklich waren wir», erzählt Matter.
Es folgten noch zwei weitere EM-Teilnahmen. 2023 reichte es in Italien sogar bis in den Achtelfinal, wobei Matter das Turnier mit drei eingeklemmten Rippen unter Schmerzen spielte. «Diese Spiele vor riesigem Publikum waren sehr speziell. Das war noch einmal eine andere Bühne als hier in der Schweiz», so Matter. Nach dem Gewinn der Silver League mit der Schweiz beendete sie im Sommer 2025 ihre Nationalmannschaftskarriere.
Preis für das Team hinter Matter
Nach grösseren Bühnen im Ausland hatte sich Matter aufgrund ihres Medizinstudiums auf Klubebene nie umgeschaut. «Ich hoffe, dass ich damit jüngere Spielerinnen inspirieren und auch Spielerinnen bestärken konnte, die in der Schweiz bleiben wollen und nebenbei ein Studium absolvieren», so Matter, die aber auch grossen Respekt vor denjenigen hat, die den Schritt in eine grössere Liga wagen. 2024 wurde Matter mit dem Baselbieter Sportpreis ausgezeichnet – eine grosse Überraschung und Ehre, wie sie erzählt. «Eigentlich habe ich nur meine Freude am Volleyball geteilt. Dass genau das den Menschen viel gibt, bestärkte mich in meinem Tun», sagt Matter bescheiden und widmet den Preis allen, die sie während ihrer langen und erfolgreichen Karriere unterstützten.
Nächstes Ziel: Skimarathon
Mit dem Engadiner Skimarathon hat sich Matter bereits das erste sportliche Ziel für nach der Karriere gesetzt. «Meine Mutter ist aus dem Engadin. Der Engadiner ist der Höhepunkt des Jahres, und die ganze Familie macht mit. Deshalb war es klar, dass ich das als Erstes mache nach der Karriere», erzählt Matter mit Vorfreude. Ihre Schwester Ladina war 2026 mit 2:13:31 Stunden sogar die schnellste Baselbieterin am Engadiner.
Ganz auf Matter verzichten müssen die Sm’Aesch-Fans aber vermutlich nicht. Dass sie dem Klub auch über den Sommer hinaus erhalten bleiben wird, ist nicht unwahrscheinlich. In welcher Rolle, ist aktuell aber noch unklar. «Ich werde sicherlich immer noch in der Halle zu sehen sein», sagt Matter. Und lächelt.
Best-of-three-Serie gegen Düdingen: Samstag, 4. April, 17.30 Uhr in Aesch. Mittwoch, 8. April, 19.30 Uhr in Düdingen. Evtl. Samstag, 11. April, 17.30 Uhr in Aesch.


