Ein halbes Jahrhundert Eingliederungsstätte Baselland: ein Blick hinter die Kulissen

Anlässlich des 50-Jahr-­Jubiläums der Eingliederungsstätte Baselland (ESB) öffneten die drei Standorte der Region Reinach ihre Türen und gaben Einblick in die Produktionsprozesse und den Arbeitsalltag.

In der mechanischen Fertigung: Clemens Berger bei der Arbeit. Fotos: Florin Bürgler

In der mechanischen Fertigung: Clemens Berger bei der Arbeit. Fotos: Florin Bürgler

Führten durch den Betrieb: Kommunikationsbeauftragte Anja Weyeneth 
und Standortleiter Mathias Hügli.

Führten durch den Betrieb: Kommunikationsbeauftragte Anja Weyeneth und Standortleiter Mathias Hügli.

Viele in Reinach dürften früher vor allem zu Beginn der Weihnachtszeit auf der Suche nach einem preiswerten Weihnachtsbaum mit der ESB in Kontakt gekommen sein. Dieses Angebot gibt es seit einigen Jahren nicht mehr – viel mit dem Kerngeschäft der ESB hatte es aber auch nie wirklich zu tun. Eben dieses Kerngeschäft hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch stetig erweitert, weswegen sich gerade im Jubiläumsjahr ein kleiner Blick in die Geschichtsbücher lohnt.

Gegründet wurde die ESB im Jahr 1975 als «Eingliederungs- und Arbeitszentrum für Behinderte» in Liestal. Nach weiteren Standorteröffnungen in Gelterkinden und Frenkendorf folgte im Jahr 1987 dann die Einweihung der Werkstatt in Reinach am Kirschgartenweg. Schon wenige Jahre später konnte eine bis heute anhaltende Partnerschaft mit «Endress + Hauser Flow» eingegangen werden, was im Jahr 2007 schliesslich zur Gründung eines separaten Betriebs namens «promonta» in unmittelbarer Nähe zum Hauptkunden am Christoph-Merian-Ring führte. Dort befindet sich mittlerweile auch das Angebot der Tagesgestaltung.

Die ESB, die seit dem Jahr 1999 unter dem Namen Eingliederungsstätte Baselland läuft, vergrösserte sich stetig: Was vor 50 Jahren mit 40 Mitarbeitenden begann, erstreckt sich heute auf 23 Standorte und über 880 Mitarbeitende. Die ESB unterscheidet dabei nach drei Regionen: Reinach, Liestal und das Oberbaselbiet. Zur Region Reinach zählt neben den Betrieben am Kirschgartenweg und dem Christoph-Merian-Ring seit dem Jahr 2022 auch der Laden «Unverpackt» in Arlesheim.

Betrieb in Reinach mit neuem Namen

Interessierte konnten am Samstag an diesen drei Standorten einen Blick hinter die Kulissen werfen und einen Eindruck gewinnen, wie der Arbeitsalltag in den Betrieben der ESB so abläuft. Für den Standort am Kirschgartenweg war es zudem ein spezieller Tag, da man sich der Öffentlichkeit seit kurzem unter einem brandneuen Namen präsen-tiert: «MePro», eine Melange zwischen «Mensch» und «Produktion». Mathias Hügli ist Leiter des Standorts und ist schon seit 20 Jahren an Board. «Ein eigener Name bietet natürlich auch mehr Platz für die Identifikation mit der ­eigenen Arbeit und der Mitarbeitenden unter sich. Bei uns beschäftigen wir aktuell rund 130 Menschen», erklärt er den Schritt.

Die Zahl der Mitarbeitenden sei über die Jahre stetig gestiegen, doch daraus liesse sich per se noch nichts Konkretes ableiten, denn: «Wie auch sonst in der Gesellschaft gibt es auch bei unseren Mitarbeitenden vermehrt das Bedürfnis, in Teilzeit arbeiten zu können», meint ­Hügli über die Veränderungen der letzten Jahre.

Anja Weyeneth, Kommunikationsbeauftragte der ESB, meint ergänzend: «Während wir früher typischerweise in den Bereichen der industriellen Verpackung unterwegs waren, gibt es heute ein viel breiteres Angebot an Arbeitsplätzen. So bieten wir mittlerweile für Menschen mit Unterstützungsbedarf auch Stellen in der Gastronomie oder der Adminis­tration an.» Damit könne man auch den gestiegenen Ansprüchen der Mitarbeitenden an ihre Tätigkeiten vermehrt gerecht werden. «Wir haben auch Leute, die während der Woche zwischen den verschiedenen Betrieben der ESB hin und her wechseln. So können wir gut auf die verschiedenen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen», meint Weyeneth weiter.

Von der Gartenarbeit bis zum 3D-Drucker

Auch innerhalb des neu benannten Betriebs «MePro» am Kirschgartenweg gibt es mehrere Arbeitsbereiche, wie Standortleiter Hügli bei einem Rundgang ausführt. Hier werden Auftragsarbeiten verschiedenster Art für die Industrie ausgeführt. Dafür braucht es Mitar­beitende in der Logistik und dem technischen Dienst. In der Abteilung der mechanischen Fertigung werden die verschiedenen Maschinen und Gerätschaften bedient, die zur Herstellung der benötigten Industrieteilchen gebraucht werden. Der grösste Teil der Mitarbeitenden bei «MePro» sei aber mit Montage- und Verpackungsarbeiten beschäftigt, meint Hügli.

Zum Schluss des Rundgangs macht ­Hügli noch einen Ausblick: «Unser Wunsch für die Zukunft ist es, unseren Mitarbeitenden weiterhin ein vielfäl-tiges und ihren Fähigkeiten entsprechendes Arbeitsumfeld zu bieten. Denn jeder Mensch möchte gebraucht werden – Teil eines Teams zu sein, macht das möglich.»

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