Die «Bienenkillerin» im Visier

Mit der Frühlingswärme erwachen auch die Königinnen der Asiatischen Hornissen. Diese invasive Art bedroht immer mehr Bienenpopulationen – auch im Schwarzbubenland, wo es in Nuglar-St. Pantaleon bereits einen eigenen Beauftragten für die «Vespa velutina» gibt.

Allesfresserin: Die Asiatische Hornisse ernährt sich nicht nur von kohlenhydratreicher Nahrung wie Nektar, sondern auch von Bienen. Foto: Kanton BL/Claude Flückiger

Allesfresserin: Die Asiatische Hornisse ernährt sich nicht nur von kohlenhydratreicher Nahrung wie Nektar, sondern auch von Bienen. Foto: Kanton BL/Claude Flückiger

Imker: René Buser ist seit September 2025 Beauftragter für die Asiatische Hornisse der Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon. Foto: zVg

Imker: René Buser ist seit September 2025 Beauftragter für die Asiatische Hornisse der Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon. Foto: zVg

Tägliche Kontrolle: Viele Imker im Kanton Solothurn schützen ihre Bienenstöcke mit transparenten Selektivfallen. Foto: Melanie Aprin

Tägliche Kontrolle: Viele Imker im Kanton Solothurn schützen ihre Bienenstöcke mit transparenten Selektivfallen. Foto: Melanie Aprin

Die Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon ist Heimat zahlreicher Bienenvölker. Knapp zwei Dutzend davon gehören dem Imker René Buser (79), der ursprünglich aus Füllinsdorf stammt, sich aber 1973 aus Liebe zu einer «Schwarzbübin» in Nuglar ansiedelte. Zehn Jahre später entdeckte der Naturliebhaber über die Baumpflege seine Leidenschaft für die Bienen. «Seitdem halten mich die fleissigen Tierchen jung», scherzt der Honigverkäufer, der sein Hobby kantonsübergreifend betreibt – weshalb einige seiner Bienenstöcke auch oberhalb von Liestal und in Sichtnähe zum Restaurant Sichternhof stehen.

Die grössere Anzahl von Völkern betreut Buser jedoch gemeinsam mit seiner Tochter Gabriela in Nuglar, wo ihm im Herbst letzten Jahres eine besondere Aufgabe auferlegt wurde: Der Gemeinderat wählte ihn zum Beauftragten für die Asiatische Hornisse – ein Amt, das es zuvor noch nicht gegeben hatte. Glaubt man dem erfahrenen Imker, wird dieses Amt künftig eine Normalität sein: «Weil sich die Asiatische Hornisse in Europa etabliert hat und sich weiter ausbreiten wird.» Das sei vergleichbar mit der Kirschessigfliege und der Varroamilbe, «die auch ein Dauerproblem wurden», sagt der Pensionär, der sich noch bestens daran erinnern kann, welches Entsetzen insbesondere der winzige Honigbienenparasit Varroamilbe auslöste, «als er zu Beginn meiner Zeit als Imker vor 42 Jahren erstmals auch unsere Honigbienenvölker arg übervölkerte».

«Sie fallen wie Schneeflocken von ihren Nestern herunter»

Nun habe man einen neuen importierten Schädling, sagt Buser, der sich in seinem neuen Ehrenamt hauptsächlich darum kümmert, in Nuglar und St. Pantaleon, aber auch in Büren und Gempen die Entfernung von Hornissennestern zu organisieren. Besonders besorgt wirkt er dabei nicht: «Im letzten Jahr haben wir in Nuglar zwei Nester entfernen lassen. Eines befand sich in einem Feld mit Kirschbäumen und das andere in einer 20 Meter hohen Rottanne.» Im Jahr davor habe man im Gemeindebann ebenfalls ein Nest entdeckt, das allererste überhaupt: «Es wurde gleichfalls liquidiert und von geschulten Baumkletterern heruntergeholt.» Die Entfernung der Nester erfolge auf Kosten der Gemeinde durch Experten: «Da kommen Fachleute, die spezielle und zugelassene Gase in die grossen Nester sprühen und die Hornissen auf diese Weise abtöten. Die Tiere, die als gebietsfremde Art zum Glück nicht geschützt sind, fallen dann wie Schneeflocken von ihren Nestern herunter.»

