Der Wakkerpreis geht an die Birsstadt

Der Schweizer Heimatschutz zeichnet den Verein Birsstadt mit dem Wakkerpreis 2024 aus. Die Auszeichnung ist für beide Seiten historisch.

Vorbildfunktion: Das Birstal – hier im Bild die Gemeinde Aesch – steht laut der Vorsitzenden der Wakkerpreis-Fachkommission sinnbildlich für viele Agglomerationen in der Schweiz. Foto: zVg

«Es ist ein Sonderpreis», sagte Stefan Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes, am Dienstag an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Münchenstein. Ein Sonderpreis deshalb, weil dieses Jahr mit dem Verein Birsstadt ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wird. Normalerweise erhalten einzelne Gemeinden für den Erhalt historischer Baukultur in gelungener Verbindung zur Entwicklung des Ortsbildes den schweizweit viel beachteten Preis. Dass nun ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden ausgezeichnet werde, verstehe der Schweizer Heimatschutz als Zeichen dafür, dass Agglomerationen in der ganzen Schweiz aufgrund der zunehmenden Zersiedelung unter Druck stünden, führte Brigitte Moser, Vorsitzende der Wakkerpreis-Fachkommission, aus.

Der Verein Birsstadt wurde 2018 offiziell gegründet. Bereits in den Jahren zuvor begannen die Gemeinden im Birs­eck über ihre Grenzen hinaus zusammenzuarbeiten. Der Birsraum wurde immer stärker gemeinsam geplant, bis der Zusammenarbeit mit der Vereinsgründung ein rechtlich verbindlicher Rahmen gegeben wurde. Die Gemeinden Birsfelden, Muttenz, Münchenstein, Reinach, Arlesheim, Aesch, Pfeffingen, Duggingen, Grellingen und Dornach diskutierten und planten fortan gemäss Vereinsstatuten gemeinsam Themen wie Mobilität, Wohnen und Arbeiten, Freizeit und Erholung sowie Natur und Umwelt. Der Schweizer Heimatschutz würdigt mit dem Wakkerpreis diese auf freiwilliger Basis entstandene und nicht diktierte Zusammenarbeit über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus.

Gelungene «Reparatur»

«Gemeinsam erobern sich die zehn Gemeinden des Vereins Birsstadt ihre unkoordiniert gewachsene Landschaft in der Agglomeration Basel zurück», schreibt der Heimatschutz als Einleitung seiner Medienmitteilung.

Das Birstal stehe sinnbildlich für viele Agglomerationen in der Schweiz, betonte Brigitte Moser in ihrer Laudatio. Im einst landwirtschaftlich geprägten Tal, in dem sich seit dem 19. Jahrhundert Industrie- und Gewerbebetriebe ansiedelten, breitete sich der Siedlungsteppich kontinuierlich aus. Hochleistungsstrassen durchschnitten den Raum. Mit der Aufwertung des Natur- und Lebensraums an der Birs, der sorgfältigen Weiterentwicklung der bedeutenden Industrieareale sowie der Sicherung und Stärkung des reichen baukulturellen Erbes der Region sei dem Verein Birsstadt die ­Reparatur gelungen, so der Schweizer Heimatschutz. Mit Reparatur meint der Heimatschutz das Zurückholen von verlorenen Qualitäten. «Die Herausforderungen konnten nur gemeinsam gelöst werden», unterstrich Moser die Bedeutung des Gemeinsamen.

Siebtgrösste Stadt der Schweiz

Das Bewusstsein für eigene Perlen sei gewachsen, lobt der Heimatschutz die zehn Gemeinden. Als Beispiele nennt er das Walzwerkareal auf Münchensteiner und Arlesheimer Boden, das Gastronomie, Gewerbe, Sport, Freizeit und Kultur verbindet, die Wohnüberbauung Schappe in Arlesheim, das Goetheanum in Dornach, die Transformation des Dreispitzareals in Münchenstein, der Natur- und Erlebnisweiher und das erneuerte Quartier Mischeli in Reinach und ganz grundsätzlich die grösseren und kleineren Projekte zur Aufwertung entlang der Birs.

Der Schweizer Heimatschutz vergibt den Wakkerpreis seit über 50 Jahren. Die Kriterien seien im Grundsatz bis heute gleich geblieben, betonte Geschäftsführer Stefan Kunz: der historische Bestand, die Qualität der Neu- und Umbauten und planerische Aspekte. Mit fast 95 000 Einwohnerinnen und Einwohnern wäre die Birs­stadt die siebtgrösste Stadt der Schweiz.

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