Ein neuer Wohlfühltempel im Kägen

Endress+Hauser hat 60 Millionen Franken in einen Neubau am Sitz in Reinach investiert – er soll die Rückkehr vom  Homeoffice ins Büro versüssen.

Lichtdurchflutet: Der Neubau an der Ecke Kägenstrasse/Christoph-Merian-Ring. Kenneth Nars
Lichtdurchflutet: Der Neubau an der Ecke Kägenstrasse/Christoph-Merian-Ring. Kenneth Nars

Es war das wohl auffälligste Gebäude im Reinacher Kägen-Gebiet. Der frühere Sitz der Endress+Hauser Flowtec AG hatte eine orange Fassade. Doch die gibt’s nicht mehr. An seiner Stelle wurde in den letzten drei Jahren ein Neubau errichtet. Graue Elemente prangen jetzt an der Fassade. Ein fünfgeschossiges Büro- und Produktionsgebäude mit Schulungszentrum und Auditorium ist entstanden, auf einer weiteren Fläche eine neue Produktionshalle samt Lehrwerkstatt. Trotzdem äusserte E+H-CEO Matthias Altendorf ein wenig Wehmut, begann er in Reinach doch im orangen Gebäude aus den 1980er-Jahren, das damals, wie er sagte, noch als topmodern galt.

Die Erweiterung des E+H-Firmencampus wurde am Freitag feierlich eingeweiht und den Medien präsentiert. Der Neubau beherbergt wie sein Vorgänger die Flowtec AG, die Geräte und Techniken entwickelt und herstellt, die man zur Messung und Analyse von Durchflüssen braucht. «Flow» braucht Platz. Der Bereich werde immer wichtiger, sagte E+H-Verwaltungsratspräsident Klaus Endress. Gerade jetzt, wo die Rohstoffpreise steigen würden, insbesondere beim Gas: «Es braucht mehr Durchflussmesstechnik, das spüren wir.» Bald mache die 1977 gegründete «Flow» einen Drittel des Umsatzes der Gruppe aus, sagte Endress. Zwei Stockwerke des Neubaus sind noch nicht belegt und dienen als Reserve.


1500 Mitarbeitende im Neubau

Mit dem neuen Gebäude investiert E+H rund 60 Millionen Franken in den Hauptsitz in Reinach. Erst 2017 war der Campus zuletzt erweitert worden. Klaus Endress sagte, in den vergangenen 20 Jahren sei eine halbe Milliarde Franken in den Standort geflossen. Im Neubau kommen auch 180 Mitarbeitende von E+H Digital Solutions, einer noch jungen Tochter in der Geschichte des 1953 gegründeten Familienunternehmens, unter. Ihre Aufgabe ist es, dass die Geräte von E+H mit der Soft- und Hardware, welche die Abnehmer nutzen, kompatibel sind. Das werde von der Kundschaft erwartet, sagte CEO Altendorf: «Messtechnik alleine reicht heute nicht mehr. Man muss sie digital einbinden in die Infrastruktur der Kunden.»

Das meiste Personal im Neubau wird aber die «Flow»-Tochter stellen. Von ihren weltweit 2190 Mitarbeitenden werden bis zu 1500 im Neubau tätig sein. Er beherbergt auch die sogenannte «Flow Experience», einen Rundgang für Besucherinnen und Besucher, der unter anderem mit einem aus 160 beweglichen Würfeln zusammengesetzten Screen aufwartet. Pro Jahr würden rund 4000 Gäste empfangen, hiess es.

Wahl zwischen festem und geteiltem Arbeitsplatz

Klar wurde an der Medienkonferenz: Nach über zwei Jahren Pandemie betrachtet die Unternehmensleitung Homeoffice nicht als alleine glücklich machendes Arbeitsmodell – im Gegenteil. Die Mitarbeitenden sollen sich wieder möglichst oft «in echt» begegnen. «Durch Corona haben wir lernen müssen», sagte Flowtec-Geschäftsführer Mirko Lehmann, «dass Menschen viele Dinge nur lernen und entwickeln können, wenn sie in Gesellschaft sind.» Auch jene Mitarbeitenden, die nicht in der Produktion und der Fertigung tätig sind, sollten sich wieder so häufig wie möglich am Arbeitsplatz einfinden. E+H bietet dafür auch etwas: Die neuen Arbeitszonen sind hell, modern und luftig gestaltet. Es gibt Bereiche für Workshops wie etwa Sitznischen. Die Mitarbeitenden dürfen sich frei zwischen einem festen oder einem geteilten Arbeitsplatz entscheiden. An einem zentralen Ort ist eine grosse Holztreppe aufgebaut. Sie soll als Agora dienen, also als zentraler Treffpunkt. Die neuen Arbeitswelten bei E+H muten paradiesisch an. Das sei nicht immer so gewesen, erinnerte sich CEO Altendorf. Er, dessen Karriere bei E+H als Lehrling in Maulburg begonnen hatte, arbeitete früh im orangen «Flowtec»-Sitz, zuerst in zwei Containern. «Fast ein wenig neidvoll erblicke ich», sagte er am Freitag, «wie schön es die heutigen Mitarbeitenden haben.»

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