«Die Zauberflöte»: erfrischend humorvoll und zugleich tiefgründig

Das Neue Theater Dornach wagt sich an Mozarts «Zauberflöte». Entstanden ist ein Stück, das die Geschichten zweier Opern vereint.

Um dieses Häuschen dreht sich alles: Das Bühnenbild überrascht praktisch in jeder Szene aufs Neue. Foto: Lucia Hunziker / zvg

Mozarts «Zauberflöte» gilt als eine der berühmtesten und erfolgreichsten Opern aller Zeiten. Figuren, Text und Inszenierung stammen vom Librettisten und Theaterdirektor Emanuel Schikaneder. Um die Kasse seines in finanzielle Schieflage geratenen Theaters aufzubessern, schrieb dieser ein Werk, das die beliebtesten Stile der Wiener Theaterwelt um 1800 aufnimmt: Volkstheater, Zaubermärchen, Singspiel und eben Oper.

Die Musik für sein Stück sollte kein Geringerer als Mozart komponieren. Doch weil dieser mit seiner Arbeit im Verzug war, sperrte ihn Schikaneder – so zumindest die Anekdote – wenige Wochen vor der Uraufführung 1791 in eine Gartenlaube. Dort sollte er die Oper finalisieren. Um diese Gartenlaube dreht sich in der Inszenierung des Neuen Theaters alles. Doch von vorne.

Vor noch geschlossenem Vorhang treten die Schauspielenden sowie die Sängerinnen und Sänger nacheinander auf die Bühne. Alle haben sie Schikaneders Libretto dabei. Und alle haben sie eine eigene Auffassung davon, was die «Zauberflöte» eigentlich ist. Dabei wird das Publikum auf eine Reise in die Geschichte der Oper mitgenommen. Dieser erste Auftritt durchbricht die vierte Wand – es wird nicht das letzte Mal sein. Die spielerisch eingeflochtenen Hintergrundin­formationen helfen, die «Zauberflöte» als Kind ihrer Zeit besser zu verstehen. Sogleich wird auch ein weiteres Stück eingearbeitet, das nur wenige Monate vor der «Zauberflöte» in Wien aufgeführt wurde: «Die Zauberzither». Sie ähnelt der Handlung ihrer berühmten «Opernschwester» stark und wird auch im zweiten Aufzug noch eine Rolle spielen. Schnell wird klar: Es wird ein Abend, an dem das Publikum mitdenken soll.

«Spasstheater» verwebt sich mit klassischer Handlung

Das Ensemble beginnt, das Stück erklärend, mit ersten «Proben» im und um das Gartenhäuschen. Schnell verweben sich Elemente des Altwiener’schen «Spasstheaters» mit historischer Einordnung der Erzählenden (Natalina Muggli, Florian Müller-Morungen und Robert Baranowski). Aus dieser Probensitua­tion entfaltet sich mehr und mehr die «klassische» Zauberflöte: Im ersten Aufzug soll Prinz Tamino (Michael Feyfar) auf Verlangen der Königin der Nacht (Rebekka Maeder) ihre Tochter Pamina (Kathrin Hottiger) aus den Händen des Priesters Sarastro (Florian Müller-Morungen) befreien. Dieser hatte sie entführt. Ausgestattet mit einer Zauberflöte, macht sich Tamino gemeinsam mit dem Vogelfänger Papageno (Kimon Barakos) in Sarastros Reich auf die Suche. Vor dem zweiten Aufzug durchbrechen die drei Erzählenden wieder die vierte Wand. Nun, so das Trio, würde sich Schikaneders Stück von einer Komödie zu einer Tragödie wandeln. Was wohl die Zauberzither damit zu tun hat? Das sei an dieser Stelle nicht verraten.

Die Figuren streichen kurzerhand die frauenfeindlichen Passagen der originalen Fassung von Schikaneder – so kann der zweite Akt beginnen: Tamino findet Pamina, die beiden verlieben sich. Doch bevor sie vereint sein können, müssen beide harte Prüfungen bestehen. Und am Schluss wird auch Papageno mit seiner Papagena belohnt.

Ein «Eyecatcher», der sich wandelt

Dem Ensemble verlangt Regisseur Jonas Darvas viel ab: Nur vier Sängerinnen und drei Schauspieler stehen auf der Bühne. Sie wechseln laufend die Rollen, singen und spielen teilweise mehrere Figuren. So werden aus Schauspielern Sänger und aus Sängerinnen Schauspielerinnen.

Ein wahrer Eyecatcher ist das Bühnenbild: Das Gartenhäuschen dreht sich in jeder Szene um die eigene Achse, zeigt jedes Mal eine neue unbekannte Seite, wandelt sich – mal ist es romantisch verträumt, mal besteht es nur noch aus einem Stangenskelett. Das trägt zum angenehm schnellen Tempo des Stücks bei. Die vielen humoristischen Einlagen, die sich selbst reflektierenden Figuren und der gestraffte zweite Aufzug machen den Abend kurzweilig und sehr unterhaltsam.

Geschickt verwebt Regisseur Darvas die Geschichten zweiter Opern, die fast zeitgleich uraufgeführt wurden und sich in ihrer Handlung überraschend ähneln. Ihm und dem Ensemble ist es gelungen, urkomischen Klamauk mit tiefgründigen Gedanken über die Entstehungs­geschichte einer Oper zu verbinden.

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