Wer ein Nest entdeckt, kriegt eine Belohnung

Wer in Nuglar oder St. Pantaleon, deren Imker in der Regel dem Regionalverband Bienenzüchterverein Dorneck angehören, ein Nest sichte und dem Verband melde, erhalte derzeit noch eine Prämie von 50 Franken oder alternativ Honig als Belohnung. «Bisher haben sich die Leute eher für unseren fein schmeckenden regionalen Bienenhonig entschieden», sagt Buser und ist sich sicher, dass auch in der Bienensaison 2026 wieder Nester gemeldet werden. «Meistens sind das Zufallsentdeckungen von Spaziergängern oder Reitern, die in hohen Baumwipfeln die Nester der Asiatischen Hornisse gesichtet haben.» Manche Nester würden sich aber auch in geschützten Bereichen wie Schuppen, Dachvorsprüngen oder Vogelnistkästen befinden. «Dabei handelt es sich jedoch um die Erstnester, auch Primärnester genannt. Sie werden von der Königin im Frühjahr vorzugsweise an dunklen Orten gegründet.»

Diese kleineren Nester entdecke man deutlich seltener als ein grosses Sekundärnest, in das ein Hornissenvolk im Sommer oder im Herbst umziehe, «wenn es ihm im Primärnest zu eng geworden ist». Als Imker freue er sich über jedes vernichtete Nest dieser «Bienenkillerin». Damit getan sei es indes nicht: «Entgegen einer aktuellen Empfehlung der Kantone Basel-Stadt und Baselland setzen wir Imker vom Bienenzüchterverein Dorneck parallel auch auf Hornissenfallen, um die Anzahl von Asiatischen Hornissen bei den jeweiligen Bienenständen auf ein Minimum zu reduzieren.»

Sein Regionalverband und auch der Verband Bienen Solothurn würden dabei selektive Lebendfallen nutzen, «aus denen alle kleineren Insekten leicht wieder hinausfinden». Die Behauptung, dass viele andere Insekten in den Fallen verenden, könne er nicht nachvollziehen: «Das widerspricht meinen eigenen Erfahrungen mit den Fallen, die ich nun schon im dritten Jahr in Folge zum Schutz meiner Bienenstöcke einsetze.» Dank dieser Fallen habe er allein im letzten Jahr weit über 200 Asiatische Hornissen gefangen, «die sich nun mal leider auch von Honigbienen ernähren». Im Gegensatz zu ihren geschützten Verwandten, den Europäischen Hornissen, von denen er im letzten Jahr keine einzige in seinen Fallen entdeckt habe – anders als 2024, als er noch einige wenige Europäische Hornissen aus seinen Fallen befreit habe. «Alle diese Tiere holte ich noch am selben Tag heraus, weshalb sie unbeschadet weiterleben konnten.» Die ein- bis zweitägliche Kontrolle sei bei den Lebendfallen wichtig: «Nur so können wir die Asiatischen Hornissen von unseren Bienen weglocken, ohne unseren heimischen Hornissen zu schaden.»

So ist die Situation in Baselland

In den beiden Basel wurden gemäss kantonalen Angaben 2025 insgesamt 337 Nester der Asiatischen Hornisse gemeldet, davon 266 im Baselbiet. Die Tendenz sei stark steigend, heisst es in einer Medienmitteilung vom März der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) Baselland in Absprache mit dem Kanton Basel-Stadt. Meldungen aus der Bevölkerung seien «zentral» und mittels Fotoaufnahmen und Smartphone über die nationale Meldeplattform asiatischehornisse.ch möglich. Die gemeldeten Nester würden entfernt. Einsätze würden indes «wahrscheinlich aufgrund der hohen Anzahl priorisiert werden». Höchste Priorität hätten Nester «in unmittelbarer Nähe von Spielplätzen oder Schulen». Sie seien «wegen des aggressiven Verteidigungsverhaltens» der Asiatischen Hornisse «ein ernst zu nehmendes Problem» und müssten «so schnell wie möglich neutralisiert werden», so die BUD.

Freiwilligen, die bereit seien, «einen Beitrag an die Eindämmungsmassnahmen zu leisten», empfiehlt der Kanton, sich über neobiota@bl.ch zu melden. Abgeraten wird in der Mitteilung von der Aufstellung von Hornissenfallen, obwohl die Ansiedlung der Asiatischen Hornisse in der Region Basel rasant vorangehe.

Zur Begründung heisst es, die momentan angebotenen Fallen seien «nicht selektiv». Eine neue, vom Bund finanzierte Studie habe gezeigt, «dass unter Umständen sehr viele andere Insekten in den Fallen verenden».

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